Nachts im Zoo

14. Juni 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

„Liebe Besucher der Wilhelma. Wir bitten sie den Park umgehend zu verlassen und sich zu den Ausgängen zu begeben“. Diese ungewöhnliche Durchsage ließ am späten Freitagnachmittag die zahlreich durch den sonnendurchfluteten Park schlendernden Wilhelmabesucher aufhorchen. Wollte man die gemütlichen Flaneure tatsächlich rauswerfen! Immer wieder wurde per Lautsprecher aufgefordert das Gelände des Stuttgarter Zoos wegen einer Veranstaltung umgehend zu verlassen. Das Sicherheitspersonal drängte die Besucher, sich rasch in Richtung des Haupteingangs zu begeben. Eine Aufforderung der sich der gestandene Wilhelma-Besucher zunächst einmal lautstark widersetze. Allerlei Ausreden fielen an. „Müssen unbedingt zum oberen Ausgang raus, noch dringend aufs WC“ etc. Klar keineswegs aus bösen Willen oder sinnlosem Trotz. Verständlicherweise! Man ist nun einmal neugierig und möchte eben unbedingt wissen wovon man eigentlich ausgeschlossen werden soll. Außerdem ist das Wetter endlich mal wieder ideal um noch möglichst lange durch die liebevoll gestalteten Anlagen zu bummeln. Allerdings ist der Grund für den Rauswurf einer, der den Besuchern längst klar ist. Stand es doch in der Zeitung und auf der Internet Seite der Wilhelma. Außerdem wurde jedem Besucher an diesem Tag zum Einlass mitgeteilt dass heute um 17.30 Uhr Schluss ist. Tageskartenbesitzer zahlten für den verkürzten Zoo-Aufenthalt einen ermäßigten Preis. Aber so einfach aufgeben… Wenigstens sollte man doch ein dummes Gesicht zum bösen Spiel machen.

Der Grund für diese rigorose Räumungsaktion: Die „Dreamnight at the Zoo“. Jedes Jahr am ersten oder zweiten Freitagabend im Juni gehört die Stuttgarter Wilhelma für einen Abend chronisch kranken Kindern. Rund 80 Beschäftigte der Wilhelma, Mitglieder des Fördervereins sowie weitere 80 externe Helfer, verschiedene Künstler und Sponsoren hatten sich bereits zum siebten Mal in den Dienst der Sache gestellt. Entstanden ist die Idee zur „Dreamnight at the Zoo“ 1996 im Zoo Rotterdam. Inzwischen beteiligen sich weltweit 270 Zoos: Laut den Organisatoren konnten so im Vorjahr mehr als 92.000 betroffene Familien in einen Zoo oder Tierpark eingeladen werden.

Sind Kinder chronisch krank oder haben sie eine Behinderung, fällt nicht nur der Alltag schwerer. Auch die Gestaltung der Freizeit leidet manchmal darunter. „Sie brauchen oft mehr Zeit und mehr Ruhe als andere“, sagte die Dreamnight-Koordinatorin der Wilhelma Stefanie Reska. „Damit die Kinder mit ihren Familien die Tiere und Pflanzen individuell nach ihren Interessen und Bedürfnissen erleben können, gehörte der Zoologisch-Botanische Garten an diesem Abend exklusiv dem überschaubaren Kreis der eingeladenen Gäste.“ Die Einladungsliste stimmt die Wilhelma jedes Mal neu ab mit dem Stuttgarter Olga-Kinderhospital, Kinderhospizen und rund 30 Förderkreisen, die sich um Kinder mit bestimmten Krankheitsbildern kümmern wie Herz- und Nierenleiden, Krebs oder Down-Syndrom.

Um 18 Uhr wurden dann 600 kleine Zoofreunde von der Wilhelmaleitung am Haupteingang begrüßt und in die zahlreichen Attraktionen des Abends eingeführt. Denn Zoo, Förderverein und zahlreiche geladene Veranstalter hatten ein umfangreiches Programm für die jungen Gäste und ihre Begleiter zusammengestellt. Nach einem kleinen Imbiss im Zoorestaurant lud zunächst die Wilhelma Parkpflege zu einer Leistungsshow. Die Traktoren und beachtlichen gärtnerischen Großgeräte sind immer einen Blickfang. Unweit davon durfte nach Herzenslust die Trommel geschlagen werden. In der Damaszenerhalle präsentierte sich der Wilhelmachor. Verstärkt durch einen Eisstand. Natürlich standen bei den zahlreichen Mitmachaktionen Pfleger und Helfer an diesem Tag alle freiwillig und ehrenamtlich den jungen Besuchern zur Seite, damit das für diese ein ganz besonderes Erlebnis wird. Selbst die Rauswerfer in Gestalt der Wilhelmaaufsicht hatten ihren offiziellen Dienstschluss da schon hinter sich gebracht und boten ihren Service freiwillig an. „Viele Rädchen müssen ineinandergreifen, damit so eine Großveranstaltung nach Dienstschluss gelingt“, sagte Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Es ist schon ein Kraftakt. Wir haben aber keine Not, ehrenamtliche Helfer und Sponsoren zu finden, um diesen Familien, die selbst ständig gefordert sind, einen unbeschwerten Abend in der Wilhelma bereiten zu können. Die ausgelassene Herzlichkeit dieses Abends ist uns ein großer Ansporn.“

Im Terrarium war es dann wiederum der Wilhelmadirektor selbst, der den jungen Besuchern Schlangen wie eine rote Königsnatter aus Nordamerika zum Streicheln anbot und somit einen ersten direkten Mensch-Tierkontakt vermittelte. „Legs wieder hin, legs wieder hin“, mochte der diese Szene beobachtende Tierfreund in einem dabei schreien. Aufgrund des oft recht unbeholfenen Handlings der Kinder mit den empfindlichen Tieren. Doch schnell kamen diese trotz ihrer Handicaps mit den wilden Lebewesen zurecht. Überhaupt staunte man wie gut die Kleinen vor lauter Wilhelma ihre offensichtlichen Handicaps eine Zeitlang vergessen konnten und unwahrscheinlich souverän die kleinen Hürden eines Zoobesuchs meisterten. Wo ein Wille ist, ist eben immer auch ein Weg. Der DRK-Stand in der Wilhelmaschule war quasi arbeitslos.

