Wer die Wahl hat…

17. September 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

…der die Qual hat.
Am Sonntag sind mal wieder Wahlen. Gewählt wird der deutsche Bundestag. Die mittlerweile knapp 700 hoch bezahlten Vertreter ihrer Region erstellen daraus die Bundesregierung. Diese sitzen dann für vier Jahre in dem vom Kaiser Wilhelm ll abfällig aber nicht ganz unzutreffend als Quasselbude bezeichneten Reichstag und halten sich mehr oder minder staatstragende Monologe während in diversen Hinterzimmern diverse Ausschüsse Gesetzte zur Förderung irgend einer Lobby beschlossen werden.

Natürlich haben die meisten der knapp 50 Millionen deutschen Wahlberechtigten längst schon per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. Auch ich habe noch am gleichen Tag an dem die Wahlbenachrichtigung eingegangen ist online die Briefwahl Unterlagen beantragt. Was ursprünglich dazu gedacht war möglichst viele der älteren Wähler für die Wahlen zu mobilisieren ist längst in der breiten Bevölkerung angekommen. Denn so kann der Wähler die in Frage kommenden Kandidaten sichten und sich gezielt ein Bild darüber machen wen er nach Berlin schicken möchte um seine Interessen best möglichst vertreten zu wissen oder wer halt einfach gar nicht geht.

Im Grunde ist der Ausgang der Wahl klar. Die Prognosen sind in den letzten Jahren immer recht zuverlässig gewesen. Die CDU gewinnt die Wahl mit großem Abstand. Merkel wird wieder Kanzlerin. Zuverlässig aber auch langweilig. Die spannendere Frage ist eigentlich noch nicht einmal mit welcher Partei sie koaliert sondern einfach nur wie stark denn die kleineren Parteien abschneiden.

Nachdem mit Westerwelle die FDP 2009 sogar für die Mitte wählbar war ist sie heute unter Christian Lindner, diesem aufgeblasenen Wichtigtuer, wieder ganz die alte Klientelpartei der noch besser Verdienenden.
Die Linke hat zwar ein recht interessantes geradezu humanistisches Wahlprogramm aufgelegt. Mit diesem aber die Latte gerade für das eigene postkommunistische Kandidatenkarussell in unerreichbare Höhen aufgelegt. Die Linke scheitert praktisch an ihrer eigenen Courage. Dabei hat Katja Kipping mal gut angefangen. Aber das ist lange her. Heute erscheint diese nur noch als eine Art Christian Lindner in Weiblich.
Genau umgekehrt erscheint einem da das neu auf der Bundestagspolitischen Bühne aufgeschlagene politische Schmuddelkind. Die AFD. Diese haben ein grauenhaftes Wahlprogramm. Aber Kandidaten, die es mit wohlkalkulierten immer wieder auch grenzwertigen Aussagen schaffen den Finger dorthin zu legen wo es den bräsig dahin schlummernden Etablierten richtig wehtut. Immer wieder schaffen sie es die politischen Akzente zu setzen und die Regierung scheinbar beliebig vor sich herzutreiben. Dass es beinahe schon wieder eine Freude ist, den politischen Diskurs zu verfolgen.

Zum Thema bräsig: Die Grünen schalten sich dagegen schon über einen längeren Zeitraum gekonnt selbst aus dem politischen Blickfeld. Vor der einstigen Öko-Partei sind sie längst zur missliebigen Volksgouvernante geworden. Auch ihr Erfolg in Stuttgart gibt ihnen bundesweit keinen Auftrieb mehr. Wobei die Bundesgrünen eigentlich immer schon ein wirrer, chaotischer Haufen waren.

