Im Ländle die Seele baumeln lassen

31. August 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Stuttgart: 27. Lab-Festival – Musik und Genuss bei den Berger Sprudlern

 

(mr) – Am Wochenende hatte das Laboratorium wieder zum Feiern in das Zelt bei den Berger Sprudlern eingeladen. Zahlreiche Besucher ließen sich mit Familie von Sonne und Musik verwöhnen.

 

War das 27. Lab-Festival zum Auftakt am Freitagabend noch eher spärlich besucht, war man am Samstag mit dem Besucheransturm schon vollauf zufrieden, erklärte der 2. Vorstand des Laboratorium, Jürgen Drescher. Was besonders erfreulich ist. Schließlich werde das Programm ausschließlich aus den Gastronomieeinnahmen finanziert.

Ab dem Samstagnachmittag ließen sich die Besucher nicht nur im Zelt, sondern vor allem auch außerhalb auf den Wiesen zum Sonnenbaden nieder. Der bunte Mix aus ganz verschiedenen Musikrichtungen mit Gruppen aus der ganzen Welt gefällt. Was ursprünglich als Veranstaltung mit dem Zweck gedacht war, das Programm des Laboratorium-Stuttgart vorzustellen ist längst ein Pflichttermin für genusssüchtige Musikfans, die das Besondere suchen. Und für außergewöhnliche Bands macht sich das Laboratorium-Stuttgart besonders gerne stark.

Beim Country Blues der Tübinger Shellac Brothers hielten es viele kaum mehr auf ihren Sitzen aus und begannen spontan, zu den Klängen, die sich bewusst an den Blues der 30er und 40er anlehnen, das Tanzbein zu schwingen. Andere warteten gebannt auf den Auftritt des R and B Dänen Thorbjorn Risager.

„Die Bands kommen aus allen Ländern ins Laboratorium“, so Drescher. Einige werden eingeladen, andere sind schon alte Hasen aus der Region und fragen immer mal wieder um einen Auftritt nach. So gibt es auch recht exotische Namen darunter wie die funkigen Killerbienen der Band Dizzy Bee.

Außerhalb des großen Zeltes war dann allerlei Unterhaltung, vor allem für die Kleinen geboten. Neben diversen Spielen lud das Clowntheater Kakerlaki zur Vorstellung ein. Außerdem machten wieder zahlreiche Stände auf ihr alternatives, außergewöhnliches Angebot aufmerksam. So konnten neben einem Stand für Falafel auch thailändische oder afghanische Spezialitäten probiert und auch erworben werden. Was Besucher wie Jens Kolb, der ein paar Bongos erworben hat, umgehend nutzten um vor dem Zelt auf der Wiese unter Kumpels ein ganz eigenes Konzert zu geben. Viele Kulturvereine gaben sich ein Stelldichein.

Neu auf dem Lab-Festival dabei ist ein Markt mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, wie Plattsalat, eine Initiative für Bio-Food, die eine breite Palette fair gehandelter Waren anbieten und zum Fest Obstbecher und Smoothies servieren. Diese arbeiten gerade auf das kommende Weltsozialforum 2009 in Stuttgart hin, erklärt Vorstand Thomas Kolbe. Für Drescher ist die Vorstellung solcher Netzwerke ein besonderes Anliegen. Daneben stellt sich auch das Stuttgarter Rössle, seine spezielle Stadtwährung vor.

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Der kapitalistische Jesus Wie man das 21. Jahrhundert an einem einzigen Tag erfüllt

4. August 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten und es ist gerade in der Philosophie auch schon einiges darüber geschrieben worden. Auch sie kennen den Werdegang eines biblischen Jesus, dessen Mission den Sinn hatte, alle Gesetze seiner damaligen Welt zu erfüllen um um damit eine Symbolgestalt für die religiöse Welt zu werden. Heute im 21. Jahrhundert ist man immer noch religiös. Aber die Gesetze der freien Welt haben sich geändert. Und um diese zu erfüllen braucht es heute keine 30 Jahre mehr. Es genügt ein einziger Vormitttag. Ja, den wir sind eine rasend schnell geworden in den letzten 2 000 Jahren.

