Chemietanker Unfall 960 Tonnen Schwefelsäure flossen in die Elbe (1A/2B/3C)

28. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Hintergrund: Beim Zusammenstoß des 64 Meter langen Chemietankers „ENA 2“ der Norddeutschen Affinerie im Hamburger Hafen mit dem Containerschiff „Pudong Senator“ war dessen gesamte Ladung, 960 Tonnen Schwefelsäure, in die Elbe geflossen. Das Containerschiff hatte ihm die Vorfahrt genommen. Allerdings wurden im Blut des Kapitäns des Chemietankers 2,1 Promille nachgewiesen. Das Schiff hatte 50 Minuten vor der Kollision an der Verladestelle der Norddeutschen Affinerie abgelegt. Da kurz vor dem Kentern des Schiffes noch ein Abpunpversuch unternommen worden war, waren die Verschlüsse von zwei der vier Säuretanks offen geblieben. Nach dem Zusammenstoß hatte sich das Schiff um die Längsachse gedreht und trieb kieloben im Hafenbecken. Ein geeigneter Schwimmkran für die Bergung hatte erst aus Bremerhaven kommen müssen.

Ergebnis: Bei der Kollision waren nach Berechnungen des Eigners 916 Tonnen reine Schwefelsäure ausgelaufen – fast die gesamte Ladung. Nur noch etwa sechs Tonnen Säure seien in verdünntem Zustand im Wrack geblieben. Die Bergungsarbeiten dauerten fünf Tage. Dabei musste das kieloben schwimmende Schiff mit zwei Schwimmkränen gedreht werden, damit das hochexplosive Wasserstoff Gasgemisch durch das Einfüllen von Stickstoff abgelassen werden und der Tanker in die Werft geschleppt werden konnte. Nach der Schiffahrtsdirektion Nord in Kiel wird der Kapitän sein patent auf Lebenszeit verlieren. Bei 2,1 Promille auf einem Gefahrguttanker sei das keine Frage, so deren Justitiar Jochen Hinze. Dem Kapitän blühen außerdem noch fünf Jahre Haft oder eine hohe Geldstrafe wegen Gefährdung der Schiffahrt. Die durch die Havarie verursachten Schäden bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich, da die Arbeit auf den großen Gates mehrfach eingestellt werden musste. Elf Menschen wurden dabei verletzt. Bei der Vermischung der Schwefelsäure mit dem Flusswasser sind nahezu alle Fische im Becken des Petroleumhafens der Hansestadt gestorben, da Salzsäure sofort die Kiemen der Fische angreift. Messungen ergaben, dass die Fische, wie Aale bis über die Elbmündung hinaus noch stark kontaminiert sind.

Hier bleibt allerdings noch eine Frage offen: Kann sich ein Mensch der auf einem Schiff mit dem Auslaufen aus einem Hafen beschäftigt sein sollte innerhalb von 50 Minuten derart zusaufen, ohne, dass es von irgend wem bemerkt würde? Oder war er zuvor im Verladehafen schon strockbesoffen und es ist dort weder Zoll, noch Direktion aufgefallen.

Feierliche Scheckübergabe der Aktion Mitmachen Ehrensache

22. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Stuttgart: 682 Stuttgarter Schülerinnen und Schüler jobbten für einen guten Zweck

 

(mr) – Am Samstagabend überreichten  Jugendliche der Aktion „Mitmachen Ehrensache“ im „Jugendhaus Mitte“ zwei Schecks im Wert von je 11 000 Euro an soziale Organisationen. Insgesamt 682 Schüler hatten am 5. Dezember vergangenen Jahres, zum „Tag des Ehrenamtes“ für einen guten Zweck einen Tag lang gejobbt.

 

