Träumen und Kunst Themenorientierte Jahresabschlussveranstaltung im Württembergischen Kunstverein Stuttgart

19. November 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Der Württembergische Kunstverein (wkv) Stuttgart stellt in seiner Ausstellung „Alles nur geträumt“ vier Künstlerinnen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste vor. Das Hin und Her zwischen Traum und Wirklichkeit soll Inhalt ihres Werks sein. Ein künstlerisch zweifelsohne spannendes, vom Publikum jedoch kritisch beäugtes Schaffen. Daneben bietet der Verein seinen Künstler-Mitgliedern eine Plattform eigene Werke vorzustellen.
Alles nur geträumt! Der wkv Stuttgart hat mit dieser Aufgabenstellung an Künstler und Stipendiaten ein weites Feld geöffnet. Wie setzen junge Künstler dieses Thema um. Oder ist der Titel als Ausdruck der Hilflosigkeit seitens der Veranstalter, seine Kunstschaffenden in einer Veranstaltung in einen gemeinsamen Topf zu bekommen. Immerhin haben 178 Künstler-Mitglieder Arbeiten zur Ausstellung eingesandt, so Direktorin Iris Dressler. „Wir wollen auch in diesem Jahr wieder junger Kunst eine Präsentationsplattform anbieten. Die Zusammenarbeit des wkv mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste hat Tradition. Auch 2003 wurden schon Werke ausgezeichneter junger Künstler der Graduiertenförderung des Landes präsentiert“, so Dressler. Zur Eröffnung der mehrwöchigen Ausstellung mit wechselnden Angeboten zum Thema, versammelt der Verein einen bunten Querschnitt durch Künstler und frierende Weihnachtsmarktbesucher. Einen ersten Höhepunkt zum Thema „Träumen“ setzt die mit grausamen, verbalen Stilblüten durchsetzte Vorstellung der Künstler durch Kuratorin Professor Andrea Jahn. Sie sieht in den Werken irritierend, heitere, subtile Wahrnehmungsverschiebungen der schreienden Stille, oder die in Frage stellende Realorientierung, kühler Emotionen. „Die Werke sind eine eigene Welt. Entstanden aus der Spannung zwischen Traum und Realität. Hin- und Hergerissen in der Banalität des Bösen“, so Jahn. Das könnte für sich alleine schon eine gelungene Verbalperformance sein. Etwa mit dem Untertitel „Surreal verbal“. Ein Text, der auf keinen Fall mehr in der realen Welt angesiedelt werden kann. Aber es ist zugleich auch eine bestmögliche Beschreibung dessen was den Besucher der Ausstellung im Weiteren erwartet. Der Rundgang führt den Besucher, gespannt darauf wie der Künstler durch sein Werk, nach Jahn „still zu ihm kommuniziert“, durch einen Rechnerraum. Als Diashow flimmern Werke verschiedener Fotokünstler über
aufgestellte Bildschirme. Als da wären im Wechsel zwei Aufnahmen einer Blume, oder eine Art Daumenkino aus sich seltsam bewegenden Figuren und Formen. An anderer Stelle wird mit einer bunt zusammengewürfelten Präsentation von verschiedenen Kleinaccessoires wohl vom Einkaufen geträumt. Mit „Lisboa“, Szenen der alten Hauptstadt der Seefahrernation Portugal dabei, der junge Fotokünstler Antonino Zambito, der mit seinem Erstlingswerk, „Die Hände einer Frau“, schon gezeigt hat, dass er sich vor allem Themen mit tieferem Sinn annimmt. Im Nebenraum sind Collagen und witzige Aufbauten aufgestellt, die teilweise den kitschigen Charme einer Puppenstube haben. In der Künstler in Kleinklein ihre eigene Galerie mit ihren Arbeiten als Miniaturen präsentieren. Vielleicht träumen die Künstler von der eigenen Galerie. Oder es steht eine Renovierung ins Haus. Der nächste Raum, ein wenig der TV-Abteilung eines Versandhauses nachempfunden, zeigt Videoinstallationen. An zahllosen Bildschirmen laufen Filmchen mit Performances und Ansichten aller Couleur ab. Im Flur hängen Kopfhörer. Klangsphären sind ein Thema. Locker gespannte Saiten verwendet die Künstlerin, mehr schreibt sie nicht. Die klingen dann wie eine alternde Kreissäge. Geräusche, die einen eigentlich eher aus dem Schlaf hochreißen, als dass sie zum Träumen verleiten. An den Wänden finden sich neben Bildern auch Mappen mit Unterlagen zu den Künstlern. Eine Frau fotografiert immer wieder fünf rote Müllsäcke an verschiedenen Orten. Was sie dem Betrachter damit sagen will wovon sie träumt wird nicht so recht klar. Im nächsten Raum träumen die vier Stipendiatinnen Christine Rusche, Kathrin Ruhlig, Christina Zwanger und Monika Nuber munter drauflos. Sie entführen in eine bizarre, kunterbunte Comicwelt. Gemalt Fotografiert, oder als Filmchen wurden Bilder aus Alltag, Nachrichten und Werbung gesammelt. Diese vermischt mit klassischer Kunst und Ornamentik auf Leinwand gebannt, oder als Chor inszeniert. Es ist ein wüstes Durcheinander, ein Streifzug durch alle künstlerischen Genres. Etwas dass dem nächtlichen Alptraum von Kunststudentinnen im Prüfungsstress durchaus nahe kommen könnte. Das klärt die Verwirrung der Kuratorin weitestgehend auf. Den Abschluss bildet eine Performance.
Ein Künstler, den man zuvor schon bei den Videoinstallationen beobachten konnte, wie er mit stoischer Ruhe kleine Kreise mit schwarzem Kalligraphiestift in ein Buch zeichnet. Seite für Seite. Eine Provokation, geradezu einen Klassiker unter dem Metaphern des Feuilletons auszugraben. „Die Bild gewordene Sinnlosigkeit des Seins“. Unter den Titel „Verschwinden. Gegen die Zeit – Mit der Zeit“ zeichnet Michael Danner nun auf zehn Leinwänden mit nassem Pinsel kleine Männchen auf, die er dann in einem zweiten Gang mit schwarzen Querstreifen versieht. Leinwand für Leinwand, während die Männchen trocknen bleibt jeweils auf den nassen, nun trocknenden Stellen die Kontur der Männchen übrig. Bis von diesen gar nichts mehr zu sehen ist. Wir lernen daraus, dass die Träume von ganz unterschiedlichen Personen auch ganz unterschiedlich interpretiert werden können und dass diese damit für den Begriff Subjektiv geradezu Pate stehen. Die Träume sind noch bis zum 8. Januar im wkv zu sehen.
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300 Blutspenden in 29 Jahren