Ich selber bin auch eher nicht so der taktische Wähler. Ich habe es noch nie fertiggebracht SPD oder CDU zu wählen. Sowohl kommunal als auch im Bund fühle ich mich durch diese beiden im Grunde gleichen Parteien nicht wirklich vertreten. Längst hätte ich gerne die schläfrige Monotonie durchbrochen und Merkel wieder auf die Oppositionsbank geschickt. Aber was sind die Alternativen?
Martin Schulz. Der schon bei seiner EU Bewerbung allen gezeigt hat was für ein unsympathischer heuchlerischer Arsch er eigentlich ist? Du schaust in dieses Gesicht und denkst…

Dann also doch wieder eine von den kleinen unterstützen. Nur wen? Ich denke ich werde der AFD mal eine Chance geben. Und erhoffe mir dadurch wieder lebendige Diskurse um wirklich wichtige, mal wieder bodenständigere Themen.

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Der Spießerkriege zweiter Teil – Stuttgart demonstriert gegen eine Demo

5. Januar 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Unter #stupida oder #nopegida laden die http://www.die-anstifter.de eine sozialistische Stiftung, die alljährlich den Stuttgarter Friedenspreis auslobt – jüngst in Abwesenheit für Whistleblower Edward Snowden mit einer Laudatio der sympathischen taz-Chefin Ines Pohl – und in der letzten Zeit auch ein wenig die Federführung im Kampf gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 übernommen hat zur Demonstration gegen die in Dresden großgewordene Bewegung, Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes kurz #PEGIDA, auf den Stuttgarter Schloßplatz ein. Hintergrund so der Text der Einladung: Man hat erfahren, dass #Pegida per Facebook eine Stuttgarter Gruppe mit dem Namen #Stugida gegründet haben will.
Wie jetzt. Es gibt ne Gegendemo wo noch nicht einmal klar ist wer eigentlich demonstriert und ob diese überhaupt aktiv werden? Da muss ich unbedingt hin. Dazu hätte ich unbedingt eine Menge Fragen.
Schon nächsten Montag will diese Gruppe erstmalig in Stuttgart zur Demo aufrufen, predigt AnStifter-Geschäftsführer Fritz Mielert zu Beginn von seiner Rednerbühne. Der befürchtet das Allerschlimmste mit #Pegida. Die Dresdener Demo mit zuletzt 18.000 Teilnehmern ist in den letzten Tagen so ein bisschen zum Feindbild und Prügelknaben der deutschen Spaßgesellschaft geworden. Dass #Pegida für Mielert nicht hochansteckend ist fehlt gerade noch. Auch meine besser informierte Umgebung rund um die Rednerbühne reagiert ein wenig verstört als er #Pegida neben dem omnipräsenten und erwartbaren rassistischen Schmutzkübel den auch Politiker und Medien für #Pegida schon fleißig genutzt haben (meist um von eigener Hilflosigkeit gegenüber den angesprochenen Problemen abzulenken) auch den Kampf gegen die Frau unterstellt. Denn das und diese ganzen Vorhaltungen kommen im Positionspapier der #Pegida eigentlich nicht vor.
Doch auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fitz Kuhn (Grüne), der die Flüchtlinge, stellvertretend als syrischer Flüchtlingschor, erst einmal willkommen heißt ist am Abend schnell auf politischen Stammtischniveau angelangt und meint #Pegida sei nicht das Volk wie sie das ausrufe, sondern quasi er.
Was ist #Pegida dann, möchte man fragen, wenn kein Volk vielleicht mehr so ein Bäääh? Bevor er noch einen drauflegt und #Pegida für seine Energie- und Verkehrspolitik die Verantwortung aufzulasten versucht. Was rundum irritierte Lacher auslöst. Interessant ist dass Kuhn´s Aussagen sich in der Tat oft mit dem #Pegida-Positionspapier decken. Er nennt Flüchtlinge dezentralisiert unterzubringen gar das Stuttgarter Modell und erntet dafür großen Applaus. Auch der eingeladene frankfurter Pfarrer argumentiert kaum besser. Das unglückselige Irrenhaus aus Sozialisten und Evangelikalen ist damit komplett und ich fühle mich wieder an meinen ersten Besuch Bei der S21-Demo
https://explicatiophilosophiemagazin.wordpress.com/2011/01/22/schwabische-spieserkriege-teil-1-stuttgart-21-eine-stadt-gegen-eine-kloschussel/
vor einigen Jahren erinnert.
„Du zweifelst, dass es Rechtsradikale gibt und Asylbewerberheime brennen?
Ne, nicht wirklich, oder?“ meint AnStifter-Gründer Peter Grohmann auf meine irritierte Mail-Anfrage warum er gegen etwas ankämpfen möchte, dass es so gar nicht gibt. Und bin erstmal sprachlos. Wobei ich die Intension eines altstalinistisch geprägten Theatermannes noch nachvollziehen kann. Schließlich bekomme ich von Grohmann dankenswerterweise auch immer wieder das für mich unverständliche Sozialdemokratisch seines Umfelds ins Deutsche übersetzt. Für ihn ist diese Veranstaltung auch eher der Unangenehme Teil.