Es blieb jedoch nicht der einzige Tierkontakt an diesem Abend. Schon ein paar Meter weiter durften im selben Haus die glitschigen Koikarpfen angefasst werden. Wo den meisten hier die direkte Nähe der Tiere schon freudige Jauchzer entlockte. In der Wilhelma gehören Aquarium und Terrarium in einem Gebäude zusammen. Seit über 50 Jahren schon. In den späten 60ern galt der Neubau europaweit gar als Sensation. Den nächsten Tierkontakt hatten die Kinder im Jungtieraufzuchthaus. Hier durften sie die kleinen flauschigen Eintagesküken streicheln.

Das Streicheln von Küken, aber auch von Karpfen oder Schlangen erlaubte den Kindern einen direkten Kontakt zu manchen Zootieren. (Hinweis: Das Foto darf ausschließlich zur Berichterstattung über die Dreamnight 2015 der Wilhelma veröffentlicht werden).

Das Streicheln von Küken, aber auch von Karpfen oder Schlangen erlaubte den Kindern einen direkten Kontakt zu manchen Zootieren.
(Hinweis: Das Foto darf ausschließlich zur Berichterstattung über die Dreamnight 2015 der Wilhelma veröffentlicht werden).

Das Insektarium lud Mutigere zum Stelldichein mit Vogelspinne und Co., während gegenüber eine in den Bäumen verseilte Riesenschaukel für Rollstuhlfahrer ausprobiert werden konnte. Bis zu zehn Meter ging zwischen zwei der höchsten Wilhelmabäume hinauf. Ein Riesenspaß, versicherten die Kinder. Auf dem Schaubauernhof konnte ein Kunsteuter gemolken werden, an dem sonst die Azubis ihre Fingerfertigkeit testen. Außerdem gabs Ponyreiten und Ziegenstreicheln.

Jedoch gab man mit dem gleichen Eifer mit dem der Zoo erkundet und die verschiedenen Tiere so hautnah wie möglich erlebt werden konnten den Tieren dann auch gerne wieder etwas zurück. Vor dem neuen Menschenaffenhaus wurden eifrig Futterboxen für die dortigen Bewohner gebastelt. Denn Tiere sollen im Zooalltag auch ein wenig beschäftigt und so geistig und körperlich gefordert werden. Daher wurden Leckereien wie Rosinen und Nüsse kunstvoll in Papier, Holzwolle und diverse Schachteln verpackt und teils liebevoll verziert und von den Wilhelma-kennern mit den Namen der jeweiligen Lieblingsaffen versehen. Daneben stand erkundungsbereit ein Polizeieinsatzauto. Außerdem pressten die Beamten bunte Buttons. Auch die Pfleger der afrikanischen Huftiere hatten sich etwas besonderes für diesen Abend ausgedacht. Sie teilten ihren Gästen Birken- Buchen- und Eschenzweige aus, deren Blätter von hungrigen Giraffenzungen ruckzuck abgeerntet wurden. Man hatte die langhalsigen Zoolieblinge in der Tat zuvor ein wenig kürzer gehalten, gaben die Pfleger zu. Das Schauspiel wenn sich ein beeindruckender Giraffenkopf wie der vom fünfzehnjährigen Wilhelmabullen Hank aus knapp fünf Metern Höhe zu den kleinen Besuchern herunterbeugt, hinterließ einen bleibenden Eindruck. Jedoch selbst das Giraffenbaby Dschibuto schaute schon von über zwei Metern auf die jungen Besucher herunter. Allerdings sind Netzgiraffen bei der Geburt schon um die 1,60, erfuhren die Besucher.

Bei der Gänsegeiervoliere wurde klar, dass die zuvor gestreichelten kleinen Kücken meist nicht zum Streicheln verwendet werden. Toughe Kids durften die Geier mit toten Küken füttern. Bei der Südamerikaanlage erfuhr man allerhand über die Power von Ameisenbären und durfte ein Päckchen der schönen weichen Alpakawolle mit nach Hause nehmen. Die Eisbärenanlage wartete auf ein Blick in den Eisbärenstall und im Maurischen Garten ein Zauberer. Auch die Futterküche der Wilhelma, wo jedem Tier seine Tagesration zugeteilt wird, wurde ausführlich erklärt. Die Tiertransportkisten konnten angeschaut und tropische Früchte probiert werden. Der Tierarzt führte in seiner Praxis in die Kunst des Blasrohrscheißens ein. Auch das muss so einer beherrschen. Natürlich durfte eine gewohnt lautstarke Begegnung mit den Seelöwen nicht fehlen. Mit einer beeindruckenden Feuershow endete für die Kinder, die so lange ausgehalten hatten, schließlich die lange Traumnacht.