Besonders begeistert vom Einsatz der   ehrenamtlichen Jobber, alles Schüler  zwischen 13 und 19 Jahren, zeigte sich Helga Breuninger von der Breuninger Stiftung, die Schirmherrin dieser Aktion, die mit zwei der jungen Botschafterinnen Annekatrin Günther und Sarah Bachir die Schecks an die für diesen Zweck  ausgewählten Sozialstationen überreichte.   Den Arbeitskreis Leben, die sich um Menschen in Lebenskrisen kümmern und das WerkHaus Feuerbach einer erst im letzten Jahr eröffneten Behindertenwerkstatt. Beide wollen mit dem Geld weitere Betreuungskräfte finanzieren und ihre Arbeitsbereiche weiter ausbauen, erklärten sie. Insgesamt waren bei der Aktion 22 168,87 Euro zusammen gekommen. Die Jugendlichen aus 43 Stuttgarter Schulen hatten für die Aktion „Mitmachen Ehrensache“ bei etwa 400 Arbeitgebern wie der Allianz, Debitel, dem VFB oder einfach im Kebabladen einen kompletten Tag für den guten Zweck gejobbt. Schularbeiten und verschiedene Klausuren mussten trotzdem  nachgearbeitet oder vorgeschrieben werden, berichteten die Schüler. Die Aktion befindet sich nun bereits im vierten Jahr und wächst ständig. „Alle könnten dabei schließlich nur gewinnen“, so Silke Bernet vom Jugendhaus Mitte, die diese Aktion für Stuttgart koordiniert hatte. Die Schüler können sich bei dieser Aktion im Arbeitsleben umsehen und viele Firmen benutzen diesen Tag um sich als Arbeitgeber vorzustellen. Im Vorfeld wurden in Bad Boll Botschafter ausgebildet, die Schulen und Schüler von dem Projekt überzeugen sollen. Die Jugendlichen gingen dann selbst los und suchten sich eine Stelle. Vergangenen Samstag wurden sie dafür mit einer Party in Jugendhaus Mitte im Anschluss an die Scheckübergabe belohnt. Die Allianz verloste zwei x 25 Kinokarten für das Cinemaxx und Debitel zwei Handys für die Aktiven. An der Aktion hatten sich im letzten Jahr sieben Baden-Württembergische Landkreise beteiligt. In diesem Jahr sollen es zehn werden. 2004 findet der Tag des Ehrenamtes schon am 3. Dezember statt.

Der Flohmarkt mit Spaßfaktor

22. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

Der Gablenberger Flohmarkt wir 23 (63)

Stuttgart (mr) – Was vor über 20 Jahren  als kleine nur für Gableberg gedachte Veranstaltung begann ist zwischenzeitlich zu einem regelrechten Event geworden, das am Samstag zahlreiche Besucher aus der ganzen Stuttgarter Region anzog.

Es dauert eine Weile, bis der fremde Besucher gefallen an dem Riesenflohmarkt findet, der sich von der Pflasteräckerstraße bis zum oberen Ende der Gablenberger Hauptstraße hin  erstreckt. Da er auf den ersten, flüchtigen Blick eher den Charakter eines gewöhnlichen Sperrmülltages hat. Seinen Charme entfaltet der Flohmarkt dann bei näherem hinsehen. Wenn man mehr und mehr der längst vermissten Relikte aus Kindheit und Jugendzeit, wie Micky Maus Erstausgaben, Brettspiele und Unmengen alter Schallplatten von Mike Oldfield bis zum klassischen Klavierkonzert entdeckt. Für die Schnäppchenjäger hatte der Gablenberger Flohmarkt bereits ab sechs Uhr Morgens geöffnet. Als sich andere über die Sommersonne ärgerten, die sie am Samstagmorgen zu so früher Stunde geweckt hatte und sich noch einmal umdrehten, waren diese bereits unterwegs um die allerbesten Stücke zu ergattern. Die meisten der Besucher kamen aber gegen Nachmittag, wo der eine oder andere Stand, wie der von Anne Kauffeld in der Mitte der Gablenberger Hauptstraße bereits nichts mehr auf dem Tisch hatte. „Etwas das beim dritten Anfassen nicht mitgenommen werde ist nicht verkäuflich und wird für das nächste mal aussortiert“. Hat sie sich zur Regel gemacht. Kauffeld ist schon eine „alte Häsin“ in Sachen Flohmarkt und war bisher fast jedes mal mit dabei. Immer wieder ist sie erstaunt wie viel Geld doch mit diesen minimalen Beträgen von plusminus einem Euro am Ende zusammen komme. Für die Meisten ist dieser Flohmarkt Gelegenheit ihren alten Kram loswerden. Plattenliebhaber waren am Stand von Ottmar Kinle  genau an der richtigen Adresse. „Eine Platte fünf Euro“, schrie er im Vorbeigehen. „Der Spaß liegt bei den meisten vordergründig im Verhandeln“, meinte auch Erika Sladek, die einen antiken Picknickkorb, riesige Teddybären und Teegeschirr anbot. Ein Jubiläum gab es auch noch. Seit 20 Jahren mittlerweile in der vierten Generation sind Gertrud 92, Franziska 58, Viola 36 und deren 10 Monate alte Tochter mit dabei. „Spaßfaktor und echtes Flohmarktfeeling sind hier im Vordergrund“, bestätigen auch sie. Ab 16 Uhr begann dann für alle das große Aufräumen.