Stuttgart ist ja im Grunde ein Musterbeispiel an Toleranz. Von jeder Sorte Irrer haben wir wenigstens ein Exemplar in der Stadt, der uns täglich seine wirren Ideen vorkauen darf. Und getreu dem Motto „Auf die Wiesen und durch den Wald“ kann gegen alles demonstriert und auch darüber berichtet werden. Und jedem kann man auch nach belieben hinterher laufen. Und dazu sind die Montagsdemos im Grunde eine tolle Sache. Jeder Bürger kann sich nach Belieben Luft verschaffen und auch mal ordentlich Unsinn ablassen. Da halten sich auch rechts, links und religiös verwirrt für gewöhnlich die Waage. Vielleicht sind solche Demos auch die sinnvollste Verwendung von Steuergeldern in der letzten Zeit.
Nein sagen und dagegen sein ist jedoch immer einfach. Aber alles was mir nicht passt oder was sich zu großen Pamphleten verwursten lässt in einen Sack zu stopfen #Pegida draufschreiben um dann fröhlich draufzuhauen ist mir nicht so gut vermittelbar. Denn irgendwann sollten auch die Spaßpolitiker aus Berlin mal Lösungen auf den Tisch legen.
Woher kommt aber dieses hemmungslose verleumden und das geschlossen hässliche auftreten einer sonst seriösen Presse?
Klar hat Pegida mit seiner „Lügenpresse“ Kampagne Medien und Politikum ordentlich vor den Kopf gestoßen. Im S21-Stuttgart hat das „Lügenpack“ rufen gegen die CDU noch funktioniert. Aber keiner hört es gerne, wenn man seine kleinen Sauereien beim Namen nennt. Schließlich war es gerade das merkelsche Umfeld, das sich zu Beginn der IS-Offensiven sehr lautstark gegen den Islam positioniert hat. Jeder zurückliegende Spiegeltitel hatte den Islam verteufelt.
Und gerade bei älter werdenden weniger abenteuerlustigen Menschen ist der Sicherheitsgedanke, dass morgen doch bitte möglichst alles noch so ist wie heute, eben unwesentlich größer als bei gutsituierten Politikern und weltgewandten Medienleuten, denen der merkliche Ausverkauf der konservativen Werte weniger zusetzt.
Damit ist #Pegida auch zu einer Art Klassenkampf geworden. Man rächt sich dafür mit dem Schüren dumpfer Vorurteile, Fremdenhassvorwürfen und Intoleranz. Und zeigt, dass man einer derartigen Gruppierung aus der Unterschicht aus dem Osten verbal immer noch haushoch überlegen ist. Das stellt damit aber auch einmal mehr die Mittelmäßigkeit der geistigen Fähigkeiten unserer intellektuellen Oberschicht unter Beweis. Man ist sich auch nicht zu Schade die Veranstaltung mit Provokateuren zu verunglimpfen. Journalisten oder solche die sich dafür halten mischen sich unters Volk und Interviewen sich selbst dabei wie sie rassistische Ressentiments raushauen.
Es wird fleißigst Öl ins Feuer gegossen. Und nachgetreten was das Zeug hält. Geschickt webt man Migranten und andere ausgesucht stimmgewaltige Minderheiten in dieses Spiel ein. Ohne Zuwanderung gehts im Land nicht mehr voran, singt uns der wirtschaftsfreundliche Medienteil täglich vor und verschweigt dabei, dass ein deutsches more and more andere Länder immer weiter ausbluten lässt. Man kann wunderbar auf ein Feindbild einschlagen, dass man sich so selber geschaffen hat. Dass sich auch #Pegida gegen Fremdenhass positioniert ist dabei völlig egal. Wichtig scheint nur, dass keiner merkt, dass man nichts gegen die aktuelle Situation tun will.
Was #Pedida nun eigentlich wirklich ist erfährt daher wohl so schnell niemand. Soll er auch nach Möglichkeit nicht. Ob die Dresdener ähnlich wie wir Stuttgarter meist Demos besuchen weil nichts Lustiges mehr im Fernsehen kommt?
Denn ob es zu #Stugida am nächsten Montagabend kommen wird ist angesichts der „besonderen Diskursfähigkeit“ der linksautonomen Szene sehr fraglich. Zumal #Stugida immer mehr nach ner von den AnStiftern selbst gebastelten Ente aussieht. Alle online Infos verweisen auf Seiten die #Pegida eher verunglimpfen.
Stuttgarts Wutbürger müssen sich künftig entscheiden, auf welcher der vielen Montagsdemos sie sich in Zukunft die Beine in den Bauch stehen wollen. Die Teilnehmerzahl zur 254. S21 Demo fiel heute ein wenig dünner aus. Man darf gespannt sein, wie sich die Montagsdemos in Stuttgart zukünftig gestalten wenn die Themen mehr und die Grüppchen kleiner werden. Bildung, für und gegen S21, #Pegida und Cholera.
Insgesamt empfinde ich die #Pegida-Berichterstattung jedoch als ein Kapitel im Journalismus für das ich mich ehrlich schäme.