Der Spießerkriege zweiter Teil – Stuttgart demonstriert gegen eine Demo

5. Januar 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Unter #stupida oder #nopegida laden die http://www.die-anstifter.de eine sozialistische Stiftung, die alljährlich den Stuttgarter Friedenspreis auslobt – jüngst in Abwesenheit für Whistleblower Edward Snowden mit einer Laudatio der sympathischen taz-Chefin Ines Pohl – und in der letzten Zeit auch ein wenig die Federführung im Kampf gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 übernommen hat zur Demonstration gegen die in Dresden großgewordene Bewegung, Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes kurz #PEGIDA, auf den Stuttgarter Schloßplatz ein. Hintergrund so der Text der Einladung: Man hat erfahren, dass #Pegida per Facebook eine Stuttgarter Gruppe mit dem Namen #Stugida gegründet haben will.
Wie jetzt. Es gibt ne Gegendemo wo noch nicht einmal klar ist wer eigentlich demonstriert und ob diese überhaupt aktiv werden? Da muss ich unbedingt hin. Dazu hätte ich unbedingt eine Menge Fragen.
Schon nächsten Montag will diese Gruppe erstmalig in Stuttgart zur Demo aufrufen, predigt AnStifter-Geschäftsführer Fritz Mielert zu Beginn von seiner Rednerbühne. Der befürchtet das Allerschlimmste mit #Pegida. Die Dresdener Demo mit zuletzt 18.000 Teilnehmern ist in den letzten Tagen so ein bisschen zum Feindbild und Prügelknaben der deutschen Spaßgesellschaft geworden. Dass #Pegida für Mielert nicht hochansteckend ist fehlt gerade noch. Auch meine besser informierte Umgebung rund um die Rednerbühne reagiert ein wenig verstört als er #Pegida neben dem omnipräsenten und erwartbaren rassistischen Schmutzkübel den auch Politiker und Medien für #Pegida schon fleißig genutzt haben (meist um von eigener Hilflosigkeit gegenüber den angesprochenen Problemen abzulenken) auch den Kampf gegen die Frau unterstellt. Denn das und diese ganzen Vorhaltungen kommen im Positionspapier der #Pegida eigentlich nicht vor.
Doch auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fitz Kuhn (Grüne), der die Flüchtlinge, stellvertretend als syrischer Flüchtlingschor, erst einmal willkommen heißt ist am Abend schnell auf politischen Stammtischniveau angelangt und meint #Pegida sei nicht das Volk wie sie das ausrufe, sondern quasi er.
Was ist #Pegida dann, möchte man fragen, wenn kein Volk vielleicht mehr so ein Bäääh? Bevor er noch einen drauflegt und #Pegida für seine Energie- und Verkehrspolitik die Verantwortung aufzulasten versucht. Was rundum irritierte Lacher auslöst. Interessant ist dass Kuhn´s Aussagen sich in der Tat oft mit dem #Pegida-Positionspapier decken. Er nennt Flüchtlinge dezentralisiert unterzubringen gar das Stuttgarter Modell und erntet dafür großen Applaus. Auch der eingeladene frankfurter Pfarrer argumentiert kaum besser. Das unglückselige Irrenhaus aus Sozialisten und Evangelikalen ist damit komplett und ich fühle mich wieder an meinen ersten Besuch Bei der S21-Demo
https://explicatiophilosophiemagazin.wordpress.com/2011/01/22/schwabische-spieserkriege-teil-1-stuttgart-21-eine-stadt-gegen-eine-kloschussel/
vor einigen Jahren erinnert.
„Du zweifelst, dass es Rechtsradikale gibt und Asylbewerberheime brennen?
Ne, nicht wirklich, oder?“ meint AnStifter-Gründer Peter Grohmann auf meine irritierte Mail-Anfrage warum er gegen etwas ankämpfen möchte, dass es so gar nicht gibt. Und bin erstmal sprachlos. Wobei ich die Intension eines altstalinistisch geprägten Theatermannes noch nachvollziehen kann. Schließlich bekomme ich von Grohmann dankenswerterweise auch immer wieder das für mich unverständliche Sozialdemokratisch seines Umfelds ins Deutsche übersetzt. Für ihn ist diese Veranstaltung auch eher der Unangenehme Teil.
Stuttgart ist ja im Grunde ein Musterbeispiel an Toleranz. Von jeder Sorte Irrer haben wir wenigstens ein Exemplar in der Stadt, der uns täglich seine wirren Ideen vorkauen darf. Und getreu dem Motto „Auf die Wiesen und durch den Wald“ kann gegen alles demonstriert und auch darüber berichtet werden. Und jedem kann man auch nach belieben hinterher laufen. Und dazu sind die Montagsdemos im Grunde eine tolle Sache. Jeder Bürger kann sich nach Belieben Luft verschaffen und auch mal ordentlich Unsinn ablassen. Da halten sich auch rechts, links und religiös verwirrt für gewöhnlich die Waage. Vielleicht sind solche Demos auch die sinnvollste Verwendung von Steuergeldern in der letzten Zeit.
Nein sagen und dagegen sein ist jedoch immer einfach. Aber alles was mir nicht passt oder was sich zu großen Pamphleten verwursten lässt in einen Sack zu stopfen #Pegida draufschreiben um dann fröhlich draufzuhauen ist mir nicht so gut vermittelbar. Denn irgendwann sollten auch die Spaßpolitiker aus Berlin mal Lösungen auf den Tisch legen.
Woher kommt aber dieses hemmungslose verleumden und das geschlossen hässliche auftreten einer sonst seriösen Presse?
Klar hat Pegida mit seiner „Lügenpresse“ Kampagne Medien und Politikum ordentlich vor den Kopf gestoßen. Im S21-Stuttgart hat das „Lügenpack“ rufen gegen die CDU noch funktioniert. Aber keiner hört es gerne, wenn man seine kleinen Sauereien beim Namen nennt. Schließlich war es gerade das merkelsche Umfeld, das sich zu Beginn der IS-Offensiven sehr lautstark gegen den Islam positioniert hat. Jeder zurückliegende Spiegeltitel hatte den Islam verteufelt.
Und gerade bei älter werdenden weniger abenteuerlustigen Menschen ist der Sicherheitsgedanke, dass morgen doch bitte möglichst alles noch so ist wie heute, eben unwesentlich größer als bei gutsituierten Politikern und weltgewandten Medienleuten, denen der merkliche Ausverkauf der konservativen Werte weniger zusetzt.
Damit ist #Pegida auch zu einer Art Klassenkampf geworden. Man rächt sich dafür mit dem Schüren dumpfer Vorurteile, Fremdenhassvorwürfen und Intoleranz. Und zeigt, dass man einer derartigen Gruppierung aus der Unterschicht aus dem Osten verbal immer noch haushoch überlegen ist. Das stellt damit aber auch einmal mehr die Mittelmäßigkeit der geistigen Fähigkeiten unserer intellektuellen Oberschicht unter Beweis. Man ist sich auch nicht zu Schade die Veranstaltung mit Provokateuren zu verunglimpfen. Journalisten oder solche die sich dafür halten mischen sich unters Volk und Interviewen sich selbst dabei wie sie rassistische Ressentiments raushauen.
Es wird fleißigst Öl ins Feuer gegossen. Und nachgetreten was das Zeug hält. Geschickt webt man Migranten und andere ausgesucht stimmgewaltige Minderheiten in dieses Spiel ein. Ohne Zuwanderung gehts im Land nicht mehr voran, singt uns der wirtschaftsfreundliche Medienteil täglich vor und verschweigt dabei, dass ein deutsches more and more andere Länder immer weiter ausbluten lässt. Man kann wunderbar auf ein Feindbild einschlagen, dass man sich so selber geschaffen hat. Dass sich auch #Pegida gegen Fremdenhass positioniert ist dabei völlig egal. Wichtig scheint nur, dass keiner merkt, dass man nichts gegen die aktuelle Situation tun will.
Was #Pedida nun eigentlich wirklich ist erfährt daher wohl so schnell niemand. Soll er auch nach Möglichkeit nicht. Ob die Dresdener ähnlich wie wir Stuttgarter meist Demos besuchen weil nichts Lustiges mehr im Fernsehen kommt?
Denn ob es zu #Stugida am nächsten Montagabend kommen wird ist angesichts der „besonderen Diskursfähigkeit“ der linksautonomen Szene sehr fraglich. Zumal #Stugida immer mehr nach ner von den AnStiftern selbst gebastelten Ente aussieht. Alle online Infos verweisen auf Seiten die #Pegida eher verunglimpfen.
Stuttgarts Wutbürger müssen sich künftig entscheiden, auf welcher der vielen Montagsdemos sie sich in Zukunft die Beine in den Bauch stehen wollen. Die Teilnehmerzahl zur 254. S21 Demo fiel heute ein wenig dünner aus. Man darf gespannt sein, wie sich die Montagsdemos in Stuttgart zukünftig gestalten wenn die Themen mehr und die Grüppchen kleiner werden. Bildung, für und gegen S21, #Pegida und Cholera.
Insgesamt empfinde ich die #Pegida-Berichterstattung jedoch als ein Kapitel im Journalismus für das ich mich ehrlich schäme.