Feierliche Übergabe des Erweiterungsbaues der Cotta Schule

14. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Stuttgart: OB Schuster übergibt neues Schulgebäude seiner Bestimmung

 

(mr) – Am Dienstag wurde der für die wachsende Cotta-Schule dringend benötigte Erweiterungsbau von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und dem Architekten Hannes Schreiner an den Schulleiter der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, Hans-Adolf Frick übergeben. Im Anschluss konnte das Schulgebäude, das ganz nach neuesten Maßnahmen errichtet wurde, von den geladenen Gästen, Investoren, Honoratoren usw. besichtigt werden.

 

Im feierlichen Rahmen, mit Gesangsvorträgen von Schülerin Sonja Kljunic, womit die früheren Investitionen in einen Multimedia-Raum gewürdigt wurden, fand in der Aula der Schule die feierliche Schlüsselübergabe an den Schulleiter statt. Hierzu wurde vom Architekten und Bauherrn des neuen zweistöckigen Holzgebäudes Hannes Schreiner ein symbolischer Schlüssel an OB Schuster und von diesem an den Rektor der Schule Hans-Adolf Frick weitergegeben. Für den OB und Frick war dies gleichermaßen ein höchst dringliches, absolut notwendiges Projekt. „Wir haben schon überlegt, ob wir auf dem Pausenhof ein Zelt aufschlagen sollen“, so Frick. Trotzdem ist der von der Stadt Stuttgart mit 3,3 Millionen und vom Land Baden-Württemberg mir 1,4 Millionen Euro geförderte Erweiterungsbau kein gewöhnliches Projekt. „Insgesamt sind damit“, so Architekt Schreiner , „elf neue Klassenzimmer entstanden, in denen die Schüler auch über fünf EDV-Räume verfügen können, die mit 80 qm für 17 Plätze recht großzügig bemessen sind und so Gruppenarbeiten und besondere Projekte zulassen“. Das Highlight des Erweiterungsbaues ist eine kleine Verlagsbuchhandlung im unteren Stockwerk, die einen speziellen Übungsraum für die Berufschüler, die hier zu Verlagsbuchhändlern ausgebildet werden darstellt. Der Erweiterungsbau ist zudem ein in dieser Form in Deutschland einzigartiges zweistöckiges Holzgebäude. Pro Stockwerk seien, so Schulleiter Frick, exakt 100 000 Nägel verwendet worden. Auch zukünftig will Schuster insgesamt 50 Millionen Euro für die Schulförderung bewilligen, da bedacht werden müsse, dass alleine die Renovierung eines einzigen Klassenzimmers, so dass es wieder einige Jahre halte etwa 100 000 Euro koste und ihm die Ausbildung sehr wichtig ist. Bei einem gemeinsamen Rundgang konnten Schule und neue Räume besichtigt werden und auf einem anschließenden Stehempfang Fragen an Rektor und Architekten gestellt werden.

Die Cotta Schule unterhält ein Wirtschaftsgymnasium, eine Berufschule,  das Berufskolleg Medien, eine Berufsfachschule für Büro und Handel und eine Wirtschaftsschule. Sie bilden Verlagskaufleute, Drogisten, und Werbekaufleute aus. Außerdem unterhält sie als Schule des Sports engen Kontakt mit dem Olympiastützpunkt und dem VfB-Stuttgart. Insgesamt werden auf der Cotta-Schule aktuell 1 160 Schüler unterrichtet.