6. November 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Stuttgart: Krankenhausbürgermeister Murawski ehrte Blutspender im Rathaus

(mr) – Am Dienstagabend empfing Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski im Stuttgarter Rathaus 85 Stuttgarter Blutspender, die im Jahr 2004 ihre 100., 200., oder gar 300. Blutspende beim Zentralinstitut für Transfusionsmedizin und Blutspendendienst im Katharinenhospital abgegeben hatten.

Empfangen und begrüßt wurden die Spender im großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses von Bürgermeister Murawski, der als Stuttgarts Krankenhausbürgermeister weiß wie wichtig Blutspenden gerade heute für die vielfältige, medizinische Arbeit sind. „Leider interessieren sich viele Bürger gar nicht für dieses Thema“, bedauerte Murawski eingangs seiner Ansprache. Den für die vielen Einsätze brauche man eine ganze Menge an Blut. Blut ist dann auch ein Thema über dass Murawski ausgezeichnet Bescheid weiß.  Auch um dessen Historie über die sich zahlreiche mehr oder weniger sinnige Mythen rankten, so der Bürgermeister.  „Diesem Saft schrieben schon die alten Ägypter besondere Kräfte zu. Sie badeten sich darin“, so Murawski. Auch die Geschichte der Transfusion selbst lasse sich, wusste der Bürgermeister außerdem zu erzählen bis ins Jahr 1 500 zurückverfolgen.

