Christen machen mobil

24. Oktober 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Stuttgart: Mobile Beichtstühle – 70 orangefarbene Smart in der Region unterwegs

 

(mr) – Mit einer großen Auftaktveranstaltung vor der Stuttgarter Stiftskirche starteten am gestrigen Mittag 70 knall orangefarbene Smartfahrzeuge in den Stuttgarter Raum, um mit Passanten, in diesen so genannten „Kleinsten Kirchen der Welt“, über Gott und die Welt, also den Christlichen Glauben zu sprechen.

 

„Dies ist keine Demo“, gab Pfarrer Johannes Bräuchle vom Amt für Missionarische Dienste gleich zu Beginn der Auftaktveranstaltung vor der Stiftskirche, wo die 70 Kleinstkirchen bunt durcheinander auf dem Schillerplatz parkten, die Entwarnung, „sondern eine Einladung“. Einladen wollen die Mitarbeiter von Pro Christi, einer Initiative der Deutschen Evangelischen Allianz, einem Zusammenschluss verschiedenster Christlicher Kirchen, den Menschen auf der Straße zu Gesprächen über Gott. Denn wenn der Mensch nicht in die Kirche komme, dann komme sie eben zum Menschen, so das simple Konzept der Initiatoren. Damit soll auch den zahlreichen Kirchenaustritten der letzten Zeit entgegengewirkt werden, so Hartmut Steeb von der Deutschen Evangelischen Allianz. „Trotzdem soll dies eine einmalige Aktion bleiben“, erklärt Pfarrer Ulrich Parzany, der Leiter der Initiative Pro Christ Mobil. In der Anonymität der kleinen Zweisitzer seien schon so manche angeregte Gespräche zustande gekommen, weiß Parzany. „Denn, wo zwei, oder drei sich in meinem Namen versammeln, so will ich mitten unter ihnen sein“, schiebt Parzany gleich das bekannte Bibelzitat nach. Sie haben damit für ihre kleinste Kirche der Welt eben das Minimum gewählt. Immer sieben Fahrzeuge sollen so nun zusammen eine Ortschaft beackern. Im Konvoi der orangefarbenen Flitzer auftreten um auch entsprechen Außenwirkung zu erzielen, ist klares Ziel dieser Aktionen. Ein Holzkreuz, sowie eine CD mit geistlicher Orgelmusik und Schokoladeherzen sind die Standartausrüstung in jedem der mobilen Beichtstühle, erklärt Johann Neumeier, einer der Piloten aus Murrhard. „Die 70 Piloten setzen sich zu 50 Prozent aus Einheimischen Geistlichen, als bekannten Gesichtern und zu 50 Prozent aus anderen Geistlichen, aus dem ganzen Deutschen Raum zusammen. Eine optimale Mischung“, so Parzany. Auch Landesbischof Frank Otfried July lobt diese Idee. „Das kleinste Auto, das in jede Lücke passt, passt auch zu ihnen, die ja auch auf der Suche nach Lücken sind“. Mit beim Etappenstart dabei war auch Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Sie begrüßt, dass die Kirche mit dieser pfiffigen Aktion nun in der Welt der Medien angekommen sei. Der Smart Geschäftsführer Ulrich Walker übergibt für die Aktion 500 Tankgutscheine von Shell. Ihn freut es, dass gerade ihr Auto zu der Aktion verwendet werde. „Zum Flirten brauche man entweder Kinder, oder einen kleinen Hund. Da tut es vielleicht auch ein kleines Auto“. 3 000 Piloten sind für diese Aktion seit  Mai durch Deutschland unterwegas. 40 Wochen lang. Bis Ende März startet man nun immer von einer anderen großen Stadt aus. Um Menschen hinter den verschlossenen Smarttüren zu vielen geistigen Gesprächen einzuladen. 20 000 Menschen haben sie mit dieser Aktion bisher erreichen können so Pro Christ Vorstand Raimund Utsch.

Leben ohne essen und trinken – Ist Lichtnahrung möglich?

