Ade 15er

28. Oktober 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Bad Cannstatt/Zuffenhausen: Straßenbahnmuseum zieht um – Ausverkauf des GT

(mr) – Zum Jahresende zieht der Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) vom Straßenbahnmuseum Zuffenhausen ins Cannstatter Straßenbahndepot um. Am Wochenende wurde dieses Ereignis mit einem Fest für alle Freunde der alten gelben Wagen gefeiert.

Im Minutentakt fahren vor den Zuffenhausener Straßenbahnmuseum die alten Omnibusse und Straßenbahnen vor um die Geschichte der gelben Ungeheuer noch einmal lebendig werden zu lassen. Nur die Pferdegezogenen Vehikel, mit denen die Ära der Stuttgarter Straßenbahnen vor Rund 140 Jahren begann, sind am Festwochenende nicht im Einsatz. Dafür nimmt, mit besonderer Genehmigung, der immerhin knapp 102 Jahre alte Triebwagen 222 wieder Fahrgäste auf seiner unterhaltsamen Reise durch Stuttgart mit. Denn Fahrer und Schaffner haben unterwegs viel zu erzählen und die Fahrgäste viele Fragen. Auch die Oldtimerinie 23 und die etwas ältere Linie 19 sind im Einsatz.

Mit ein Grund dieses Schaulaufens Stuttgarter Technologie ist, dass mit dem Umbau der Linie 15 der GT 4 als letzter Triebwagen mit Meterspur wegfällt, die die Stuttgarter Straßenbahnkultur 120 Jahre lang geprägt haben. Damit wird das alte, unter Denkmalschutz stehende, Straßenbahndepot in der Cannstatter Mercedesstraße frei, um es für andere Zwecke zu nutzen.

„Das ist wunderschön“, bemerkte Eisenbahnfan Heiner Ersinger, der wie die meisten Bahnfans mit leuchtenden Augen das „Einfahren“ des alten Triebwagen 222 vor das Zuffenhausener Straßenbahnmuseum bestaunte. In der Zeit entsprechenden Uniformen geben die Bediensteten die Signale. Einer zeiht mit einem Seil von Hand den Stromabnehmer nach hinten um um in die andere Richtung zu fahren, während ein Kollege mit einem ordentlichen Eisen von Hand die Weiche umstellt. „Einfach geil“, finden das auch die jüngeren Fans, die ebenso die geballte Technik bewundern als die Linie 19 daneben einfährt. Wer vom Zusehen oder Mitfahren nicht genug bekommen konnte, der konnte sich auch ein Stück Straßenbahnnostalgie ins heimischen Wohnzimmer holen. Vereinsmitglied Gert Türck versteigert hier Stück für Stück ganze Straßenbahnwagen. „So ein rundes Haltestellenschild kann auch als Kuchenblech verwendet werden“, meint er. Für 5 Euro wechselt das Gelbgrüne H den Besitzer. Günter Wunsch aus Pforzheim, der eigentlich für das Status Quo Konzert nach Stuttgart gekommen ist konnte ein altes Ablagebrettchen ergattern. „Das kommt irgendwo an die Modelleisenbahnanlage zu Hause als Ablage“, so Wunsch. Robert Seibold haben es eher die Schilder angetan. „Wegen dem lokalen Bezug. Außerdem lassen die sich gut an die Wand zu Hause dekorieren“, so Seibold. Auch die als Sommertüren gedachten Holzgatter wechselten den stolzen Besitzer.

In Cannstatter Depot erwartet die Gäste nach der Fahrt mit einem der Oldtimerbusse Bands wie die Pete Stone Band, die natürlich mit ihrer Countrymusic die alte Eisenbahnerromantik wieder aufleben lassen. Neben der Hocketse im speziellen düsteren Ambiente des Straßenbahndepots, die vom DRK bewirtet wird kann man sich auch hier mit Utensilien des alten GT 4 eindecken. Der Erlös daraus kommt dem Olgäle zugute. Eine rollende Grußkarte wird vorbereitet. Auf Transparenten die auf den letzten 15er zu dessen Abschiedsfahrt am aufgeklebt werden kann unterschrieben werden. Dicht gedrängt stehen die gespannt lauschenden Bahnfreunde aber um Karl Kühnle, der ehemalige Leiter des Depots hat bei seiner Führung durch das Werk noch so manche wilde Geschichte aus der Blütezeit des Straßenbahnbetriebes auf Lager.

Schäfer ist indes mit dem Umzug nicht ganz so glücklich. „Wir haben nun zwar ein authentische Denkmalgeschützte Halle, die aber wesentlich kleiner ausfällt als die alte Zuffenhausener Depotanlage, die nun verkauft wird“. Viele der liebevoll restaurierten Unikate können also nicht mehr ausgestellt werden. Für die alten Omnibusse findet sich in Cannstatt gar kein Platz. Schließlich soll dort auch noch das vom OB propagierte Science Center untergebracht werden. Ab November werden die alten Wagen dann nach und nach nach Cannstatt geschafft.

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