Hier nun meine Theorie.

Sie haben hart gearbeitet, ihren Lohn kassiert und damit den ersten Teil in der der eisernen Gesetzte im Wettbewerb des Gebens und Nehmens des 21. Jahrhunderts erfüllt.

Davon kaufen sie sich ein Auto. Aber nicht irgend ein Auto, sondern einen dieser echt, handgemachten, sauteuren Luxuswagen. Eine S-Klasse, einen Jaguar, oder wenn das Geld reicht auch einen Bugatti. Damit ihr Geld gleich wieder dem Wertekreislauf zugeführt werden kann. Denn Geld muss arbeiten.

Vom Händler lassen sie sich klar die ganze Geschichte des Wagens, woher die einzelnen Komponenten stammen, wie lange seine Fertigung gedauert hat erzählen. Und auch wie viel Arbeiter für die falsch gezogene Naht am Edelledersitz, die natürlich nicht korrigiert worden ist, gefeuert worden sind. Die Händler erzählen ihnen so etwas gerne. Schließlich erhöht das zusätzlich deren persönliche Stolz, womit auch diese befriedet sind, weil sie gewissenhaft ihren Zweck im großen sozio-kulturellen System Deutschland erfüllt haben.
Wie sie dann zur Bezahlung gehen bleibt ihnen überlassen. Ein Tipp: Das Scheckbuch zücken ist einfach total out. Einen schmucken, goldgefassten Kaufvertrag zu unterschreiben hat ja auch Stil und für sie als Kunde und begeisterter Luxuswagenkäufer lässt man sich sicher einiges weitere einfallen. Ob sie dann das Geld in Bar, in einem schwarzen Lederköfferchen dabei haben, es den Händler diskret übergeben, oder ihm genüsslich vorzählen, bis sie in 100 Euro Scheinen bei 130 000 Euronen, oder wie viel auch immer angelangt sind, oder einfach ihre Michael Schumacher Gold Edition Kreditkarte zücken soll auch ihnen selbst überlassen sein.
Wichtig ist allein, dass sie sich nach dem Kauf in ihren neu erstandenen Luxus-Pkw setzen, mit diesem fröhlich pfeifend vom Hof des Autodealers ihres Vertrauens fahren und das Fahrzeug dann, direkt und ohne zu zögern, so dass der Händler es auch mitbekommt, noch direkt vor der Autohandlung in das nächstbeste Schaufenster oder auf den nächsten Baum fahren.
Um diesen Effekt noch zusätzlich zu puschen können sie ihren Traumwagen auch ab Werk kaufen. Die Gesichter eines ganzen Verkaufs- und Montageteams zu beobachten die sich wochenlang mit ihrem Schmuckstück der Automobilen Baukunst herumgeplagt haben, es gehegt und gepflegt haben sollten ihnen ein zusätzliches unvergessliches Erlebnis bleiben. Dazu ist es vielleicht sinnvoll, die Freundin oder einen Freund mit einer Videokamera auf die andere Straßenseite zu stellen um diese Gesichter in diesem Moment für zu Hause zu konservieren um sie sich dort bei einer Tüte Chips noch einmal genüsslich vorzuführen.
Wenn sie dann den Abschleppwagen bezahlt und den Fahrer mit einem ordentlichen Trinkgeld bedacht, und den Autohändlern noch einmal freundlich zugewinkt haben, sowie denselben umgehend, wegen unmöglichen Zufahrtswegen und unzureichender Einführung in die Fahrpraxis eines solchen Wagens, ordentlich verklagt und die Versicherung eingestrichen haben, dann können auch sie sagen: „Es ist vollbracht!“ Denn damit haben sie an einem Tag sämtliche erdenklichen Instanzen des Kapitalismus gebührend beansprucht und beschäftigt.

Wo bin ich?

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