19. Oktober 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Langzeit Selbstversuch

Kann am Ende vielleicht doch sein, was wissenschaftlich einfach nicht sein darf?
Langzeit – Selbstversuch:
Kann der Mensch ohne Essen und Trinken überleben? Eine Frage, die gerade von der New-Age-Bewegung im immer neuen Gewand unermüdlich immer wieder neu gestellt wird. Als Grenzerfahrung will ich dieser Frage anhand des so genannten „Lichtnahrungsprozesses“ (LNP), der den phantastischen Zustand des „Nicht mehr essen müssen’s“ einleiten soll, im Langzeit-Selbstversuch auf den Grund gehen. 
Der LNP selbst ist in drei Wochen, also 21 Tage, untergliedert. In der ersten Woche darf dabei weder gegessen noch getrunken werden. Am vierten Tag soll der Körper sich dann selbst derart auf den LNP einstellen, dass dieser seinen Nahrungsbedarf anderswo her „aus dem Äther“, wie der esoterische Mensch meint, bezieht. Die bisherigen Prozessteilnehmer beschreiben, dass es ihnen von diesem Tag an, entgegen aller Vernunft, sehr gut ergangen ist. Allerdings darf bis zum Tag Acht trotzdem noch nicht gegessen und getrunken werden. Die nächsten sieben Tage darf getrunken werden soviel man mag. Mindestens aber 1,5 Liter am Tag werden empfohlen. Aber nur bis auf 25 Prozent verdünnte Säfte. Denn diese wird als „die Heilungswoche“ verstanden. In der dritten Woche, „der Woche der Kräftigung“, wird die Verdünnung auf 40 Prozent erhöht. Über den ganzen LNP sollte Ruhe die oberste Priorität haben. 
Das Unternehmen ist insgesamt ein wenig verrückt, denn wir beantworten die Frage, ob Leben ohne Nahrung überhaupt möglich ist, in der Regel mit „Nein“. Und bescheinigen, dass jede Versuchsperson, gemäß geltender medizinischer Lehrmeinung, dabei wohl in einigen Tagen verhungert, oder verdurstet sein wird. Aber hat das je einer ausprobiert? Allerdings hindert mich selbst niemand daran, den Versuch – sollte es mir dabei allzu schlecht ergehen, oder ich extremes Untergewicht bekommen – abzubrechen und einfach wieder zu essen. Aber warum komme ich überhaupt dazu ein derartiges Experiment zu starten? 
Am 5. Juli 2005 zappte ich beim Fernsehen über die SWR-Sendung „Leute“, in ein Gespräch zwischen dem Basler Chemiker Michael Werner und SWR-Moderator Wolfgang Heim. 
„Leben ohne essen, oder trinken zu müssen ist möglich“, behauptet Werner dabei.
Der Mann wird von Heim als medizinisches Wunder vorgestellt, weil dieser, wie er sagt, tatsächlich seit vier Jahren nicht mehr isst. Dabei geht es ihm augenscheinlich blendend und ausgehungert wirkt er auch nicht gerade. Und nicht nur das. Werner will sogar noch erklären, wie er das genau macht. Ich will dranbleiben um zu sehen, wie Heim, diesen Werner entlarvt. Schließlich lerne ich immer gerne dazu. Der trinkt eben seine Sache. Das dies, zumindest eine Zeit lang, möglich ist weiß ich aus zahlreichen Selbstversuchen und Erfahrungen mit Teilnehmern an verschiedenen Fastenkuren. Aber Werner trinkt eigentlich auch nicht. Behauptet er zumindest. Er isst und trinkt nur wenn er Lust dazu hat eine Kleinigkeit wegen des Geschmacks, sagt er. „Gerne mal einen Espresso zum Mittag“, so Werner. Wovon er sich letztlich ernährt weiß Werner selbst nicht so genau. „Die New-Age-Szene“, erklärt Werner, der selbst bekennender Anthroposoph ist, „bezeichnet diesen Vorgang als Lichtnahrung“. Wobei das mit Licht selbst wohl nichts zu tun habe, so Werner. Es ist das was die Inder Prana, oder die Chinesen Chi nennen. Ihn hat eine Bekannte darauf gebracht, worauf er den LNP dann selbst ausprobiert hat. Für den Chemiker Werner stand der Reiz das Unbekannte zu erforschen dabei im Vordergrund. 
Getreu den Anweisungen in Werners Buch „Leben durch Lichtnahrung“ erschienen im AT-Verlag, will ich den LNP ausprobieren. Es wäre doch interessant, wirklich nicht mehr essen zu müssen. Gerade für uns Schwaben, die ohnehin gerne sparen wo immer möglich, ist das ein verlockender Anreiz. Zu all dem bietet sich mir hiermit einmal mehr die wunderbare, immer gerne wahrgenommene Gelegenheit die wissenschaftliche Stagnation durch deren neuen Lehrsatz „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“, der mir schon lange ein Dorn im Auge ist,  zu durchbrechen und andererseits auch der esoterischen Gegenseite mit möglichst realitätsnahen Bezügen auf den Zahn zu fühlen. Was mich bei der Lektüre ein wenig verärgert ist, dass Werner in seinem Buch zwar das „Wie“ des LNP umreißt, aber dazu auf ein weiteres Buch verweist. „Lichtnahrung – die Nahrungsquelle für das kommende Jahrtausend“, erschienen im Koha-Verlag, vom australischen Medium Ellen Greve alias Jasmueen (Duft der Ewigkeit). Das Buch enthalte eine exakte Anleitung zum LNP, nach dem er sich bei seinem LNP gerichtet hat. Im Nachhinein stelle ich fest, dass Werners eigene Erklärung zur Durchführung des LNP gut ausreicht. Auch diese ist an für sich noch wirr genug. Jasmueens schwer esoteriklastiges Werk wirft eigentlich mehr Fragen auf, als es beantwortet und schildert eine für meinen Geschmack viel zu rosafarbene Weltanschauung. Wie viele Esoteriker lebt auch diese Jasmueen allem Anschein nach in einer Art seltsamer Parallelwelt, die mit der Realität nur noch sehr wenig gemeinsam hat. Nüchtern betrachtet ist ihr Werk aber sehr unterhaltsam. Vertrauen fasse ich letztlich dadurch, dass Werner in seinem Buch klar durchblicken lässt, dass sich schon viele, darunter auch namhafte Wissenschaftler und Ärzte, erfolgreich mit dem LNP beschäftigt haben. Die in seinem Werk ebenfalls zu Wort kommen. Das Buch ist hauptsächlich um eine zehntägige wissenschaftliche Fallstudie mit ihm als Probanden aufgebaut.
Die Vorbereitung:
Ich suche nach einem geeigneten Zeitfenster, dass mir noch genügend Zeit zur Vorbereitung lässt. Den Berater und das einsame Häuschen im Grünen, die in beiden Büchern empfohlen werden um sich ganz auf den LNP konzentrieren zu können, schenke ich mir. Das erscheint mir zu teuer und auch zu aufwendig. Meinem Kompagnon, der eine Heilpraktikerausbildung hat, gebe ich Bescheid davon was ich tun will. Wir einigen uns, dass ich mich in bestimmten Intervallen per Telefon melde. Auf den 15. August 2005 lege ich schließlich den Beginn des LNP fest. Ich kaufe zuerst jede Menge Suppen und Getränke ein, denn es wird empfohlen den Körper für den  LNP möglichst im Vorfeld zu entgiften, um Nierenschmerzen zu vermeiden. Ich versuche auf zu Deftiges, auch den Alkohol, in den letzten beiden Wochen vor dem LNP zu verzichten und steige gleich auf die gekauften Suppen um, die ich anfangs noch mit letzten Nudeln und Reis strecke. Natürlich trinke ich auch viel, was ich sonst nie tue. Aber um der Entgiftung willen…. Auch die Getränke für den LNP besorge ich im Vorfeld. Dann erledige ich soweit möglich meinen Schreibkram und melde mich für die Arbeit ab. Als quasi Rettungsringe besorge ich mir noch einen Vorrat an Früchteriegeln, die mich im Notfall wieder auf die Beine bringen sollen. 
Am 14. August hat  mein Vater Geburtstag. Da erlaube ich mir noch einmal heftig zuzugreifen. Am Mittag im Restaurant Leber nach Balkanart und am Nachmittag gute, leckere Torten. Auch drei Stück. Am Abend Fleischkäse mit Kartoffelsalat. Dazu trinke ich Wasser und Weinschorle. Zu Hause trinke ich bis kurz vor Mitternacht noch ein paar Gläser Wasser und erkläre dann den LNP um Punkt Null Uhr für begonnen.
Zum Verlauf:
Der Prozessbericht ist der Einfachheit halber und auch weil zu große Veränderungen nicht Tag für Tag sichtbar waren in vier Abschnitten zusammengefasst. Phase eins ist eine Zusammenfassung der ersten drei Tage. Phase zwei fasst den Rest der ersten Woche zusammen. Die Phasen drei und vier schildern die Zusammenfassung der Wochen zwei und drei.
Phase eins, die ersten drei Tage:
Montag, der 15. August 2005: Zu Beginn wiege ich noch 78,9 Kilo. Ich muss überdurchschnittlich oft pinkeln und habe viel Stuhl am ersten Tag. Ob das am LNP liegt, oder an meinem ungewöhnlichen Ess- und Trinkverhalten in den letzten Tagen (nur Suppe und viel Mineralwasser) kann ich nicht sagen. Es wird auf jeden Fall als Symptom für die ersten Tage im Buch beschrieben. Ich lese zum Zeitvertreib. In den Nächten über den LNP schlafe ich mal mehr und mal weniger gut, was wohl damit zusammenhängt, dass die oberste Priorität des LNP viel Ruhe ist und ich daher schon tagsüber viel liege. Ab dem zweiten Tag habe ich vorwiegend am Morgen Kopfschmerzen, die mich erst Mitte der zweiten Woche wieder verlassen. Wie im Buch als Entgiftungserscheinung beschrieben. Meine Nieren machen indes keinerlei Probleme und Hunger verspüre ich auch nicht. Mein Magen blubbert  nächtens zeitweilig lustig vor sich hin. Tagsüber habe ich leichte Schwindelanfälle beim Aufstehen. Hitze steigt mir dabei in den Kopf und ich fühle mich insgesamt schwächlich. Ich habe auch ein warmes Vollbad probiert. In den Erfahrungsberichten als sehr angenehm geschildert. Allerdings gefiel das gar nicht. Beim aus der Wanne klettern ist mir der Kreislauf