Stimme zu verschenken

22. September 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Bin allmählich fürchterlich angenervt von der permanent extrem penetranten Nötigung durch die Medien doch unbedingt zur Wahl gehen zu müssen. „Bürgerpflicht, Demokratie und furchtbar schrecklich wichtig. Wer nicht wählt ist böse und ein Nazi“. Zumindest unterstützt er damit Pest Colera, Autodiebe und was weiß ich nicht alles… Und wer sich da nicht alles vor den Karren spannen lässt, damit unser Politikum auch weiterhin seine Scheinchen bekommt. Sportler, Schauspieler, Werbeagenturen etc. Leute von denen sonst eigentlich kaum einer Privates hören will. Teils klar aus Angst, dass es doch nur irgend ein perverser Schwachsinn ist. Aber auch sonst. Es ist entwürdigend.

Und ich weiß bei all dem medialen Hirnfick noch immer nicht wen ich eigentlich wählen will. Die Auswahl, muss man eigentlich noch was dazu schreiben, ist ja auch einfach wieder mal zum weglaufen.

Da gibts die CDU in der Hauptsache vertreten durch die aktuelle Kanzlerin Angela Merkel – einem sprechenden Sedativ. Sowie der Kandidatin für den Wahlkreis Stuttgart 2: Berufspolitikerin Karin Maag. Nie sonst auch nur irgend was von der gehört.

Zum Prozedere muss kurz erklärt werden, dass unsereiner bei der Bundestagswahl 2013 zwei Stimmen zu vergeben hat. Eine für einen Direktkandidaten und eine für eine Partei.

Die SPD als solche wird vertreten von Peer Steinbrück einem aufgeblasenen Hamburger Vollarsch. Der Kandidat für den Wahlkreis Stuttgart 2 ist Nikolas Schäfstoß. Auch noch nie sonst in Erscheinung getreten.