Stimme zu verschenken

22. September 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Bin allmählich fürchterlich angenervt von der permanent extrem penetranten Nötigung durch die Medien doch unbedingt zur Wahl gehen zu müssen. „Bürgerpflicht, Demokratie und furchtbar schrecklich wichtig. Wer nicht wählt ist böse und ein Nazi“. Zumindest unterstützt er damit Pest Colera, Autodiebe und was weiß ich nicht alles… Und wer sich da nicht alles vor den Karren spannen lässt, damit unser Politikum auch weiterhin seine Scheinchen bekommt. Sportler, Schauspieler, Werbeagenturen etc. Leute von denen sonst eigentlich kaum einer Privates hören will. Teils klar aus Angst, dass es doch nur irgend ein perverser Schwachsinn ist. Aber auch sonst. Es ist entwürdigend.

Und ich weiß bei all dem medialen Hirnfick noch immer nicht wen ich eigentlich wählen will. Die Auswahl, muss man eigentlich noch was dazu schreiben, ist ja auch einfach wieder mal zum weglaufen.

Da gibts die CDU in der Hauptsache vertreten durch die aktuelle Kanzlerin Angela Merkel – einem sprechenden Sedativ. Sowie der Kandidatin für den Wahlkreis Stuttgart 2: Berufspolitikerin Karin Maag. Nie sonst auch nur irgend was von der gehört.

Zum Prozedere muss kurz erklärt werden, dass unsereiner bei der Bundestagswahl 2013 zwei Stimmen zu vergeben hat. Eine für einen Direktkandidaten und eine für eine Partei.

Die SPD als solche wird vertreten von Peer Steinbrück einem aufgeblasenen Hamburger Vollarsch. Der Kandidat für den Wahlkreis Stuttgart 2 ist Nikolas Schäfstoß. Auch noch nie sonst in Erscheinung getreten.

Was haben wir noch: Matthias Werwigk von der FDP. Immerhin seither im Stuttgarter Stadtrat und im Bund der Selbstständigen präsent und seine Frau war auch mal Justizministerin. Also schon eher ne bekannte Größe. Aber die Bundes-FDP ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. 2009 angetreten mit einem riesigen Paket die politische Landschaft zu verändern wovon sie bis heute nichts haben umsetzen können. Statt dessen produzieren nach etlichen personellen Querelen irgend welche blasierten Spukgestalten, ein Suffkopf und ein lustiger kleiner Vietnamese fleißig heiße Luft.