zusammengebrochen. Dann taucht die Frage des Speichels auf. Soll ich ihn schlucken, oder nicht. Es soll ja in der ersten Woche weder gegessen noch getrunken werden. Ich entscheide mich fürs Schlucken, da Speichel ja eine körpereigene Flüssigkeit ist. Ich überlege am dritten Tag den LNP wieder aufzugeben, da mir ziemlich langweilig ist. In Jasmueens Buch wird der LNP als heilige Handlung beschrieben, bei der möglichst gar keine körperliche Arbeit geleistet werden soll und auch kein Fernseher, Computer und keine Musik erlaubt ist. Man soll sich ganz dem LNP und seinem inneren Selbst hingeben. Wie das gemeint ist erklärt sie nicht. Aber weil ich wissen will, ob der LNP letztlich wie versprochen funktioniert beschließe ich weiter zu machen. Ohnehin will ich mich nicht allzu eng an die Vorlage halten.
Phase zwei Tag vier bis sieben: 
Donnerstag, der 18. August 2005: In der Nacht vom dritten, auf den vierten Tag, soll nun gemäß Jasmueens Anleitung das große Wunder eintreten. Um den „Todesprozess zu verhindern“ schließt die „himmlische Bruderschaft“ einen „ätherischen Tropf“ direkt an den Nieren an, der mich während diese „Brüder“ meinen Körper für die neue Form der Ernährung umoperieren, versorgt und ich von diesem Zeitpunkt an keine körperlichen Probleme mehr haben soll. Dies könne man aktiv miterleben, schreibt sie. Allerdings werde der kleinste Schluck Wasser den man trinke dazu führen, dass die Bruderschaft ihre Arbeit unterbricht und 24 Stunden lang nicht wieder aufnimmt, was den LNP verzögere. Vielleicht ist das alles aber auch anders zu verstehen. Ohnehin gibt es zur Lichtnahrung ganz unterschiedliche, längere und auch kürzere Wege als den LNP erfahre ich über das Internetforum auf sabon.org (Mailingliste) in dem über dieses Thema gewaltig gefachsimpelt wird. Dazu knurrt mir am vierten Tag gewaltig der Magen. Nicht unbedingt ein Zeichen dafür diesen ätherischen Tropf bereits erhalten zu haben. Zur Erfrischung des Mundraumes kaue ich Zitronenschnitze. Da ich zum Schlucken neige drücke ich sie beim zweiten Mal aus und gurgle damit. Ich will ja nicht essen, oder trinken. Ich bin erstaunt wie klar ich noch im Kopf bin. Bisher konnte ich weder eine himmlische Bruderschaft bei der Arbeit beobachten, noch haben sich Engel zu mir plaudernd ans Bett gesetzt, wie das in vielen Erfahrungsberichten so beschrieben wird. Nachdem ich am Nachmittag genug darüber gegrübelt und endlich eingesehen habe, dass es mir wohl leider weiterhin verschlossen bleiben wird, meinen Geist auf solche hochspirituellen Dinge zu konditionieren beschließe ich, mich wieder ein wenig mit dem Fernseher von der Langeweile abzulenken, denn um zu Lesen bin ich mittlerweile zu schlapp. An einem Abend bin ich zur Auquelle gelaufen. Das ist eine etwa drei Kilometer lange Strecke. Viele LNP-Teilnehmer erzählen in den Erfahrungsberichten von ihren ausgedehnten Spaziergängen während des LNP. Allerdings ist dieser Fitnesstest ziemlich schief gelaufen. Ich musste zu Hause mit Schmerzen im Brustbein erst einige Minuten in Erholung investieren. Überhaupt hält mich mittlerweile nur noch die Hoffnung auf den Montagmorgen, den ersten Trinktag aufrecht. Dabei helfen die ab dem vierten Tag gemäß Anleitung beginnenden Neuausrichtungsstunden, die ich so lege, dass ich den Tag im Grunde erst gegen 18 Uhr beginne. Zwei Stunden um zehn, zwei Stunden um 13 Uhr und zwei Stunden um 16 Uhr. Der Tag wird im Prinzip bis 18 Uhr erst einmal verschlafen. In dieser Zeit sollen, laut Jasmueen, die Lichtarbeiter ihre Operation durchführen und man selbst möglichst ruhig liegen. Nach sieben Tagen ohne zu Essen und zu Trinken lebe ich dann, wenn auch auf Sparflamme, tatsächlich immer noch. Was zumindest die alte Seemannsweisheit, „Am vierten Tag ohne Essen werden wir verrückt und am fünften Tage sterben wir“ – die im Volksmund und auch in der Schulmedizin weit verbreitet ist – lügen straft. Vor meinem ersten Schluck um exakt Null Uhr wiege ich 67,5 Kilo. Soviel habe ich das letzte Mal als 17-jähriger gewogen.
Phase drei Woche zwei Tag acht bis 14: 
Montag, der 22. August 2005: Die Heilungswoche. Gegen Null Uhr trinke ich das erste Glas eisgekühltes Zitronenwasser aus den Resten der Zitronen, die ich von den Mundspühlungen übrig habe. Nach drei kleinen Gläsern habe ich bereits einen Wasserbauch. Bis etwa drei Uhr bleibe ich wach und trinke gewaltige eineinhalb Liter, weil ich einfach nicht widerstehen kann. Am Ende des ersten Trinktages habe ich so