Was haben wir noch: Matthias Werwigk von der FDP. Immerhin seither im Stuttgarter Stadtrat und im Bund der Selbstständigen präsent und seine Frau war auch mal Justizministerin. Also schon eher ne bekannte Größe. Aber die Bundes-FDP ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. 2009 angetreten mit einem riesigen Paket die politische Landschaft zu verändern wovon sie bis heute nichts haben umsetzen können. Statt dessen produzieren nach etlichen personellen Querelen irgend welche blasierten Spukgestalten, ein Suffkopf und ein lustiger kleiner Vietnamese fleißig heiße Luft.

Sonst: Eine Biggi Bender. Klar ne Grüne. Die kommt auch immer nur zur Wahl aus ihrem Loch gekrochen. Und mit den Bundesgrünen bin ich irgendwie noch nie grün gewesen. Zu seltsam die Kandidaten und zu viel Angst machen mir deren im Grunde zutiefst menschenfeindlichen Vorstellungen vom Zusammenleben. Es gibt eigentlich nichts was diese Vögel einem nicht gerne verbieten würden. Selbst jedoch ist ihnen keine Absurdität zu fremd.

Für die Linke tritt Marta Aparacio an. Eine argentinische Textblase, die zu ihrem Thema, der S21-Sache auch irgendwie gut passt. Auch diese Gestalten sind mir zu seltsam. Auch wenn die Linke an für sich ein recht ansehnliches Program auf die Beine gestellt hat bei Aparacio verweigert mir mein Arm seinen Dienst. Die kann ich einfach nicht.

Mir fällt allerdings auch auf, dass ich mit meiner Sympathie für unsere Parteienlandschaft in den vergangene vier Jahren von der FDP zur Linken gewechselt habe. Aber die Programme der FDP damals und der Linken heute sind auf irgend eine Art doch vergleichbar.

Genervt beschließe ich am Freitag für diese Bundestagswahl meine Stimme zu verschenken. Bedürftige, die gerne wählen würden, so sie dass denn dürften gibts wohl genug. Selbst in Stuttgart.

Mein Experiment: Ich setze mich mit einem Schild: Aufschrift: Stimme zu verschenken! Vor mein Wahllokal in der Martin-Luther-Schule und warte. Nach einiger Zeit spreche ich aktiv Passanten zur Bundestagswahl an. Was sie denn gerne wählen würden und warum.

Da gehen die Wünsche dann sehr stark auseinander und meine Suche nach dem Besten Grund das Kreuzchen zu machen artet bald aus.

Viele wollen gerne die CDU. Wenn die Merkel nicht wäre. Oder die SPD ohne Steinbrück. Von den kleineren Parteien hält man im Allgemeinen derzeit nicht so viel. Zu gut funktioniert hier die schwarze Propaganda der etablierten Parteien.

Und die die sich doch vorstellen könnten eine der kleinen Parteien zu wählen und dies auch sehr freimütig bekunden, denen möchte ich aus verschiedenen anderen Gründen meine Stimme dann doch eher nicht geben.  In dieser sehr liberalen Stadt leben leider doch zu viele Spinner.

Für Schland auf´n Seelberg

6. September 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Heute hat die rechtspopulistische Partei Pro Deutschland ihren Besuch in Bad Cannstatt angekündigt. Vor einem so genannten „Interkulturellen Zentrum“ (so das Powersprech der Antifa) einem Haus eben, mit einem Islamischen Gemeindezentrum, das von der örtlichen Polizei immer mal gerne mit diversen Razzien beehrt wird (man muss dem Steuerzahler ja ab und an was bieten für sein Geld), sowie einem Hindutempel, allerdings mit tamilen Hindus, was auch ganz schlimm ist, zumindest für die konkurrierenden Hindus in der Haldenstraße, einem Dominastudio, diversen Fachärzten und Anwaltskanzleien – will die Partei für ihre Sache werben. Die Demonstration in Cannstatt von 15 bis 17 Uhr ist nur eine ihrer Stationen an diesem Tag.

