Der Fussball und die EU

9. Juni 2012 § 2 Kommentare

Von Marco Rettstatt

Die Fussball-Europameisterschaft 2012 findet erstmals auf die beiden ehemaligen Ostblockländer Polen und Ukraine verteilt statt. Anfang Mai 2012 erklärten die 27 Mitglieder der EU-Kommission, inklusive unserer Bundeskanzlerin, nicht zu den Spielen der Fussball-Europameisterschaft in die Ukraine reisen zu wollen um damit gegen die Politik des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch sowie gegen den Umgang mit der inhaftierten Ex-Ministerpräsidentin Julia Vladimirovna Tymoschenko zu protestieren. „Soll man überhaupt zur EM in die Ukraine fahren wo dort doch diese Tymoschenko so böse misshandelt wird“, hieß es da überall.
Diese Aktion gab den Ausschlag in den Medien europaweit intensiv darüber zu diskutieren die Spiele zu boykottieren sprich diese quasi gar nicht erst zu senden, man ereiferte sich in so seltsamen Fragen wie: ob es „recht“ ist große Sportveranstaltungen in autoritär regierten Ostblockländern zu unterstützen um damit, so ganz schlimmen Diktatoren eine Präsentationsplattform zu geben. Schließlich steht auch in Kürze die Eishockey-Weltmeisterschaft in Weißrussland an. Auch dort lebt ein Präsident, der aktuell ganz böse ist. Aber bis 2014 ists ja noch ein bisschen Zeit. Da kann man den vielleicht auch schon wieder politisch zu irgendwas gebrauchen. Also mal lieber noch ruhig bleiben 🙂 Die Olympiade in Peking liegt ja schon wieder hinter uns. Da darf noch nachgetreten werden.
Grosse Sportveranstaltungen dienen in erster Linie der Unterhaltung. Und hier der Unterhaltung eines jeden Menschen, der sich dadurch unterhalten fühlt, sprich der sich an Fussball, Eishockey oder was auch immer erfreuen und sich eine Eintrittskarte hierzu leisten kann oder will. Also sowohl für Typen die anderen Sesselfurzern den Krieg erklären müssen weil ihnen deren Nase nicht passt, als auch für Menschen die einen ein wenig sinnstiftenderen Beitrag zur Solidargemeinschaft leisten. Vielmehr könnte man an dieser Stelle doch auch einmal einen Diskurs darüber führen, dass sich einige auch so n Spiel gerne mal ansehen würden, die sich keine Karte leisten können oder wie man sich überhaupt über Fussball freuen kann. Kurz diese Spiele sind, wenngleich die ganz offen zur Schau getragene Geldgier der Veranstalter oft jeder Beschreibung spottet – was in einem ganzen Katalog an Sonderrechten für Sportfunktionäre der FIFA/UEFA etc. im jeweiligen Austragungsland gipfelt, zunaechst einmal für alle die sich darauf freuen können.
Wer garantiert eigentlich, dass hätte in diesem speziellen Fall diese Tymoschenko die gewonnenen Wahlen in der Folge der sogenannten orangenen Revolution – nicht gleich wieder in den Sand gesetzt und nun selbst regieren würde, nicht deren Gegner Janukowitsch nun zusammengeschlagen in irgend einer dunklen, feuchten Zelle hocken würde?
Verfolgt man deren Vita stoesst man auch nicht unbedingt auf das weisse Engelchen als das diese sich gerne inszeniert. Groß geworden durch den Zerfall der Sowjetunion wie alle anderen landläufig als Russenmafia bezeichneten Typen auch, mit kaum auseinanderzuhaltenden Verflechtungen zwischen Politik und Privatwirtschaft. Im Fall Tymoschenko: wo deren staatsEigenes Energieunternehmen EESU anfängt und die ebenfalls eigene Partei Batkiewschtschyna aufhört vermag niemand klar zu sagen zu können.
Klar muessen sich unsere Politiker immer wieder mal mit irgend welchen Themen in den Mittelpunkt stellen und gerade im Europaparlament hat man so wenig Chancen mal selber gehört zu werden. Doch gerade bei Politikern in unserem Land ist es nicht immer klar was denn nun mehr der Massenunterhaltung dient oder dem Zweck sich mit sich selber zu beschaeftigen und was Politik ist. Sollten wir angesichts eines solchen Themas nicht auch einmal grundsätzlich hinterfragen welche Spinner wir eigentlich aus welchen Gründen unterstützen damit wir mal irgendwie glaubwürdig sind?
Ich selber bin mir beispielsweise bei der Beurteilung der beiden immer wieder aktiven internationalen Politclowns Mahmud Ahmadinedschad oder Benjamin Netanyahu nie sicher wer von den beiden nun eigentlich den größeren Sprung in der Schüssel hat.
Letztlich hat diese Debatte aber wieder einmal eines klar gezeigt. Nämlich wie unsere Bundeskanzlerin Frau Doktor Angela Merkel tickt. Für nicht ein politisches Thema hat sie sich in den letzten beiden Jahren so deutlich ausgesprochen wie zum Boykott einer Fussball-EM. Natürlich um gleich im Anschluss daran Jogis Niveacrem-Bubis im Trainingslager zu besuchen um dem DFB, im Rahmen eines lockeren Protestabendessens, ganz fest ihrer persönlichen Konfusion zu versichern. Alternativlos versteht sich.
Bevor die Dame endgültig von uns rollt sollte ihr dringend noch einer erklären, dass Fussball kein aussenpolitisches Thema sonder nur ein Spiel, eine Massenbelustigung ist.

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