Wir haben die Wahl – Heute die Superwahl

14. Juni 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Wahlen führen einem auch immer wieder deutlich vor Augen wie wenig Wahl man im Leben tatsächlich hat.
Das Beginnt schon mit der Schulreife. Zwar gibt es eine allgemeine Schulpflicht, dennoch wird man erstmal sortiert und als noch zu klein oder anders befunden für dieses gesellschaftlich doch so wichtige Privileg. Aussuchen können sich Eltern oder Schüler die Schulreife nicht. Wohl aber diese sich, was immer wieder mal ans Licht kommt, mit vielen Geschenken und großem Druck auf gewisse Ämter, erkaufen.
Später bei der Berufswahl geben Berufsberater der ganzen Schulklasse Starthilfe indem sie die Schüler so lange beraten, bis diese sich schließlich für den vom Berufsberater gewünschten Beruf entschieden haben.
Das Lockmittel: Sie bezahlen dann unsere Bewerbungsunterlagen. Was im Nachhinein keiner mehr gewusst haben will. Ein Wahlversprechen eben. „Elektroinstallateur oder Friseuse“, das ist die Frage, die sich eine Klasse nach den Gesprächen gegenseitig stellen kann. Eben die industriell vorgegebenen Zielvorgaben für eine Hauptschulklasse, die noch dringend zu besetzenden Jobs. Wer beruflich einen anderen Schritt wagt wird eben sanktioniert.
Eine wirkliche Wahl hat man auch im späteren Leben nicht.
Leistung wird belohnt. „Die Besten bekommen die besten Jobs“, heißt es gerne. Doch auch das stimmt nur bedingt. In Wirklichkeit bekommen die „Brauchbarsten“ die besten Jobs. Die mit dem absoluten Kadavergehorsam. Was oft Hand in Hand geht, da den Einserschüler überwiegend auszeichnet, dass er macht was man ihm sagt. Andere die ihren Traumjob bereits von Kind an kennen sind Firmen-Familienmitglieder. Die dazu allerdings auch nicht unbedingt eine Wahl haben. Von diversen Großfirmen in denen die Arbeitsplätze über Generationen vererbt werden und fleißig untereinander geheiratet wird wollen wir gar nicht erst anfangen.
Auch unsere Konsumgesellschaft stellt uns vor eine recht begrenzte Wahl. Zwischen zwei oder drei Produkten und das Loch in das wir fallen wenn eines unsere Lieblingsprodukte oder Material mit dem wir gerade bauen, vom Markt genommen wird.
Aus einmal geschlossenen Verträgen suggeriert man uns, entstehe so etwas wie eine Leibeigenschaft und es kann einmal abgeschlossen angeblich nicht mehr ausgestiegen werden.
Auch bei Wahlen selbst sieht es kaum besser aus.
„Man muss wählen“, predigen einem möglichst laute Parteisoldaten, um andere angeblich demokratiefeindliche Parteigegner zu verhindern. Doch fühle ich mich gerade von solchen aggressiven Lautsprechern vom Schlage eines Martin Schulz, die oft schon durch ihre gewaltigen Kinnpartie signalisieren, dass gefälligst getan werden soll was sie für richtig halten, nicht gerade vertreten. Noch dazu in einer Institution wie der EU, die meist dadurch auffällt, dem Handel Unsinn wie Krümmungsgrad und Farbe von Gurken vorzuschreiben. Deren Struktur ohne jede Kontrollmöglichkeit auch nicht gerade demokratische Grundelemente aufweist kann man so nur mit einem ziemlich flauen Gefühl im Magen wählen.
Man kann natürlich auch eine wählen wie Ute Vogt. Die sich grundsätzlich mit jedem aktuellen Thema gleich wenig auseinandersetzt. Eine Aussage von der zu S21 wäre wahrscheinlich so ausgefallen. „S21 ist toll. Hat glaube ich was mit Zügen oder so zu tun. Aber es ist ganz wichtig solidarisch für … dafür zu stimmen“.
Dabei sind sich diverse Parteien auch nicht zu schade diverse Castingstars vor ihren Karren zu spannen. Auch diese sind völlig ahnungslos, es aber gewohnt zu machen was ihre Agenten ihnen vorgeben. Nur schade, dass zahllose Jugendliche sich diese Schnapsideen dann zum Vorbild nehmen.
Sind Politiker einmal gewählt wird schnell das übrige Volk für völlig unmündig erklärt um wichtige Probleme entscheiden zu können und nichts scheint so nichtig zu sein wie ein Wahlversprechen. Denn hat die gewählte Fraktion einmal ein Projekt ins Auge gefasst wird niemandes Meinung mehr gebraucht. Im Gegenteil: Im Namen des Volkes wird dasselbe kurzerhand entmündigt. Völlig entgeistert realisieren die Volksvertreter dann bei den nächsten Wahlen, dass es vielleicht doch besser gewesen wäre versprochene Bürgerentscheide zu Projekten wie Stuttgart 21 durchgehen zu lassen um nicht wegen antidemoratischer Allmachtsphantasien abgewählt zu werden. Wie in Stuttgart in jüngerer Zeit gesehen. Die Fildermesse habe gezeigt wie schnell und dankbar der Bürger diese angenommen habe, so wollte ein MP Oettinger den Protest gegen die Enteignungen vergessen machen und sich für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 stark zu machen. Das kommt natürlich immer darauf an in welcher Realität man lebt. Aber vermutlich ist er sich gar nicht bewusst, dass auch Sonnenkönige abgewählt werden können.

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