im Gesamten viereinhalb Liter Apfel- und Zitronensaftschorle getrunken ohne überhaupt einmal pinkeln zu müssen und wiege danach schon wieder 71 Kilo. Auch Früchte-Tee habe ich ausprobiert. Die Kopfschmerzen sind weg und mir geht es überraschend gut. Gegen Mitte der Woche habe ich etwas Stuhl. Sobald ich mit dem Trinken am Abend aufhöre habe ich ein leeres Gefühl im Magen, einen trockenen Mund und eine extrem belegte, aufgequollene Zunge. Der gelb-grüne Belag darauf stammt wohl von den Säften. Zum ersten mal bemerke ich im Spiegel wie ausgezehrt ich aussehe. Kein Gramm Fett mehr am Körper und die Oberarmmuskulatur beginnt bereits zu schwinden. Arnie wäre vermutlich stolz auf so einen knochentrockenen Body gewesen. Die Hände sind rissig und meine Haut ist sehr trocken.
Phase vier Woche drei Tag 15 bis 21: 
Montag, der 29. August 2005: Heute ist die Heilungswoche (von der schweren Operation der Lichtarbeiter) wie im Buch erklärt abgeschlossen und die Woche der Kräftigung beginnt. In der, so Jasmueen, die kosmischen Energien, die einen in der dritten Nacht verlassen haben wollen, wieder in den Körper einströmen. Ich wiege 69,5 Kilo und darf nun Säfte die auf 40 Prozent verdünnt sind zu mir nehmen. Ich beschließe überwiegend für den Durst zu trinken. Auch mal bis zu fünf Liter Flüssigkeit am Tag. Stelle aber fest, dass Trinken nun eher ein Durchtauschen von Flüssigkeit ist. Was ich oben reinfülle bringe ich kurze Zeit später schon wieder weg. Die Körpermasse schwindet auch in dieser Woche weiter. Ich sollte dabei erwähnen, dass ich bisher intensiv Kraftsport betrieben habe und meine 78,9 Kilo bei 1,73 m Körpergröße damit nicht unbedingt mein Idealgewicht waren. In der Nacht wieder Bauchschmerzen. Der Magen knurrt. Ich überlege, ob das vielleicht ein beginnender Autokanibalismus ist. Der Vorgang, bei dem die Verdauungsorgane beginnen sich selbst zu verdauen. Am frühen Freitagnachmittag noch eimal Stuhl. Nun eine ganze Menge. Die Form ähnelt allerdings eher Hasen-, oder Ziegenkötteln von etwa 1,5 bis zwei Zentimetern Durchmesser als normalem Stuhl. Trocken und von dunkler Farbe. Am Abend sehr agil bis zwei Uhr am Morgen über Politik diskutiert und dabei zwei Pils getrunken, was ich eigentlich vom Kopf her überhaupt nicht bemerkt habe. Ich hätte erwartet nun sturtzbetrunken zu werden. Danach bin ich von Untertürkheim, immerhin eine gute vier Kilometer lange Strecke, sehr beschwingt nach Hause gelaufen. Hat der LNP am Ende der Woche nun geklappt? Ich gebe meine bisher stete Gewichtsabnahme zu bedenken. Allerdings baut der Körper aber schon infolge der bewegungsarmen Ruhezeit klar ständig Muskelmasse ab. Insgesamt habe ich über den Prozess elf Kilo abgenommen. Ich bin nun wieder frei zu tun was ich will und angeblich nicht mehr auf´s Essen, oder Trinken angewiesen. Mal sehen! Die meisten, die diesen Prozess durchgemacht haben fangen nun wieder mit dem Essen an. Mich dagegen bringt es zu einer Reihe von verschiedenen Experimenten über die ich in den nächsten Tagen noch im Einzelnen berichten will.
Nach dem Prozess Kalenderwoche 36 – 5. bis 11.9.: 
Alles in allem drücken die wieder erhöhte Aktivität und viele Besorgungen am Anfang der Woche mein Körpergewicht weiter auf 66 Kilo herunter. Durch Trinken kann ich dieses aber wieder bis auf 69 Kilo erhöhen. Auch Wasser hält mein Gewicht bisher stabil und ich fühle mich vor allem am Abend sehr lebendig. Tagsüber aber eher ziemlich schlaff. Eine Zigarre, die ich am Mittwochabend bei einem Spaziergang zum Stuttgarter Weindorf rauche macht mir am anderen Tag zu schaffen. Aus Sicht der nächsten Woche bleibt zu sagen, dass die Woche nach dem LNP, in der es ja von Null auf 100 wieder in die alltäglichen Aktivitäten geht, mit einer heftigen Gewichtsabnahme verbunden ist. Am Sonntag habe ich bei meinen Eltern zu Mittag gegessen. Die erste feste Nahrung seit vier Wochen. Es gab Rahmgeschnetzeltes mit Reis, Kohlrabi, Salat und zum Nachtisch ein Eis. Eine Portion von mittlerer Größe. Ich habe wieder Erwarten kein Problem mit dem Magen, oder der Verdauung gehabt und auch die Arbeit direkt danach, mehrere lokale Pressetermine,  habe ich sehr locker bewältigt.
Woche 37 12. bis 18.09.: 
In der zweiten Woche nach dem Prozess hat sich mein Körper wieder recht gut an die Alltagsbelastungen gewöhnt. Sogar das Krafttraining, das mir beim ersten mal viele lange Pausen abgenötigt hat, bewältige ich gut. Habe am Freitag versucht mich richtig vollzufressen um zu sehen wie mein Magen nun reagiert. Ein Dosenfisch, eine Pizza (Spinat-Käse von Aldi) und eine halbe Tüte Gummibärchen stellten dabei meine absolute Obergrenze dar. Der Druck des Magens auf die unteren Rippen hielt fast zwei Tage an. Auch der Stuhl wurde dabei wieder normal (keine Köttel mehr).
KW 38 19. bis 25.09.: 
Kann schon wieder richtig zutreten beim Bergauf radeln. Stelle aber fest, dass ich nun hin und wieder aus Langeweile essen und trinken will. Bin irgendwie süchtig danach und habe permanent das Bedürfnis mir irgend etwas in den Mund schieben zu müssen. Was in dieser Woche ein paarmal zu kleinen Heißhungerattakken führt. Das ist wohl der Beginn des berühmten Jo-Jo-Effektes mit dem Diätteilnehmer nach Ende der Diät ihr wieder rapide hochschnellendes Gewicht erklären. Davon habe ich am Donnerstag und Freitag unheimlich viel Stuhlgang. Ich bin mittlerweile auch der Ansicht, dass Zeit beim LNP eine wichtige Rolle spielt. Ich beobachte, dass sich mein Körper allmählich auf die neue Situation einstellt und jeden Tag besser damit umgeht. Allerdings auch, wie mich Essen wieder zurückwirft.
KW 39 26.9. bis 03.10.: 
Wollte diese Woche konsequent nur einen halben Liter Flüssigkeit am Tag zu mir nehmen um einmal ordentliche Messwerte zu haben. Auch Michael Werner trinkt heute noch etwa einen halben Liter Flüssigkeit pro Tag, gibt er an. Schon am Dienstagabend geht es mir darüber aber sehr schlecht und ich erhöhe mein Flüssigkeitspensum wieder. Ich probiere in dieser Woche dann über Bier, Wein, schwarzen Tee, Wasser, Schweppes und Brühe so ziemlich alles Flüssige aus und stelle dabei fest, dass dünnere Flüssigkeiten wie Tee, Wasser, oder Softgetränke das Körpergewicht nicht so sehr hochfahren wie Säfte. Ein Schockerlebnis am Donnerstag. Mein Gewicht ist auf 65 Kilo gefallen. Obwohl es mir an diesem Tag eigentlich gut geht. Am Wochenende nasche ich wieder ein paar Kleinigkeiten wie etwas Eis, Gazpacho und Minisalamis.