Die ehrenamtlichen Lebensretter werden darum von der Stadt Stuttgart immer wieder besonders gewürdigt. Am gestrigen Abend mit der Blutspenderehrennadel in Gold mit Eichenlaub. 81 Blutspender aus dem Stuttgarter Raum wurden für ihre 100. in diesem Jahr abgegebene Blutspende ausgezeichnet. Drei konnten sogar schon für ihre 200. Blutspende geehrt werden und einer, Helmut Schwenk aus Gerlingen wurde für seine 300. Blutspende ausgezeichnet. Dabei spendet Schwenk, wie er selbst sagte erst seit 29 Jahren sein Blut für Andere. Wie diese Rechnung bei einer Blutspendenobergrenze von nur sechs Spenden pro Jahr aufgeht erklärt Schwenk so. „Ich habe die ersten 100 mal nur Blut gespendet. Nun spende ich zusätzlich Blutplasma“. Blutplasma, ein Blutnebenprodukt, eines von vier Teile  in die man eine Blutspende im Krankenhaus aufteilt, darf jede zwei Wochen gespendet werden, da der Rest wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt wird. Allerdings kommt für eine Blutplasmaspende nicht jeder Blutspender in Frage, erklärt Spender Peter Meinert. Deren Blut muss besonders beschaffen sein. Trotzdem nutzt Schwenk seine Möglichkeiten jede acht Wochen regulär Blut zu spenden voll aus. „Nur wenn ich krank bin lasse ich es ausfallen“. Und immer im Katherinenhospital. Den die  einzelnen Spenderstellen sehen es nicht so gerne, wenn ihre Dauerspender ein so genanntes Spendenhopping betrieben, erklärte er. Am Ende der Ehrungen gab es für die geehrten Gäste noch einen Stehempfang mit kleinem Imbiss.

Ehrung der Blutspender

5. November 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Stuttgart: OB Schuster ehrte im Rathaus 129 Blutspender darunter 14 Cannstatter und 10 Spender aus dem Raum Untertürkheim

(mr) – Am Montagabend empfing Oberbürgermeister Wolfgang Schuster mit dem Präsidenten des DRK- Landesverbandes Lorenz Menz 129 Stuttgarter Blutspender, die bis Mitte 2004 ihre Zehnte, 25., 50., oder 75. Blutspende abgegeben  hatten im Rathaus um sie für ihren besonderen Dienst an der Menschheit besonders zu ehren.

Nicht genug Danken konnte Schuster den geladenen Spendern für deren bewiesene Solidarität. „Dieser Dienst an der Gemeinschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie sind auch Lebensretter“, so Schuster. Er habe großen Respekt vor dieser besonderen Gabe. Einem Dankeschön, dem sich auch DRK-Landesverbandspräsident Menz anschloss. Er machte klar wie wichtig das Blutspenden auch gerade in Zeiten modernster Medizin noch sei. „Noch ist ein künstlicher Ersatz für unseren menschlichen Lebenssaft nicht in Sicht“, so Menz. Daher komme es – wie in diesem Sommer – immer wieder zu bedrohlichen Engpässen, dass ihre Reserve an Blutpräparaten teilweise nicht vorrätig ist. 1958 kamen zur ersten Blutspendeaktion gerade einmal 107 Menschen. Heute werden  in einem Jahr 750 000 Blutspenden benötigt. Jedes Blut wird möglichst genau untersucht. Womit Blutspender zu den am Besten untersuchten Mitbürgern zählen.

Im Rahmen der anschließenden Ehrung wurden 41 Frauen und 43 Männer für zehn Blutspenden mit der Ehrennadel in Gold und einer Urkunde ausgezeichnet. 13 Frauen und 16 Männer für 25 Blutspenden mit der Ehrennadel in Gold mit eingravierter Zahl 25. Drei Frauen und zwölf Männer erhielten für 50 Blutspenden die Ehrennadel mit eingravierter 50.  Und Hans Neff aus Stuttgart Rohr wurde für seine in diesem Jahr geleistete 75. Blutspende ebenfalls besonders ausgezeichnet. Im Anschluss an die Ehrung wurde den Spendern in einem Film vorgeführt, was denn mit so einer Blutspende alles passiert, wie diese in ihre Bestandteile zerlegt und wo sie letztlich verwendet wird. „Blutspenden ist auch gar nicht schwer“, erzählt die mittlerweile 66 jährige Emma Eiler aus Obertürkheim, die für ihre 50 Spende ausgezeichnet wurde beim anschließenden Ehren-Buffet für die Spender. Sie fühle sich sogar immer sehr befreit danach. Eiler geht zwei- bis dreimal im Jahr zur Blutspende. Immer wenn ein Spendenaufruf in der Nähe stattfindet. Insgesamt dürfen Frauen vier- und Männer sechsmal im Jahr zur Ader gelassen werden. Mit über 68 Jahren ist dann Schluss. „Blutspenden dauert etwa zehn Minuten“, erklärt Frank Wörner aus Stuttgart-Riedenberg, auch einer der für seine 50. Spende ausgezeichnet wurde. Nach einer zehn minütigen Erholungsphase und einem Imbiss ist es in der Regel schon erledigt.

Wo bin ich?

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