Sonst: Eine Biggi Bender. Klar ne Grüne. Die kommt auch immer nur zur Wahl aus ihrem Loch gekrochen. Und mit den Bundesgrünen bin ich irgendwie noch nie grün gewesen. Zu seltsam die Kandidaten und zu viel Angst machen mir deren im Grunde zutiefst menschenfeindlichen Vorstellungen vom Zusammenleben. Es gibt eigentlich nichts was diese Vögel einem nicht gerne verbieten würden. Selbst jedoch ist ihnen keine Absurdität zu fremd.

Für die Linke tritt Marta Aparacio an. Eine argentinische Textblase, die zu ihrem Thema, der S21-Sache auch irgendwie gut passt. Auch diese Gestalten sind mir zu seltsam. Auch wenn die Linke an für sich ein recht ansehnliches Program auf die Beine gestellt hat bei Aparacio verweigert mir mein Arm seinen Dienst. Die kann ich einfach nicht.

Mir fällt allerdings auch auf, dass ich mit meiner Sympathie für unsere Parteienlandschaft in den vergangene vier Jahren von der FDP zur Linken gewechselt habe. Aber die Programme der FDP damals und der Linken heute sind auf irgend eine Art doch vergleichbar.

Genervt beschließe ich am Freitag für diese Bundestagswahl meine Stimme zu verschenken. Bedürftige, die gerne wählen würden, so sie dass denn dürften gibts wohl genug. Selbst in Stuttgart.

Mein Experiment: Ich setze mich mit einem Schild: Aufschrift: Stimme zu verschenken! Vor mein Wahllokal in der Martin-Luther-Schule und warte. Nach einiger Zeit spreche ich aktiv Passanten zur Bundestagswahl an. Was sie denn gerne wählen würden und warum.

Da gehen die Wünsche dann sehr stark auseinander und meine Suche nach dem Besten Grund das Kreuzchen zu machen artet bald aus.

Viele wollen gerne die CDU. Wenn die Merkel nicht wäre. Oder die SPD ohne Steinbrück. Von den kleineren Parteien hält man im Allgemeinen derzeit nicht so viel. Zu gut funktioniert hier die schwarze Propaganda der etablierten Parteien.

Und die die sich doch vorstellen könnten eine der kleinen Parteien zu wählen und dies auch sehr freimütig bekunden, denen möchte ich aus verschiedenen anderen Gründen meine Stimme dann doch eher nicht geben.  In dieser sehr liberalen Stadt leben leider doch zu viele Spinner.

Für Schland auf´n Seelberg

6. September 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Heute hat die rechtspopulistische Partei Pro Deutschland ihren Besuch in Bad Cannstatt angekündigt. Vor einem so genannten „Interkulturellen Zentrum“ (so das Powersprech der Antifa) einem Haus eben, mit einem Islamischen Gemeindezentrum, das von der örtlichen Polizei immer mal gerne mit diversen Razzien beehrt wird (man muss dem Steuerzahler ja ab und an was bieten für sein Geld), sowie einem Hindutempel, allerdings mit tamilen Hindus, was auch ganz schlimm ist, zumindest für die konkurrierenden Hindus in der Haldenstraße, einem Dominastudio, diversen Fachärzten und Anwaltskanzleien – will die Partei für ihre Sache werben. Die Demonstration in Cannstatt von 15 bis 17 Uhr ist nur eine ihrer Stationen an diesem Tag.

Eine rechtspopulistische Kundgebung mitten auf meinem Seelberg. Das kann ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Die Polizei ist präsent. Überall das neue Blau. Selbst bei uns scheint das olle Grün also endlich ausgedient zu haben. Fällt mir sofort auf. Auch Gegendemonstranten sind schon zahlreich vertreten und machen was Gegendemonstranten, auch bei den lustigdoofen Montagsdemos gegen den Hauptbahnhof machen – nämlich Lärm. Ein paar hochgerüstete Polizisten versuchen sich höflich dem Redeschwall diverser verwirrter Rentner zu entziehen. Möglich aber auch, dass sie denselben auch einfach nur intellektuell nicht folgen können. Sind eben die besonders geschulten Eingreiftrupps.

Nur wo sind jetzt eigentlich die Rechten? Ich sehe und höre sie nicht einmal leise. Ich frage nach und lasse mir sagen, dass diese auf der anderen Seite der B 14, der Waiblingerstraße sind. Sie stehen, sehe ich dann,  in einer eigens abgesperrten kleinen Seitenstraße. Interessanterweise, so erfahre ich später vom Polizeisprecher Ole Petersen nicht ohne feixen, auf eigenen Wunsch. Die Jungs und das Mädel haben sich eine 50 Meter Pufferzone mit Polizeischutz erbeten. Die Ärmsten. Also das Rad schnappen und schnell dorthin.

Doch selbst der Versuch sich der Gruppe von der anderen Seite zu nähern wird nach einiger Zeit unterbunden. Mit zwei anderen Jungs, auch so verstrahlt wirkende Langhaarige, werden wir von einem der Beamten gebeten uns bis zur Wiesbadenerstraße, der nächsten Parallelstraße eben, zurückzuziehen. Eine Erklärung gibt es auf auf mein Nachfragen zunächst nicht. Er habe eben die Order und möchte uns bitten… Nicht dass wir uns mit knapp 30 sich langweilenden Beamten in kompletter Schlägermontur anlegen wollen, aber neugierig sind wir eigentlich schon. Zumal wir wie wir dem Beamten zu dessen Enttäuschung mitteilen müssen, nichtmal zu irgend einer der diversen an ihren Fähnchen erkenntlichen Organisationen auf der anderen Straßenseite angehören. Wir sind weder Ökos noch Faschisten. Zumindest nicht offiziell. Einfach nur Gaffer eben. Aber Polizisten, die Bürger aktiv vor dem Geschwafel von Randgruppen schützen, das wäre selbst für Stuttgart zu schön. Dennoch können wir in der kurzen Zeit die wir dort stehen einiges aufschnappen und dem Redner mit seinem lustigen Sonnenhut durchaus Entertainerqualitäten bescheinigen. Nur schade eben, dass dem absolut niemand zuhört. Aber diese Todeszone zwischen sich und dem Publikum hatten sie sich ja so gewünscht. Nach einigen lustigen Pamphleten und dem Sprecher, der zeitweilig wirkt als wolle er mit seinem Mikrofonkabel eine lustige Rope-Skipping Nummer, für echt Deutsche – Seilspringen, veranstalten passiert sonst eher nichts.