Eine rechtspopulistische Kundgebung mitten auf meinem Seelberg. Das kann ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Die Polizei ist präsent. Überall das neue Blau. Selbst bei uns scheint das olle Grün also endlich ausgedient zu haben. Fällt mir sofort auf. Auch Gegendemonstranten sind schon zahlreich vertreten und machen was Gegendemonstranten, auch bei den lustigdoofen Montagsdemos gegen den Hauptbahnhof machen – nämlich Lärm. Ein paar hochgerüstete Polizisten versuchen sich höflich dem Redeschwall diverser verwirrter Rentner zu entziehen. Möglich aber auch, dass sie denselben auch einfach nur intellektuell nicht folgen können. Sind eben die besonders geschulten Eingreiftrupps.

Nur wo sind jetzt eigentlich die Rechten? Ich sehe und höre sie nicht einmal leise. Ich frage nach und lasse mir sagen, dass diese auf der anderen Seite der B 14, der Waiblingerstraße sind. Sie stehen, sehe ich dann,  in einer eigens abgesperrten kleinen Seitenstraße. Interessanterweise, so erfahre ich später vom Polizeisprecher Ole Petersen nicht ohne feixen, auf eigenen Wunsch. Die Jungs und das Mädel haben sich eine 50 Meter Pufferzone mit Polizeischutz erbeten. Die Ärmsten. Also das Rad schnappen und schnell dorthin.

Doch selbst der Versuch sich der Gruppe von der anderen Seite zu nähern wird nach einiger Zeit unterbunden. Mit zwei anderen Jungs, auch so verstrahlt wirkende Langhaarige, werden wir von einem der Beamten gebeten uns bis zur Wiesbadenerstraße, der nächsten Parallelstraße eben, zurückzuziehen. Eine Erklärung gibt es auf auf mein Nachfragen zunächst nicht. Er habe eben die Order und möchte uns bitten… Nicht dass wir uns mit knapp 30 sich langweilenden Beamten in kompletter Schlägermontur anlegen wollen, aber neugierig sind wir eigentlich schon. Zumal wir wie wir dem Beamten zu dessen Enttäuschung mitteilen müssen, nichtmal zu irgend einer der diversen an ihren Fähnchen erkenntlichen Organisationen auf der anderen Straßenseite angehören. Wir sind weder Ökos noch Faschisten. Zumindest nicht offiziell. Einfach nur Gaffer eben. Aber Polizisten, die Bürger aktiv vor dem Geschwafel von Randgruppen schützen, das wäre selbst für Stuttgart zu schön. Dennoch können wir in der kurzen Zeit die wir dort stehen einiges aufschnappen und dem Redner mit seinem lustigen Sonnenhut durchaus Entertainerqualitäten bescheinigen. Nur schade eben, dass dem absolut niemand zuhört. Aber diese Todeszone zwischen sich und dem Publikum hatten sie sich ja so gewünscht. Nach einigen lustigen Pamphleten und dem Sprecher, der zeitweilig wirkt als wolle er mit seinem Mikrofonkabel eine lustige Rope-Skipping Nummer, für echt Deutsche – Seilspringen, veranstalten passiert sonst eher nichts.

Irgendwann packen die Jungs zusammen und wenden sich Stuttgart-Botnang ihrem nächsten Ziel, einer Moschee in der Regenstraße zu. Ja, und dort hat’s dann auch erstmal ordentlich, na was wohl ge…

Stuttgarter OB-Wahl 2012 Nachlese

22. Oktober 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Nun wissen wir, dass das Experiment der etablierten Parteien angesichts der angespannten politischen Situation parteilose und Fremde zu den Wahlen vorzuschicken gründlich in die Hose gegangen ist. 
Wahlgewinner und damit vierter Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart ab 2013 ist der Grüne Fritz Kuhn mit knapp 53 Prozent der Stimmen geworden. Sein Christdemokratischer Herausforderer der parteilose Sebastian Turner hatte noch 45 Prozent erreicht. Da war für die verbliebenen sieben Kandidaten so gut wie nichts mehr übrig geblieben.
Damit ist auch einer der skurrilsten Wahlkämpfe in der Stuttgarter Geschichte zu Ende gegangen. Und auch hier haben wirs gesehen. Am Ende hat das bekanntere Gesicht gewonnen. Kuhn!

