Schwerer Abschied von Stutengarten

26. August 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Bad Cannstatt: Abschlussfest mit Eltern und OB

(mr) – Am Wochenende schloss die Kinderspielstadt Stutengarten nach drei spannenden und erfolgreichen Wochen wieder ihre Pforten. 1300 Kinder hatten über die Ferienzeit als Bürger daran teilgenommen. Zum Dank veranstalteten sie ein großes Abschlussfest.

Am Samstagnachmittag herrschte große Aufregung unter den jungen Bürgern, die im Reitstadion am Rande des Cannstatter Wasen ihr „Stutengarten“ aufgebaut hatten. Zum Abschlussfest hatte sich Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster angekündigt.

Auf den ausgemachten Profi in Sachen Stadtverwaltung waren die Kinder natürlich ganz besonders gespannt. Schließlich hatten auch sie in den letzten drei Wochen eine Stadt mit knapp 1300 geschäftigen Bürgern zu managen gehabt. Doch wie für alle Bürger und Gäste Stutengartens hieß es auch für das Oberhaupt der Landeshauptstadt erst einmal die Wechselstube anzusteuern. Denn eine Stadt, die etwas auf sich hält hat, wie hier mit dem „Stuggi“, natürlich auch ihre eigene Währung. Der Wechselkurs 25 Stuggis für 8 Euro. Dann durfte der OB sich im Rathaus in das goldene Buch der Stadt eintragen, in das sich auch schon der Ministerpräsident und das VfB-Maskottchen eingetragen hatten. Anschließend wurde er von der „Bürgermeisterin der Woche“ und einem großen Aufgebot an, in ihren orangefarbenen Signalwesten beinahe ersaufenden, Sicherheitskräften durch den Ort geführt. In der Nähstube konnte der OB seinen Nähmaschinenführerschein machen. Kerzen werden in Stutengarten beim Juwelier gezogen. Und weiter ging es nach einem kurzen Abstecher in der Apothekerbude zum Interviewtermin mit der Ortszeitung und dem Tigerentenclub, einem Stargast der Abschlussveranstaltung neben den Juniorbotschaftern der Unicef. Die drängendsten Fragen der Kinder: Wie wird man Bürgermeister und macht das überhaupt Spaß? Was Schuster allerdings bestätigen kann. „Eine Stadt zu managen und zu gestalten ist eine sehr spannende und reizvolle Herausforderung bei der man immer wieder neu dazulernen kann“. Dabei konnten die Kinder dem OB auch das Geständnis entlocken, dass dieser mangels entsprechender Einrichtungen früher heimlich auf Baustellen gespielt habe. „Das war unser Abenteuerspielplatz“.

Zur Abschlussveranstaltung wurden Eltern und Gästen die Anlage noch einmal vorgestellt. Denn eine von den Kindern aufgestellten Regeln erklärt Sieghard Kelle, der  Leiter des Stuttgarter Jugendhausvereins, ist dass den Eltern zur Stadt nur im Rahmen von Führungen Zutritt gewährt wird oder ins ausgewiesene Elterncafe. Dazu bekamen die Eltern eine Schnur in die Hand, die sie nicht loslassen durften. Um die kleinen Bürger in ihren Arbeiten nicht zu stören. Kelle zeigte sich vom Ernst mit dem die Kinder ihrer Arbeit hier nachgegangen waren überwältigt.

„Wir durften die Kinder nur hinbringen und wieder abholen“, erklärt Mutter Stefanie Köster, die hofft, dass diese Aktion im nächsten Jahr wieder stattfindet. Denn Tochter Jana hat neben all dem Spaß recht schnell gelernt mit dem beim Jobben selbst verdienten Geld verantwortlich umzugehen. „Am ersten Tag hat sie es noch mit beiden Händen ausgegeben und große Summen an das Kinderhilfswerk der Unicef gespendet. Nach und nach ist sie dann ganz von selbst  immer sparsamer geworden“, so Köster. Für das Hilfswerk, das den Kindern die Kinderrechte nahebrachte sind dabei 1500 Euro für eine Schule in Angola zusammen gekommen.

„Ich habe an der Saftbar, bei der Post und in der Apotheke gearbeitet“, erklärt Jana. Wobei ihr die Saftbar natürlich am Besten gefallen hat. „Für die Arbeit haben wir jeden Tag 30 Stuggies bekommen, die Müllabfuhr sogar 40“.

Eine Arbeit die Katharina besonders spannend fand. „Dabei konnte man richtig etwas tun. Die Buden nach Müll fragen und auch die Müllgebühren einziehen“.

Kelle zieht ein begeistertes Fazit von dieser ersten Veranstaltung und kann sich eine Fortsetzung der Ferienaktion im nächsten Jahr gut vorstellen. Was die 1300 Kinder, die sich so Kelle an der ersten Spielstadt beteiligt haben einstimmig wünschen und der OB im Anspruch seiner Idee von der Kinderfreundlichsten Stadt Deutschlands gerne bestätigt.

Auf der Bühne gab es von den Kindern einstudierte Modenschauen und Zirkusvorstellungen zu bestaunen. Und am Sonntag endete die erste Stuttgarter Kinderspielstadt mit einem Musical.

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