Irgendwann packen die Jungs zusammen und wenden sich Stuttgart-Botnang ihrem nächsten Ziel, einer Moschee in der Regenstraße zu. Ja, und dort hat’s dann auch erstmal ordentlich, na was wohl ge…

36 Vorurteile

3. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Zum Auftakt des 12. Sommer Festival der Kulturen vom 16. Bis 21. Juli auf dem Stuttgarter Marktplatz hatte das Forum der Kulturen Stuttgart e.V. Am Mittwochabend zur Vernissage ins Stuttgarter Rathaus eingeladen. Unter dem Titel 36 Tage, 36 Menschen, 36 Momente, präsentierte der interkulturelle Workshop der Fotokunstschule Stuttgart, einen ganz eigenen, um so interessanteren Weg mit Vorurteilen umzugehen.

DSC_0202

„36 isteine schöne Zahl“, argumentiert der künstlerische Leiter des Projekts 36 der Fotokunstschule Stuttgart, Antonino Zambito zunächst den ungewöhnlichen Arbeitstitel.

36 Bilder habe der klassische Kleinbildfilm mit dem gearbeitet werden sollte. Ein Film der den Bildern einen warmen Farbton also eine Wohlfühlatmosphäre gebe. Ein Gegensatz zum Thema Vorurteile, den diese seien nicht unbedingt warm.

DSC_0198Dennoch beschreibt Rolf Graser, Geschäftsführer des Forum der Kulturen Stuttgart e.V. in seinem Grußwort Vorurteile als „Meistgeteilte“ Sache der Welt. „Wir stecken die Mitmenschen zu gerne in Schubladen und sagen typisch deutsch, typisch …“. Doch die Allgemeinheit sei eben nicht typisch.

„Miteinander ohne Vorurteile“, ist dann auch ein Motto der diesjährigen Veranstaltungsreihe des Forums der Kulturen.

36 Künstler haben sich der Aufgabe gestellt ganz klassische Alltagssituationen aufs Kleinbild zu bannen. Situationen, so erklärt Zambito, in die sich einfach jeder Betrachter hineindenken kann, da wir diese alle selbst schon erlebt haben. „Situationen eben, die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Alter oder ihrer Sozalsituation teilen“.

Der Spaziergang mit der Familie durch den Schnee, mit Freunden beim Kochen oder wie Kinder ihre Welt entdecken, sind nur einige der auf DinA 3 aufgezogenen Motive.

DSC_0204Graser sieht in dem nach seiner Sicht gelungenen Projekt, dessen Ergebnisse sich durchaus sehen lassen könnten eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe. Denn laut einer aktuellen Umfrage, zitiert er, finden 47 Prozent der Deutschen, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben.

Eine Aussage, die den Stuttgarter als solchen auch ein wenig zum schmunzeln einlädt. Leben in der württembergischen Landeshauptstadt doch knapp 40 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund. Und gerade von diesen werden derartige Aussagen am häufigsten gebraucht.

Abgerundet wurde die Vernissage mit Leckereien aus Mocambique und Uruguay. Die Bilder sind nun bis zum 4. September im Erdgeschoss des Stuttgarter Rathauses zu sehen.

Affe müsste man sein

15. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Stuttgarter Wilhelma eröffnet Affentempel

Am Dienstag, den 14. Mai 2013 konnte nach durch einige Verzögerungen bedingter dreijähriger Bauzeit endlich der Schlüssel für das neue Menschenaffenhaus in der Stuttgarter Wilhelma übergeben werden.

Nun ist so eine Schlüsselübergabe an sich nichts besonderes. Jeden Tag finden überall irgendwo im Land solche Schlüsselübergaben an mehr oder weniger bedeutsamen Orten statt, deren Wertigkeit auch jeder für sich selbst ermessen mag. Selbst Affenhäuser gibt es hierzulande schon einige: Oft nichtmal nur in diversen Zoos. Meist passt so ein Schlüssel dann auch in kein Schloss dieser Welt. Er ist lediglich ein Symbol. Nur ein Objekt, eigens für die zum Anlass „Übergabe“ erschienenen Fotografen konzipiert.

In diesem Fall übergeben vom baden-württembergischen Finanzminister Dr. Nils Schmidt als Vertreter des Bauherrn dem Land Baden-Württemberg, an Professor Dieter Jauch den Direktor der Wilhelma des zoologisch-botanischen Garten in Stuttgart. Ein Symbol eben.

Und doch schließt dieser Schlüssel. Zunächst jedoch einmal etwas ab.

Im Fall des Menschen.Affen.Haus! So grauenhaft sperrig konstruiert der die Veranstaltung bewerbende Titel für Stuttgarts neuen Affentempel, zieht der Schlüssel einen Schlussstrich unter die knapp siebenjährige Planungs- und Bauphase dieses Projekts, dass mit 14 Millionen geplant, am Ende doch immense 22 Millionen Euro verschlang.

