Freund und Helfer

25. Oktober 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Ständig erregen sich unsere Medienschaffenden über politisch grenzwertige Entscheidungen anderer Nationen und zeigen mit demokratisch korrektem Zeigefinger auf andere und deswegen auf jeden Fall totalitäre und menschenverachtende Staatsformen. Doch betrachten wir einmal unser eigenes Land durch diese rote Brille erhält die alte Klugscheißer-Weisheit, dass dabei immer noch mindestens drei Finger der eigenen Hand auf einen selber zeigen ausnahmsweise Sinn. Und das nicht nur, wenn wir unseren OB oder MP bei ihrer täglichen Arbeit beobachten.
Außer diesen beiden politischen Spezialkräften, in den Disziplinen „andere Interessen ignorieren oder untern Tisch zu brüllen“, gibt es auch noch unsere lieben Ordnungsbeamten. Diese scheinen in jüngerer Zeit nicht nur mit der Auswahl ihrer Uniformen Probleme zu haben. Das fällt besonders bei den so genannten routinemäßigen Personenkontrollen auf.
Möglicherweise ist es Schicksal von Männern, die ihr Haar länger tragen, dass sie öfter kontrolliert werden. Sei es weil nach offiziellen Polizei-Lehrbilderbuch eben genau so der klassische Drogendealer aussieht oder weil möglicherweise eben gerade unseren lieben Ordnungsbeamten leichte Sympathien für diverse Glatzkopfgruppierungen hegen.
Vermutlich wird auch keiner ohne erkennbaren Charakterfehler Polizist. Aber trotzdem. Könnte man nicht gerade von Uniformierten eine etwas repräsentativere Dienstauffassung erwarten? oder ist dieser autoritaere Müll gezielt angezuechtet?
Fall 1: Ich warte morgens vor einem Bauwagen. Dabei sehe ich zwei Polizeibeamten mit Hunden näher kommen. Mich erblickend verlassen beide den Weg. Einer rechts, der andere links um den Bauwagen herum. Sie tun ihre Pflicht. Kein Zweifel. Sie wollen nur meine Papiere sehen und ihn mit ihrer Liste auffälliger Personen vergleichen. Nebenbei auch noch meine Taschen untersuchen. Aber kann man das morgens um sechs, im dunklen, eiskalten Stadtpark nicht auch ein bisschen höflicher und vor allem nervenschonender gestalten?
Fall 2: Mit einem Kumpel quatsche ich nach der Abendschule noch ein wenig vor der Kneipe von dessen Eltern. Zwei Polizisten halten mit quietschenden Reifen neben uns an und verlangen uns unsere Ausweise ab. Der eine nimmt die Ausweise, der andere einen Meter dahinter sichert mit seiner Taschenlampe. Dann nimmt man uns unsere Schultaschen ab und wir sollen den Inhalt herunterbeten. Die Ausweise gibt man uns extra verkehrt herum zurück. Erstaunte Fragen unsererseits werden scharf abgeschnitten und Gesprächsansätze, von wegen, dass sie das ohne begründeten Verdacht ja eigentlich nicht dürfen, mit Drohungen erstickt. Auch hier wieder die Frage: Geht das auch ein wenig freundlicher?
Fall 3: Ähnliche Situation auf dem Nachhauseweg vom Kino. Man schneidet mir mit quietschenden reifen den Weg ab. Abends im Stadtpark, wo ohnehin Autoverkehr verboten ist und die geringe Breite der Parkwege Fußgänger und Autos nebeneinander gar nicht zulassen. Wieder werde ich komplett gefilzt während ein anderer Kollege dahinter Anstalten macht mich bei einer falschen Bewegung zu erschießen. Auch hier noch einmal die Frage: Denken Polizeibeamten auch hin und wieder an die Nerven ihrer Mitbürger?
Fall 4: Auf dem Weg ins Fitnesstudio kommen mir auf dem Parkweg zwei Beamte mit Taschenlampen entgegen. Als sie mich sehen verstecken sie sich rechts und links vom Wegrand hinter den Alleebäumen. Da ich an diesem Tag noch unerschossen ins Fitnessstudio will verstecke ich mich ebenso und warte bis die Herren suchend und ihre weitere Vorgehensweise diskutierend weitergehen.
Natürlich frage ich mich was diese Aktion sein sollte? Würde ich genauso schlecht sehen wie diese Beamten hätte ich sie ja für irgend ein Gesindel halten und einfach umhauen können.
Fall 5: Gerne kommt auch das Szenario zum Einsatz, dass man sich mit dem Auto erst etwas zurückfallen lässt um dann von hinten heranrasend mir beim Weg abschneiden über dem Bürgersteig beinahe über die Füße zu fahren. Auch nur wegen einer Personenkontrolle. Freundliche Kritik wird auch hier mit scharfen Drohungen zu unterbinden versucht.
Fall 6: In einer Fußgängerzone wird mir von einem recht kräftig gebauten Beamten derart lautstark klargemacht, dass ich hier von Fahrrad zu steigen habe, dass ich erst denke, der Mann redet mit seinem Hund.
Fall 7: Überall ist heute von Zivilcourage die Rede oder auch, als Wink mit dem Zaunpfahl, von den Folgen einer unterlassenen Hilfeleistung. Aber ist man dann auf einer Polizeiwache um eine Anzeige zu erstatten wird man auch dort behandelt wie der letzte Dreck. Zunächst einmal indem man einen möglichst lange warten lässt. Wohl mit dem klaren Hintergedanken, dass man wenn der Typ freiwillig wieder geht umso weniger Arbeit hat. Bleibt man doch zeigen einem die Beamten spätestens in der Vernehmung sehr offen ihren Hass gegenüber solchen Memmen, die nicht in der Lage sind alleine durchzugreifen. Und sorgen damit dafür, dass der Mann, der einmal auf dieser Wache eine Anzeige gemacht hat das nächste mal garantiert zur Selbstjustiz greift.
Klar ist der Polizistenjob gefährlich und aggressive Reaktionen auch eine Art Selbstschutz. Reagiere ich bewusst aggressiv schüchtere ich den anderen ein. Trotzdem frage ich mich, warum im Umgang mit zu kontrollierenden Personen zwischen Stuttgart, Pjöngjang, Detroit oder Bogota kaum ein Unterschied zu erkennen ist? Und ich denke der von vielen der Kollegen dabei angeschlagene, extrem aggressive Umgangston, für kleinste Flapsige Bemerkungen sofort mit einem gebrüllten „Was“ ruhiggestellt zu werden, lässt sich auch nicht mit missverstandener Polizeipsychologie erklären. Mir scheint eher, dass dieser klare Machtmissbrauch ganz bewusst angelegt ist. Und hier ist der Journalist verpflichtet darauf aufmerksam zu machen.
Junge Menschen mit bisher einwandfreiem Leumund werden, ähnlich wie bei den Sondereinheiten der Bundeswehr durch ihre meist zur extremen Rechten zählenden Ausbilder völlig verroht. Dazu kann ich leider auch einige Beispiele aus dem näheren Bekanntenkreis aufführen. Ehemalige Klassenkameraden, deren Rhetorik man nach wenigen Wochen Ausbildung bei der Polizei nicht mehr wieder erkennt, da ein echtes Bedürfnis vorhanden ist, alles nicht uniformierte pauschal zu kriminalisieren.
Manchmal möchte ich mir wirklich eine Erlaubnis ausbitten bestimmten Kollegen direkt auf die arrogante Fresse hauen zu dürfen.

explicatio Sonntag, 25. Oktober 2009 von Marco Rettstatt

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