Was ist eigentlich Gott

12. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Wie kamen wir Menschen eigentlich darauf an einen Gott zu glauben? An Übernatürliches, oder eine höhere Macht die über die Erde als Gesamtes oder uns Menschen bestimmt glaubten seit jeher eigentlich alle Völker. Die Göttersagen oder Geister mit denen die Entstehung der uns bekannten Welt erklärt wird gibt es schließlich in allen Kulturen. Meist schon soweit sich deren Geschichte zurückverfolgen lässt. Die Edda erklärt uns das mindestens genauso plausibel wie der jüdische Pentateuch oder die Geschichte um den himmlischen Handwerker P’an Ku, die sich die Chinesen erzählen. Also könnten wir bei der Entstehung der Götter nahe liegend auf ein menschliches Bedürfnis rückschließen, sich die Entstehung der Umgebung, des Heimatlands letztlich eben der Erde, zu erklären. Die entsprechende Legende wurde dann wohl mit den, denn jeweiligen Völkern zu den Entstehungszeiten der Legende bekannten Mitteln gefertigt. Die uns Menschen eigene hohe Kreativität und der Anspruch etwas Besonderes zu schaffen lies so daraus eine mehr oder weniger komplexe Familiensaga entstehen. Sollte aber Gott selbst mit unseren Vorfahren gesprochen und diese so zur Religiosität quasi genötigt haben, wie die monotheistischen Religionen, hervorgegangen aus dem Judentum, uns das lehren würde diese Frage, wie es zur Religion kam, sich so natürlich nicht stellen lassen. Da aber sämtliche Rassen, Völker und Nationen seit Urzeiten eben doch auf ganz eigene Weise ihre Sorgen und Ängste einer höheren Macht anvertrauen die, obwohl sie einen biblischen Gott nicht kennen, trotzdem tief gläubig sind, muss eine solche Frage nach dem Anfang des Glaubens dennoch erlaubt sein. Schließlich wurde der christliche Glaube den meisten Nationen im Mittelalter im Zuge von Eroberung und Christianisierung letztlich aufgezwungen. Aufgrund dessen er keine echte Basis mit absolutem Wahrheitsanspruch darstellen kann. Soweit die Mythologie zur Entstehung von Gott.
Ist damit Gott aber wirklich die bloße Geschichte, oder mehr eine personifizierte Angst vor derselben? Das Unbekannte. Gott könnte auch der Zufall sein, den es in einer Welt in der das eine, das andere bedingt eigentlich gar nicht geben darf. Ist Glauben wirklich so ein elementares Bedürfnis wie zu Essen, zu Trinken, zu Schlafen oder sich Fortzupflanzen. Gerade heute stellen wir vermehrt fest, dass längst nicht jeder Mensch auf Teufel komm raus glauben will. Wie erklärt sich aber dann dieses Element, dass sich so in unser aller Leben gedrängelt und sich bis zur kultischen Verehrung, einer Sache, der sich bedenkenlos selbst geopfert wird bis heute erhalten hat? Können wir das Ganze wirklich nur unserem Selbstbewusstsein anlasten? Was wäre, wenn unser Selbstbewusstsein die oben beschriebenen Fragen, die nun auch nach und nach beantwortet werden können, gar nicht mehr so ernst nähme? Ist Religion damit letztlich doch endlich?
Ein möglicher Erklärungsansatz für das Bedürfnis der Menschen früherer Zeit an Gott zu glauben und damit den Beginn unserer heutigen Religiosität wäre, wenn wir irgendwann im Laufe der Menschheitsgeschichte damit begonnen hätten Gott als Begriff oder Platzhalter für das Unbekannte zu setzen. Den als Folge davon, dass der Mensch sich selbst bewusst ist, stellt ihm dieses Bewusstsein natürlich ständig Fragen. Mit denen wir – wie bei derselben, was wir im hier eigentlich verloren haben – erst einmal auf eine schwarze Wand stoßen. Die vielen offenen Fragen, die nicht oder wenigstens nicht sofort von uns beantwortet werden können. Die unseren Entdeckerdrang beflügeln und seither Motor dafür sind, dass wir uns und unser Leben beständig fortentwickeln. Sind sie der Auslöser für den Glauben? War es so, dass unsere Vorfahren schließlich der unausgegorenen Frage, einen eigenen Begriff zugeordnet haben. Womit eben alles was nicht nicht verstanden wird göttlicher Natur sein müsse. Wie das auch heute noch der Fall ist. Das diese Dinge heute Stück für Stück revidiert oder erkannt werden und auch ständig eigene Namen erhalten bedingt sich ja durch das Bedürfnis diese Dinge erklären zu wollen. Aber vordergründig als Wunder festgestellt und nicht zu erklären, waren sie erst einmal göttlich.