In das von allen Beteiligten mit großem Eifer begonnene Projekt, ein Menschenaffenhaus mit Freigehege für zwei Affenarten, dem westlichen Flachlandgorilla (lat. Gorilla gorilla gorilla) und der Zwergschimpansenart, dem Bonobo (lat. Pan paniscus) zu gestalten, man will in der Wilhelma zukünftig geographisch gliedern, daher bleiben die Orang Utans vorerst, wo sie sind, kehrte rasch Ernüchterung ein. Was in der Ansprache des Zoodirektors mit einem, „möge das Land die Vergabepraxen für seine Bauvorhaben zukünftig überdenken, denn nicht immer ist billig auch gleich gut“, nur leicht gestreift wird, zeugt von erbittert geführten Kämpfen mit diversen Handwerkerfirmen, die oft erst gar nicht auf der Baustelle erscheinen oder sich plötzlich auf ihre künstlerischen Wurzeln besinnenden Architekten. Deren Arbeit dann von Pflegern und Kuratoren zwar verwundert bestaunt, praktisch jedoch nicht nachvollzogen werden kann. Gut gemeinte Einsparvorschläge von der einen Seite führen so umgehend, als wär´s die Beweisführung einer schrägen Chaostheorie, zu Kostenexplosionen an anderen Stellen. Wo Fenster eingespart werden sollten müssen dann Lampen als Ersatz herhalten. Die Positionen der Durchschlupfluken bedingen nun Kameras. etc. So sah sich Kuratorin Dr. Marianne Holtkötter angesprochen auf die für diverse Transportkisten viel zu engen Pflegergänge plötzlich mit Architektenausagen konfrontiert wie, „auf meinem Plan hat das funktioniert“. Und ähnliche Geschichten, die den Alltag heutiger Großprojekte begleiten.

Für den gut informierten Zuhörer fördert diese an sich quälende Stehparty mit ihren vielen politischen Statements in der heißen Nachmittagssonne Mitte Mai, an solchen Orten wird unter den strengen Augen des fleißig Häppchen arrangierenden Personals die Langeweile geboren, noch manches Detail zutage. Während zeitgleich vor dem Haupteingang eine kleine Abordnung der Tierrechtsorganisation PETA ihrem Unmut darüber Luft macht, dass Wildtiere nicht in den Zoo gehören.

Die beiden Affenarten scheinen sich derweil in der neuen Anlage betreut von vielen Händen, die jede Bewegung ihrer Pfleglinge mit großer Nervosität verfolgen, in ihrer neuen weitläufigen Innenanlage recht wohl zu fühlen. Wie ein das Projekt seit dem Tierumzug Betreuender Biologe der Uni Tübingen, der emsig jede Bewegung eines jeden einzelnen Tieres immer wieder neu notiert, bestätigt.

Nur Kibo, der 160 Kilo schwere Silberrücken zeigt zu den Probeläufen mit Publikum, der Previewveranstalung für die Mitglieder des Fördervereins, die haben immerhin 9,5 Millionen zu den Kosten des Hauses beigesteuert, kurz vor der offiziellen Eröffnung eine ähnliche Nervosität wie seine Pflegerin die Revierleitung Bea Jarczewski. Die sich wohl zum x-ten Mal über nicht funktionierende WC-Spülungen und anderen Kleinkram ärgert und ist wie auch der Chef der Gorillagruppe in einem fort unterwegs. Kibo jedoch weitestgehend um seine kleine neunköpfige Mannschaft, die sich nun über  600 Quadratmetern Innengehegefläche verteilt, alle gleichermaßen mit seiner Präsenz zu beehren. Die Bonobos gehen den ersten Besucheransturm indes weit gelassener an. Nach einigen lautstarken Begrüßungssprüngen gegen die Panzerglasscheiben begleitet von lautem Geschrei, die neue Anlage ist nach oben hin offen, so dass die Tiere nun auch im für Bonobos zwar typischen, für unsereiner Ohren jedoch nur schwer erträglichen sehr lautstarken Originalton gehört und gerochen werden können, was natürlich auch für die andere Seite der Scheibe gilt, ziehen sie sich größtenteils wieder auf ihre Schlafplätze zurück oder popeln genussvoll in der Nase.

So ist man trotz des recht kurzfristig anberaumten Termins, am 14.5. hatte der Finanzminister eben gerade Zeit, froh dass mit dem Schlüssel, der nach der Ansprache das Haus in der Tat endgültig für den Besucher öffnet, nun endlich der Alltag in dieses Haus einkehren und Besucher, Pfleger und Affen ihrer ganz natürlichen Bestimmung nachgehen können.

Auch wenn die Pfleger ob des kurzfristig anberaumten Datums noch ein wenig murren. Gerne hätten diese noch ein wenig mehr Zeit für sich und die Eingewöhnung der Tiere im neuen Haus gehabt. Vieles musste nun noch schnellschnell erledigt und dabei der Pfleger auch mal zu Bauarbeiter werden. Die Aussenanlage ist vorerst noch gesperrt. Das Grünzeug muss erst noch anwachsen um vor den erkundungsfreudigen Affen auch bestehen zu können. Zu gerne würden diese sonst wohl den frisch ausgelegten Rollrasen wieder zusammenrollen.

Das Publikum indes lobt die gelungene Innenanlage. Viel Beton sei es zwar, wenn auch mit viel Grünzeug kaschiert, immer noch, aber gibt es doch über Multimedia-Tools und viel Beschreibungen an den Wänden noch allerlei spannende Zusatzinformationen, die dem interessierten Besucher den Affenalltag und wichtig auch die Situation in deren Heimat, näher bringen. Wie ein Großteil der Besucher darauf kommt den Beton grün streichen zu wollen bleibt oft auch denselben ein Rätsel. Vielleicht auch als Anlehnung an das alte Affenhaus.