Parallel zum Versuch die Testreihe:
Wie reagiere ich tatsächlich auf völlige Nahrungslosigkeit?
Erwartung: 
Gewichtsverlust, Schwäche, werde unkonzentriert sein und müde, Magenknurren, Magenschmerzen. Äußerliche Veränderungen an Haut, Haaren, Fingernägeln und Gesicht.
Ergebnis:
Gewichtsverlust, Schwächeanfälle, trockene Haut, Magenknurren und Müdigkeit. Sonst keine besonderen Anzeichen.
Wie reagiere ich wenn ich nur trinke? 
Erwartung:
Gewichtsverlust, diverse äußerliche Veränderungen, Magenknurren 
Ergebnis: 
Mit genügend Fruchtsaft, oder auch Bier gelingt es die ersten Wochen mühelos das Körpergewicht konstant zu halten. Ich fühle mich gut dabei. Es häng von der Flüssigkeit ab. Mit Wasser, oder dünnen Softgetränken, fällt das Gewicht und die Symptome sind dieselben wie bei totaler Nahrungslosigkeit. Im weiteren Verlauf läuft jede Flüssigkeit nur noch durch den Körper hindurch und das Gewicht schwindet. Ganz egal wie viel ich trinke. Schwächeanfälle gleiche ich anfangs mit Tee, dann nur noch mit beliebiger Flüssigkeit, auch Wasser, aus. In den letzen Tagen stelle ich eine Besserung der Situation fest. Schwächeanfälle sind Ende Oktober verschwunden. Ich trinke nur ein, zwei Tässchen Cappuccino am Tag. Dabei spüre ich sogar ein leichtes Völlegefühl und etwas Bauchspeck.
Wie reagiere ich wenn ich wieder eine ganz normale Mahlzeit zu mir nehme? 
Erwartung:
Übelkeit, Erbrechen, ich bekomme gar nichts runter weil der Magen nicht mehr aufnahmefähig ist. 
Ergebnis: 
Eine normale Mahlzeit bringt meinen Organismus nicht wirklich durcheinander. Das Körpergewicht geht wie beim Trinken nach oben und ich habe Stuhl in bewährter Köttelform. Esse ich aber mehr und fülle meinen Magen damit richtig auf, geht auch der Stuhl wieder in die normale Häufigkeit und Form zurück. Die Obergrenze der Völlerei ist aber schneller erreicht als früher und ich muss aufpassen, dass ich meinen Magen nicht bis an die Schmerzgrenze überdehne.
Wie reagiere ich auf Alkohol? 
Erwartung: 
Bereits bei kleinsten Mengen Alkohol benommen, oder betrunken zu werden 
Ergebnis: 
Zwei Pils (4,9 Prozent Alkohol) ergeben gar keine nennenswerte Reaktion 
Zwei Flaschen Bockbier (7,1 Prozent Alkohol). Danach bemerke ich die Wirkung des Alkohol s als leichte Kopfschmerzen und Müdigkeit. Nach drei Flaschen schlafe ich beim Fernsehen ein. Mit ein paar Flaschen Bier komme sogar recht gut ernährt durch den Tag.
Eine Flasche Toffee-Kaffee-Sahnelikör (17 Prozent Alkohol) bemerke ich wiederum gar nicht.
Eine halbe Flasche Weißwein (11 Prozent Alkohol) ist kein Problem. 
Von Wein will ich mich als nächsten Versuch zu ernähren versuchen 
Auch eine Flasche Honigmet (11 Prozent Alkohol) stört nicht.
Cognac hat die üblichen Auswirkungen. Der miese Geschmack im Mund am morgen danach.
Wie reagiere ich auf Tabak?
Erwartung: 
Übelkeit 
Ergebnis: 
Eine Zigarre ist moderat geraucht kein Problem. Bei heftigerem Ziehen sind die Probleme die allseits bekannten.
Wie reagiere ich auf Sport?
Erwartung: 
Gewichtsverlust, keine Ausdauer und auch keine Kraft für ein Sportprogramm jedweder Art 
Ergebnis:
Ausdauertraining schlaucht mich ob laufend, oder mit dem Rad direkt nach dem LNP gewaltig. Aber es wird auch sehr schnell besser, so dass ich bereits in der zweiten Woche mein normales Pensum wieder erreiche. 
Das Schnellkrafttraining mit Hanteln machte nach dem LNP erheblich niedrigere Gewichte und sehr lange Pausenphasen zwischen den Sätzen notwendig. Auch hier komme ich in der zweiten Woche schon wieder fast an mein normales Trainingsgewicht heran. Erstaunlich wie viel Kraft in dem ausgemergelten Gerippe noch steckt. 
Allerdings stelle ich bisher keine Zunahme der Körpermasse fest.
Interessant anzusehen finde meine momentan etwas archaisch anmutende Figur. Bei vergleichsweise muskulösen Armen und Beinen ist der Rumpfbereich (verglichen mit meiner Figur vor dem LNP) ein ziemlich ausgemergelter Strich.
Vorläufiges Gesamtresultat des LNP: 
Natürlich wird der LNP sehr individuell wahrgenommen. Das beinhaltet wohl auch einiges an Flunkerei, oder Vergesslichkeit seitens der Absolventen, die bisher darüber berichtet haben. Denn darüber wie lange deren Herunterfahren auf völlige Nahrungslosigkeit tatsächlich gedauert und wie es um das ab und zu kleiner Naschereien zwischendurch tatsächlich bestellt ist, finden sich keine Angaben in den Berichten. Dass ich ab den vierten Tag von externer Quelle irgendwie ernährt werde wie Jasmueen und Michael Werner das in ihren Büchern beschreiben, habe ich so nicht wahrnehmen können. Ich hatte während des ganzen Prozesses immerzu ein recht deutliches Magengrummeln verbunden mit Gewichtsverlust und Schlaffheit. Auch wenn der LNP selbst, also die 21 Tage, insoweit gut funktioniert haben das ich während dieser Zeit in keiner Weise zu Schaden gekommen bin hat eine abrupte Umstellung des Körpers auf Nahrungsunabhängigkeit bei mir nicht stattgefunden. Allerdings hat mir der LNP letztlich gezeigt, dass ich durchaus mit sehr viel weniger Nahrungsmitteln als bisher sogar sehr gut durch den Tag kommen kann.
Ende Oktober bin ich von ein paar Cappuccinos schon quasi vollgefressen. Ganz ohne Trinken geht es nicht. Aber ich werde selbst mit ein paar Schlucken Wasser fit. Meine Schlafbedarf hat sich deutlich verkürzt. Daran topfit zu sein, lange bevor es draußen hell wird, muss ich mich erst noch gewöhnen. Essen wirft mich immer wieder zurück, denn ich kann – nach einer aus Neugierde eingeworfenen Kleinigkeit – oft nicht widerstehen weiter zu mampfen, bis der Ranzen spannt. Ich muss daher beim Einkaufen darauf achten nicht mehr auf Vorrat zu kaufen.
Ende November habe ich dieses Problem in Griff. Interessant ist, dass es nun allem Anschein nach egal ist, ob ich etwas esse, oder trinke. Das wird eben verdaut und ausgeschieden, oder  nicht. Mitte November habe ich esstechnisch ordentlich zugelangt. In diesem Monat habe ich etwas für den Erfolg des Prozesses wichtiges, nämlich meine Individualität wiederentdeckt und versuche neben Nahrungsverzicht auch nicht mehr zwanghaft viel zu trinken, denn das habe ich früher auch nie gemacht. Ich denke daher auch, dass es zur Lichtnahrung effektivere Wege gibt als den 21-Tage-Prozess, der durch das ganze esoterische Drumherum hauptsächlich den eigenen Körperrhytmus zerschießt.
Aktuell:
Mittlerweile sind die in der Szene mit Spannung erwarteten Ergebnisse von Michael Werners Lichtnahrungsexperiment im schweizer Tagesanzeiger veröffentlicht worden.
http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Studie-entlarvt-Schweizer-Lichtesser/story/10205690