Zweite Stuttgarter Grenzstein Wanderung

3. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt für die Cannstatter Zeitung

 Stuttgart: Grenzsteinnachbildung enthüllt 

(mr) – Am Samstagmorgen hatte der Schwäbische Heimatbund (SHB) zur zweiten Grenzsteinwanderung eingeladen. Zu diesem Anlass wurde am ehemaligen Grenzstein Nummer eins zwischen den Ortschaften Gablenberg und Gaißburg feierlich ein Grenzsteindenkmal enthüllt.

Aus rotem Killesberg Schilfsandstein gemeißelt steht seit Samstagmorgen der neue, vom schwäbischen Heimatbund gestiftete, „Grenzstein Nummer eins“ wieder auf seinem angestammtem Platz und markiert so die ehemalige Grenzlinie zwischen Gablenberg und Gaisburg. Die Stuttgarter Ortsgruppe des SHB hatte bei Bildhauer Markus Wolf eine Nachbildung des Grenzsteines mit der Nummer eins aus dem damals üblichen Material, dem roten Schilfsandstein in Auftrag gegeben. Der Alte Grenzstein Nummer eins an der Kreuzung Wagenburgstraße/ Klingenstraße war ja gar nicht mehr vorhanden gewesen erzählte, SHB Ortsvorstand Harald Schukraft, der Initiator dieser Grenzsteinwanderung. Seit Gaisburg 1901 eingemeindet wurden war brauchte man diesen Grenzstein ja auch nicht mehr.

444 Grenzsteine markieren insgesamt die Grenzen von Stuttgart. Früher hat es in der Klingenstraße zwei Grenzsteine mit der Nummer eins gegeben, von wo aus die Grenzsteine in südlicher Richtung bis 220 und in nördlicher Richtung bis 224 durchgezählt worden waren. Beide Zählungen trafen im Nesenbbachtal unterhalb von Kaltental wieder aufeinander. Von ihrer Einrichtung im Spätmittelalter bis heute sind diese Grenzen nahezu unverändert geblieben. Benachbarte Grenzsteine müssen in Sichtweite voneinander aufgestellt sein. Zwischen ihnen bildet die Grenze immer eine Linie. Ob deren Verlauf gerade weitergeht oder sich ändert ist an der Kerbe an der Oberseite des Steins abzulesen. So ist es auf der Tafel am gestifteten Grenzstein nachzulesen. Wie noch andere interessante Details zu den Stuttgarter Grenzsteinen.

Dann ging es zur Grenzsteinwanderung. Am Samstag wurde die zweite Hälfte der Route von Gablenberg nach Heslach bewandert. In Herbst letzten Jahres hatte es schon eine erste Wanderung von Heslach nach dem Theater in den Katakomben stattgefunden. Mit der zweiten Wanderung einer etwas 17 Kilometer langen Strecke wird dieser Kreis  geschlossen. Hierzu hatte jeder Wanderer einen detaillierten Streckenplan von Schukraft mit vielen historischen Informationen zu Stuttgart erhalten. Die Route führte durch den Park der Villa Berg über das Mühlenviertel zum Nordbahnhof. Dann über die Weisenhofsiedlung und Killesberg ins Feuerbachtal, wo im Landgasthof „Im schönsten Wiesengrund“ Mittagspause gehalten wurde. Dabei konnte auch eine Miniaturausgabe des Grenzsteins zum um den Hals hängen erworben werden. Über Botnang führte die Strecke weiter zur Gallenklinge, zum Rotwildpark und dem Rudolph Sophien Stift. Gegen 17 Uhr hatte sie ihr Ziel, das Waldheim in Stuttgart-Heslach erreicht. 75 Teilnehmer sind dort auch wohlbehalten angekommen. Nur ein kleiner Teil war schon vorher ausgestiegen, erklärte Wanderführer Schukraft. Der Lerneffekt war auf der Wanderung aber nicht nur auf den interessanten Streckenplan beschränkt. Immer wieder entdeckten die geschärften Augen der Wanderer den einen, oder anderen alten, verrotteten, halb versunkenen, oder längst überwachsenen Grenzstein im Wald, oder am Straßenrand. Der oft nur noch an der oberseitigen Kerbe als ein Solcher zu erkennen war. Teilnehmer, die auch an der ersten Wanderung ab Heslach teilgenommen hatten erhielten eine Urkunde für die Teilnahme an der Grenzsteinwanderung. Schukraft hat zu der Grenzsteinwanderung auch ein Buch geschrieben. Auf die Idee mit den Grenzsteinen habe ihn ein französischer Rentner gebracht, der in seinem Ort sämtliche 450 Grenzsteine abgewandert, geputzt und wieder hergerichtet hatte.