Die Kritiken am alten Affenhaus, Baujahr 1973 hat den auch den Ausschlag zum Bau der neuen Anlage gegeben. Die so genannte Badezimmerarchitektur, grün geflieste Innenräume mit metallenen Kletterstangen war zwar wunderbar zu reinigen, stieß optisch aber auf immer stärkere Ablehnung. Da sich die Tierhaltung allgemein seit den 70ern auch ganz enorm verändert hatte. Die Idee eben Menschenaffen im Zoo selbst aufzuziehen ist nämlich noch gar nicht so alt.

Für die Wilhelma sollte es zunächst auf jeden Fall ein größeres Haus sein. Daraus wurde dann eines bei dem sich selbst die Pfleger mit viel Leibe zum Detail und jeder Menge sehr persönlicher Anschauungsmaterialien und Zitaten, die dem Besucher diese ungewöhnliche Materie näherbringen ebenso einbrachten. Das derzeit modernste und auch teuerste Affenhaus überhaupt. Immerhin kann die Wilhelma bis heute auf ganze 55 Jahre Menschenaffenhaltung zurückblicken in denen viel Erfahrung gesammelt wurde.

Vom Beginn der Affenhaltung in einer Holzbarrake, über die kurzzeitige Aussenstation im Kaufhaus Breuninger 1965, Breuninger hatte die beiden ersten Gorillas der Wilhelma gestiftet und diese bis zur Fertigstellung der Wilhelmaanlage in einer eigenen Anlage in seinem Kaufhaus untergebracht, wie zahlreiche Bilder das belegen. Das damalige Gorillakind Mimi ist immer noch Bewohnerin der Wilhelma und mittlerweile schon 50 Jahre alt. Auch Porträts in Bild und Text, der tierischen Bewohner können vom Besucher eingesehen werden. Die Bilder der Schaufütterung der Seelöwen mit Ex-Zirkusschimpansin Sonny gingen damals um die Welt.

Auch die Aufzuchtstation für junge verwaiste Flachlandgorillas, der Affenkindergarten, einzigartig in Europa ist nun im neuen Haus integriert. Begonnen hatte dies im Wohnzimmer des ersten Pflegerpaares. Von der Aufzuchtstation wird heute per Blog und Videoereignisstagebuch, eine Initiative der Affenpfleger, ständig informiert, denn die Zoos die ihre Tiere notgedrungen und nur sehr ungern aus den Händen gegeben haben wollen natürlich immer auf dem Laufenden gehalten werden, wie es ihren kleinen Sorgenkindern ergeht. Zumal die Babyaffen wie aktuell Tano schon einen gewaltigen Fanclub mitbringen.

So dass sich der Besucher in einer kleinen Expedition ins Reich der Menschenaffen hinenträumen kann, denn Affe müsste man sein. Wie einige der Besucher bemerken.

Erlesene Weine bei bester Unterhaltung

9. August 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Bad Cannstatt: 20. Weinfest in Boskoops Höfle – in jeder Hinsicht ein Genuss

(mr) – Am Wochenende hatte Wilhelm Bauer wieder zum Weinfest auf sein Höfle geladen. Auch zur 20. Hocketse präsentierte sich die traditionsbewusste Wengerterfamilie wieder in Höchstform.

Klasse Stimmung, gute Weine und gutes Essen waren die einfachen Zutaten, die die Besucher auch zum 20. Mal auf das jährliche Weinfest in Boskoops Höfle strömen ließen. Denn die meisten Weinzähne auf dem Fest, ob jung oder alt bekennen sich als echte Bauer-Fans, die ihren Wein ausschließlich vom Familienbetrieb auf der Steig beziehen. Das bestätigt auch Wilhelm Bauer selbst. „Das diesjährige Weinfest ist sehr gut gelaufen. Wir hatten seit Donnerstag immer ein volles Haus“.

Mit dem musikalischen Rahmenprogramm versucht Bauer denn auch allen Besuchern, ob jung oder älter, gerecht zu werden. „Am Donnerstag hatten wir mit Pumping Special Rockn Roll der 60er und 70er Jahre und am Freitag waren die beiden studierten Musiker sMüllers zu Gast“. Während am Samstagabend dann mit „Omägeni“ „Ohne Mädels geht nix“, eine Frauen-Schalmeinegruppe aus Neuhausen auftrat. „Wir sind eigentlich aus der Fasnacht heraus entstanden“, erklärt der Vorstand der 30 Mädels, Gabi Römer. Der Sonntag wurde von der Band River Side mit einem Jazzgottesdienst eröffnet. Die meisten Gruppen haben auch schon ein Abo bei Bauers wie die Mädels mit ihren riesigen Schalmeien sich aus Spaß für 10 Jahre verpflichtet haben.

Eine besondere Idee, der auf der Veranstaltung seit fünf Jahren sehr gut zugesprochen wird, ist der Wein-Probier-Pass. für 12 Euro können sich die Gäste durch zehn ausgesuchte Weine probieren, „deren Zusammenstellung sich von Weinfest zu Weinfest verändert“, verrät Christian Ambach. Der Beste deutsche Jungwinzer aus Mühlhausen hat am Wochenende den Ausschank des Probierweins übernommen. „Und die Gäste müssen jeden Wein probieren“, so Bauer. „Es gibt keine zwei oder dreimal denselben Wein“. Was sich aber unbedingt lohnt, ist sich auch Renate Rossner sicher. Die Böblingerin ist aber auch wegen dem köstlichen Rostbraten gekommen, verrät sie. „Der Renner bei den jüngeren ist in diesem Jahr unbedingt der Pfiffikus. Ein leichter Weißwein mit Kohlensäure und Pfirsichsaft“, erklärt Bauer.

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie Jounalistisches auf explicatio.