Diese kommt laut Tagesanzeiger zu dem Ergebnis, dass Werner während der Zeit wohl doch von den eigenen Körperreserven gezehrt haben muss. Leider enthält der Tagesanzeiger keinen weiteren Hinweis wo die Ergebnisse der Studie direkt eingesehen werden können.

Lieber Tot als Blind

16. Oktober 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Stuttgart: Erlebnisgang und Tandemfahren mit Blinden, Ballonfahrt zu gewinnen – großes Interesse bei „Woche des Sehens“

 

(mr) – Am Samstag hatten verschiedene Sehbehindertenorganisationen zum Abschluss ihrer deutschlandweiten Aktion „Woche des Sehens“ – einer Aufklärungskampagne zur Erblindung durch Augenkrankheiten – ihre Zelte auf dem Schlossplatz aufgeschlagen. Auch die blinde Sängerin Corinna May und Biathlon-Weltmeister Willi Brem stellten sich den Fragen der interessierten Besucher, die auch die Informationsstände sehr zahlreich begingen.

 

„Lieber Tot als blind“, meinten nicht wenige, der wagemutigen Besucher des Aktionstages, die sich mit Blindenstock und Simulationsbrille in den Hindernisgang der Christoffel-Blindenmission begaben um so nach kurzer Einweisung in die Welt der Blinden einzutauchen. „Mit der Woche des Sehens“, wollen wir in diesem Jahr hauptsächlich auf die Gefahr einer Sehbehinderung durch eine degenerative Netzhauterkrankung, besonders der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), aufmerksam machen, die besonders in unserer immer älter werdenden Gesellschaft auftritt“, erklärt Horst Schwerger von Pro Retina, der Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen. Dabei lassen die Sehschärfe und das zentrale Sehvermögen allmählich nach. 1 700 Kilometer hat die Kampagne über Berlin, Hannover, Münster, Bonn und Frankfurt in dieser Woche zurückgelegt. Besucher die sich die Namen der bei den verschiedenen Vorträgen von Augenärzten und Betroffenen zur Sprache gebrachten Augenerkrankungen behalten konnten, durften an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem dem Sieger eine Ballonfahrt über Stuttgart winkte. Ermittelt wurde Gabriele Braun aus Kornwestheim durch Glücksfee Corinna May, die auch Pro Retina Botschafterin ist und die Tour mit ihrer Jazzband begleitet. May gefällt es gut in Stuttgart. „Ich fange schon an ein bisschen zu schwäbeln“, gestand die blinde Sängerin. Daneben lud Günter Kaiser zur Tandemfahrt rund um den Schlossplatz ein und der Biathlon Weltmeister Willi Brem stellte sein lasergesteuertes Sportschützengewehr vor. „Je näher ich am Ziel bin, desto lauter ertönt ein Pipgeräusch“, so Brem, der damit praktisch nach Gehör schießt. Für Schwerger auch immer wieder ein Beweis wie leistungsfähig Blinde sein können. Bei zehn Augenärzten aus der Region konnten sich Besucher in einem Infobus untersuchen lassen und ihre Fragen zu Augenproblemen loswerden. Insgesamt ist Schwerger hochzufrieden mit der Aktion, die sehr gut besucht war. „Der Infobus war rund um die Uhr voll belegt“, so Schwerger. Neben Vorträgen und Auftritten von verschiedenen Künstlern wurden Kaffe, Tee und frische Waffeln gereicht. Mit der Tandem-Tour wollen sie im nächsten Jahr wieder nach Stuttgart kommen.