Der schwäbische Heimatbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schönheiten der schwäbischen Natur und Traditionen durch allerlei Veranstaltungen, Vorträge und Wanderungen wieder bekannter zu machen. Die Stuttgarter Ortsgruppe besteht seit 1991.

Grenzenloses Europa – grenzenlose Welt

1. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Europa ist ohne Zweifel ein spannendes Thema, über das sich einmal nachzudenken auf jeden Fall lohnt. Schon alleine darüber, wie ein solches am Besten in unsere bisherige, national geprägte Struktur passt.
Nationales denken mag in einem gewissen Rahmen ganz in Ordnung sein. Das „Uns, oder die Wir-Mentalität“ und damit das Gefühl von einer großen Gemeinschaft Gleichgesinnter hat immer etwas sehr beruhigendes. (auch wenn das auf außen stehende meist verstörend wirkt) Und dieses Gefühl ist auch keiner Kommune, keinem Staat dieser Welt fremd. Am Ende führt der Nationalismus aber immer in eine Sackgasse egal wie wir es anfangen. Denn die eigene Haut ist einem bei aller Liebe zum Vaterland immer noch näher als der doch recht groß gefasste Gesamtbundesstaat mit seinen sehr unterschiedlichen Interessen und Mentalitäten. Wirklich ideal zu überschauen sind für uns nur die aller kleinsten Zellen unserer Gemeinschaft, wie die Familien. Weiter gut lassen sich die Belange einer Straße, oder gerade noch einer Gemeinde überblicken. Dann sollten Gemeinschaftsentscheidungen enden. Denn schon hier gibt es erste Benachteiligte. Sowie alles weitere dem persönlichen Freiraum des Individuums empfindlich schadet. Denn was für Stuttgarts Bürger für dem Moment gut ist, muss es noch lange nicht für Hamburg, oder ganz Südeuropa sein. Es kann leicht sogar ins Gegenteil verkehrt werden, denn in jedem Ort liegen – je Lage oder Entwicklungsstand – die Prioritäten und damit die Lösungen weit auseinander.
In jeder Nation gibt es Starke und Schwache, Fleißige und Faule Mitbürger. Das liegt zunächst einmal in der Natur der Sache und ist lange nicht negativ zu werten. Den letztlich ist es eine reine Definitionsfrage wobei und wie ich mich wo auch immer mit einbringen will. Nationalismus würde Schwachen zwar Schutz bieten, den Starken und Fleißigen in seinem Fortkommen aber eher einschränken. Jede Gemeinschaft fesselt durch ihre Regeln auch aneinander. Der Einzelne kann und soll sein gutes Werk schließlich ausschließlich für sein Deutschland, oder auch sein Portugal tun. Ob das Werk dann in diesen engen Grenzen noch einen Sinn macht oder nicht ist für die Gemeinschaft zweitrangig. Zur Stärkung des eigenen Landes wäre schließlich jeder Handstreich über die Landesgrenzen hinaus tabu. Wir würden den Gegner befördern. Ich als Einzelwesen kann mich im Nationalismus nur zerreiben, denn alternativ die ganze Nation glücklich zu machen gelingt sicher nicht. Größe und Nation in heutiger Zeit sind für das Individuum sowieso eher Unsinn. Die Dimension eines solchen unwirklichen, riesigen Konstrukts für den Einzelnen sind nicht mehr zu überblicken. Für ein ganzes Europa erscheint dieses Modell daher eher absurd.
Würden wir nun aber ein Europa mit ausschließlich separater Stadt- oder Gemeindeverwaltungen entstehen lassen wäre alles schon einmal mit weit geringem Personal- und Kostenaufwand verbunden. Die ganze Verwaltung würde damit zielgerichteter und auch weit effizienter werden als eine komplette Landesvertretung. Aber wenn wir schon damit anfangen unseren Staat umzubauen sollten wir in diesem Gedankenspiel der Gerechtigkeit wegen noch viel weiter gehen.