Kann ein Mensch die Schallmauer durchbrechen

14. Oktober 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Kann eigentlich einer die Schallmauer durchbrechen wenn er zwar schnell ist, dabei aber eigentlich gar kein Geräusch verursacht?
Die Aktion ist bekannt und seit Tagen reden die Medien von nichts anderem. Der Extremsportler Felix Baumgartner lässt sich in einer an einem Wetterballon befestigten Raumkapsel auf knapp 40 Kilometer Höhe über dem Meeresspiegel ziehen. Bekleidet mit einem Druckanzug möchte er dort oben rausspringen um so durch diese enorme Höhe genug Geschwindigkeit aufnehmen zu können um die Schallgeschwindigkeit zu erreichen. Das ganze Spektakel wird ausgerichtet und finanziert vom österreichischen Limohersteller Red Bull der sich durch das Sponsoring derartiger Events ebenfalls einen Namen gemacht hat. Immerhin kostet der ganze Spaß knapp 50 Millionen Euro. Soweit die Theorie.
Beim Expertengedöns zu der langen, mehrere Stunden dauernden, Auffahrt tauchen Fragen der Dauerquasselnden NASen-Weisen auf.
Wird ihm beim Durchbrechen der Schallmauer das Genick brechen? Wohl eher nicht. Ein Flugzeug zerbröselt deswegen auch nicht. Die Schallmauer ist ja keine echte Mauer.
Wird er beim Eintritt in die Erdatmosphäre gar verbrennen/zerschellen wenn er den richtigen Winkel verfehlt? Er ist schließlich kein riesiges Raumschiff.
Wird er ins All abgetrieben? Da oben ist ja die Schwerkraft aufgehoben blabla. Die Erdanziehungskraft nimmt lediglich proportional zur Entfernung von der Erde ab und ist sicher irgendwann in bestimmter Entfernung zur Erde eine vernachlässigbare Größe, aber sie entfällt nicht. Also wird er wohl wie vorgesehen zur Erde zurückplumpsen. Was passieren kann ist wohl, dass ein Astronaut der weit genug von der Erde entfernt ist, also auch deutlich weiter wie 40 Kilometer, von einem anderen Planeten beispielsweise von der großen Anziehung der Sonne erfasst wird und letztlich darauf fällt. Die ISS-Raumstation muss ja genauso wie die vielen tausend Satelliten immer mal wieder per Nachbrenner ihr Tempo erhöhen um nicht abzustürzen.
Womit sich auch gleich noch eine weitere Frage beantwortet. Echte Schwerelosigkeit gibt es nicht. Sondern immer nur die, die auf der ISS dadurch erzeugt wird, dass die Erdanziehungskraft durch die Zentrifugalkraft der um die Erde rasenden Station vorübergehend aufgehoben wird. Bis die ISS durch den Luftwiderstand wieder ein wenig langsamer wird und dadurch auch gleich sinkt und so wieder beschleunigt werden muss.
Alles Fragen, die im Grund mit ein bisschen Allgemeinwissen und dem gesunden Menschenverstand beantwortet werden können, liebe NASAnauten.
Bis auf eben die eine:
Kann Baumgartner überhaupt die Schallmauer durchbrochen haben? Damit soll seine Leistung nicht geschmälert werden. Bei einer Geschwindigkeit von 1.357,6 km/h hat er die Schallgeschwindigkeit von 1.235 km/h auf jeden Fall erreicht und auch seine anderen Rekorde seien ihm herzlich gegönnt. Trotzdem bleibt die Frage nach dem Durchbrechen der Schallmauer.
Ein Düsenjet ist ziemlich laut. Dieses Flugzeug erzeugt also in jedem Fall Schall womit es wenn es die Schallgeschwindigkeit überschreitet die eigens erzeugten Schallwellen überholt und damit eben bricht. Wenn aber eine Person eingemummelt in einen dicken Raumanzug sich aus einer Kapsel fallen lässt in der Pathos oder auch Angstscheieie nicht nach Aussen dringen können kann dann überhaupt Schall und damit eine Schallwelle entstehen, die er einholen könnte? Und wie laut muss Schall für einen so lauten Knall wieder sein?