Ein Tag für die Katz

3. Oktober 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Stuttgart-Botnang: Herbstfest des Tierschutsvereins Stuttgart auf dem Tierheimgelände

(mr) – Am Wochenende lud der Tierschutzverein Stuttgart Freunde und Interessierte wieder zu seinem alljährlichen Herbstfest auf das weiträumige Tierheimgelände nach Botnang ein. Neben 600 Tieren stellten sich dort auch kleinere Vereine wie die Meerschweinchenhilfe, oder die Frettchenfreunde den Besuchern vor.

Mit einem großen Flohmarkt, der sich nicht nur ausschließlich ums Tier drehte, sondern auch einen großen Bücherfundus enthielt, einer Tombola und vielen Ständen mit unterschiedlichsten Angeboten stellte sich der älteste Verein Deutschlands, den Tierschutzverein Stuttgart gibt es nämlich schon seit  1837, seinen Freunden vor. „Unser Verein hat 2 500 Mitglieder und beherbergt im Moment insgesamt 600 Tiere“, so die stellvertretende Vorsitzende Angelika Schmidt-Straube. Hauptsächlich Hunde und Katzen. Damit wären sie zur Zeit auch ständig überfüllt, da die Bereitschaft sich ein Tier zu halten in Großstädten stark abgenommen habe. Listenhunde, die so genannten Kampfhunde, wolle nun nach den neuen Verordnungen ja auch niemand mehr haben. Von denen haben sie nun eine ganze Menge, die in Käfigen auf dem weitläufigen Gelände untergebracht sind. Insgesamt, so Schmidt-Straube weiter, verschlingt  das Tierheim zwei Millionen Euro im Jahr für den Unterhalt der Tiere. Hauptsächlich finanziert sich der Verein durch Erbschaften und Spenden, sowie ihre Mitgliedsbeiträge. Ihre eigenen Belange will der Verein nun in einem bald erscheinenden Magazin,  dem „Strohhalm“ ausdrücken. An einem Stand stellt sich auch eine neuere Idee des Tierheims, die „Gassigeher“ vor.  Die Hunde sind hierzu auf einer Liste in verschiedene Kategorien von leicht bis schwierig eingeteilt. Je nach Erfahrung werden sie dem „Gassiegeher“ in der Regel Schüler, Rentnern, oder sonst Interessierten dann zugewiesen. Hierfür sucht das Tierheim auch ständig Freiwillige. Die „Gassigeher“ erhalten  damit extra Kurse für den Umgang mit Hunden, was auch dem allgemeinen Umgang mit Tieren zugute kommt. Eine weiterer Stand vertreibt „tierversuchsfreie Kosmetik“, wohinter sich Körperpflegeprodukte ohne chemische Zusatzstoffe verbergen. „Wozu eben keine Tierversuche staatlich vorgeschrieben seien“, erklärt Ursula Zander. Düfte, Seifen, Shampoo, Gesichtscrems, die ganze Palette eben. All das wir hier auch über den Tierschutzverein vertrieben. Die Jugend kümmert sich an einem weitere Stand um Patenschaften für Tiere und verkauft Waffeln. Auf einem Rundgang kann das Katzenhaus in dem sich momentan 50 Katzen herumtreiben, das Vogelhaus, der Gnadenhof für Pferde, der Tierfriedhof, das Huftierhaus und auch das Kleintierhaus besichtigt werden. Zu den hier beheimateten Tieren zählen Kanarienvögel, Wellensittiche, Papageien, Frettchen, Meerschweinchen, Hasen, Schafe, Gänse, Schwäne, Ziegen, Katzen und Hunde, Degus und Ratten. „Unser Hausschwein haben wir letzte Woche weggegeben“, erklärt Schmidt-Straube. Das Gelände des Tierheims ist riesig und man fühlt sich beim Rundgang schon ein wenig an die Wilhelma erinnert. „20 Tierpfleger arbeiten fest hier und es werden auch Tierpfleger auf dem Tierheimgelände ausgebildet“, erklärt Margarete Waibel am Infostand vor dem Eingang, wo sich die Besucher eingehend über das Tierheim informieren können. Zu den weiteren Ständen zählten auch die Meerschweinchenhilfe, die Frettchenfreunde, die Igelfreunde und die Katzenhilfe. Und natürlich ist die Gräuschkulisse auf einem solchen Fest enorm. Neben Kaffee, Kuchen und Getränken bietet ein Veganerstand Zwiebelkuchen und veganische Würstchen und Brotaufstriche, die meist aus Weizenbrei und verschiedensten Gewürzen und Tomate, Zwiebel, Apfel und Paprika bestehen zum probieren an. Straube ist über den regen Zulauf der Interessierten Besucher, die meist auch noch ihre eigenen Tiere mitgebracht haben sehr erfreut und auch die Besucher sehen einen solchen Tag als lohnenswerte Institution an, bei der man sich über allerhand Neuheiten austauschen und informieren kann.

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