Den auch eine Gemeindeverwaltung sollte nicht pauschal über zwei oder zwanzig ihrer Einwohner hinweg bestimmen können. Kleinere Projekte, oder Streitfälle sollten zur Klärung wirklich nur von den Betroffenen, den drei Nachbarn, oder dem Straßenzug ausgetragen werden. Natürlich mit Blick auf die Auswirkungen desselben auf Nachbargebiete, um hier das in den meisten Kommunen bekannte St. Florians Prinzip zu verhindern. Sicher sind einige Themen, die bisher von der Landes-, oder Bundesebene bearbeitet wurden, den Kommunen direkt angetragen, zunächst gewöhnungsbedürftig. Und es mag auch in unserem Modell nicht alles an Entscheidungen anstehende auf dieser Basis funktionieren. Deswegen sollte es aber nicht gleich komplett vom Tisch gefegt werden. Über gemeindeübergreifende Themen, die ein Gesamtbeschluss für Europa wirklich notwendig oder sinnvoll machen, können wir uns nötigenfalls sicher kurzfristig verständigen.
Selbst in der Landesverteidigung wäre es so ja weiterhin möglich, dass eine Stuttgarter oder Hamburger Kaserne ihre Soldaten und Gerätschaften mal nach München oder sogar Lissabon verleihen. Würde das Bundesweite Gremium „Verteidigung“ entfallen, wäre die Gefahr eingedämmt, dass einige Verteidigungsminister der Mittelländer nicht mehr wissen mit wem sie Streit anfangen sollen, kaum dass ein vereintes Europa entstanden ist. Die so gerne auf auch noch so hanebüchene Angebote der USA anspringen. Die Nation – wo auch immer, gegen nur im Religions- oder Alkoholwahn, wahrnehmbare Gegner zu verteidigen. Damit wäre sowohl mentalitätsgebundenen Interessen wie auch einem einigen Europa gedient.
Das ist die Lösung die auch die Nation- und Bodenpolitik, die auf das bedingte Wachstum einer Nation ausgelegt ist und damit zwangsläufig zum Krieg oder Konflikt führen muss, beseitigt. Jeder Mensch benötigt ganz nach seinem eigenen Willen etwas zu bewegen unterschiedlich viel Boden, der so immer wieder neu verteilt und erworben werden muss. Auch das Kinder zeugen dürfte so nicht mehr zu einem Problemfall wie heute werden, da diese ja, wenn ihnen eine Stadt zu eng wird ohne weiteres in eine andere umsiedeln können.
Auch unsere in letzter Zeit arg strapazierte Demokratie könnte so wieder entkrampft werden und zielgerichteter agieren. Denn leider sind wir mittlerweile derart demokratisch, dass ein Ergebnis, oder die eigentlich angestrebte Lösung eines Problems, oft weit hinter dem demokratischen Prozess, dem Ausdiskutieren zurücksteht.
Die Diskussion steht im Vordergrund. Jedes Mitglied eines riesigen Gremiums hat sein Mitspracherecht. Und auf unser verbrieftes Recht pochen wir „zurecht“ nun einmal. Ganz gleich ob wir als Gremianten überhaupt Ahnung oder Interesse am jeweiligen Thema haben. Je banaler das Thema, desto intensiver kann es schließlich ausdiskutiert werden. Das Ergebnis, worauf der Antragsteller oder Wähler sehnlichst wartet kann so schon einmal, der spannenden Diskussion wegen, unter den Teppich gekehrt, zerredet, ins Gegenteil verkehrt, oder auch völlig aus den Augen verloren und vergessen werden. Das würde mit einem kleineren Gremium nicht so passieren, da dieses näher am Bürger und somit direkter in der Verantwortung steht.
Bei einem gemeinschaftlich geführten Europa wäre für Einzelinteressen überhaupt kein Platz mehr. Aus Sicht der für Gesamteuropa gewählten, verantwortlichen Gremianten wäre hierfür schon gar keine Zeit mehr vorhanden.Europa ist damit nicht nur ein politisches, sondern auch vor allem ein gesellschaftliches Problem. In der Tat mit unserem heutigen Verständnis für Demokratie, deren Regierungsstruktur eher an das klassische Schneeballsystem erinnert, nicht zu lösen. Ein funktionierendes Europa wird auf Dauer nur ohne jede Beschränkung möglich sein. In so fern wäre ein grenzenloses Europa zu befürworten, aber nur wenn es rein kommunal nicht regiert, sondern lediglich verwaltet wird.

Wo bin ich?

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