Das Dilemma des zweiten Wahlgangs

9. Oktober 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Stuttgart hat gewählt und nun liegt das offizielle amtliche Endergebnis vor. Der Grüne Kandidat Fritz Kuhn (36,5 Prozent) führt mit exakt zwei Prozentpunkten vor dem parteilosen Herausforderer der Fraktion aus CDU, Freie Wähler und FDP, Sebastian Turner. Die Parteilose SPD-Frau Bettina Wilhelm hat mit 15,1 Prozent das historisch schlechteste Ergebnis für die SPD eingefahren. SÖS-Kandidat Hannes Rockenbauch hat 10,4 Prozent bekommen.
Womit immerhin gleich vier der 14 OB-Kandidaten recht hohe Ergebnisse erzielt haben. Da keiner der Kandidaten damit eine absolute Mehrheit, also über 50 Prozent, erreicht hat wird es am 21. Oktober zur Stichwahl kommen bei der dann die einfache Mehrheit genügt.
Damit fängt aber das eigentliche Stuttgarter Wahldebakel meist erst an. Denn seit dem Beginn freier Wahlen in Stuttgart stehen sich SPD und die Grünen hier selbst im Wege.
Ab dem zweiten Weltkrieg hat der parteilose Arnulf Klett 30 Jahre lang quasi konkurrenzlos die Landeshauptstadt Stuttgart regiert und sie zu dem geformt was sie heute ist. Der Autostadt Stuttgart. Ab 1974 regierte dann mit Manfred Rommel ein Christdemokrat. Der Sohn vom legendären Wüstenfuchs hatte sein Handwerk beim Ministerpräsidenten Filbinger gelernt.
Schon damals wegen der Querelen der SPD chancenlos: Ökologe Helmut Palmer auch bekannt als der Remstalrebell und Vater vom Grünen Tübinger OB Boris Palmer. Immer wieder probierte es der Grüne Rezzo Schlauch. Mal unterlag er Manfred Rommel, mal seinem Ziehsohn und Nachfolger Wolfgang Schuster. Auch der Grüne Boris Palmer scheiterte an Wolfgang Schuster.
Jedoch unterlag die Konkurrenz zu den Christdemokraten immer aus einem und demselben Grund. Die SPD wollte ihre meist eher aussichtslosen Kandidaten, ob nun Dieter Spöri, Ulrich Maurer oder Ute Kumpf nicht zurückziehen und auch um keinen Preis der Welt eine Wahlempfehlung an die Grüne Konkurrenz abgeben. Man konnte sich einfach niemals einig werden. Dabei hätte es gemeinsam wohl schon nach Klett gelangt die CDU zu verhindern.
Sollte man sich dieses mal verständigen können? Die Zeichen dafür stehen im Grunde recht gut. Damit würden die Grünen die CDU sowohl aus dem Gemeinderat wie auch aus dem Landtag und von der Stadtspitze erfolgreich verdrängt haben.
Doch nun einige Tage nach der Wahl wollen weder SÖS noch SPD eine Wahlempfehlung für den Grünen Kandidaten Kuhn an ihre Wähler abgeben. Mal wieder…
Auch die Kanzlerin selbst hatte am Freitagnachmittag bei strömendem Regen gegen das Bollwerk der Stuttgart 21 Gegner anzubrüllen versucht. Ob ihre beiden Sätzchen vom tollen fortschrittlichen Bahnhof angesichts des eher vernichtenden Gutachtens über das Sicherheitskonzept der neuen Anlage, Turner eine Hilfe ist darf abzuwarten sein.
Am 22. werden wir wissen ob nun ein Turner oder Kuhn Stuttgart regieren werden. Bis dahin können die Kandidaten noch einmal versuchen die Stuttgarter Wählerschaft von ihren Qualitäten zu überzeugen.
Was besser ist wird sich dann zeigen.

Wo bin ich?

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