Reality-TV – Langeweile ist doch bildlich darstellbar

18. Januar 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Das Fernsehen zählt definitiv zu einem der größten gesellschaftlichen Phänomene unserer Zeit. Auf der Suche nach immer neueren Herausforderungen mit dem Ziel möglichst viele Zuschauer vor die Bildschirme zu locken haben Talkshows, Quizsendungen und zuletzt auch Reality-TV-Shows die Sendeplätze erobert und den guten, alten Spielfilm nahezu verdrängt.

Einen nächsten Schritt in Richtung der Reality-Unterhaltung wagt jetzt der mittlerweile der Pornonische entwachsene, Privatsender „Radio und Television Luxemburg“ (RTL) mit seinem neusten Sendeformat. Der Titel: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“. Der knappe Inhalt der Show: Zehn Kandidaten – wie Ex-TV-Wetterfee Antonia Langsdorf, Ex-Hochsprungweltrekordler Carlo Thränhardt (2,43m), Sat1 Klatsch-Journalistin Caroline Beil, Alt-Schlagerstar Costa Cordalis, Daniel Küblböck jüngstes Produkt der Reality-TV-Welle, Schauspielersohn Dustin Semmelrogge, die bayrische Mundartkabarettistin Lisa Fitz, Becker-Ex Mariella Ahrens, Ex-ARD-Nachrichtensprecherin Susan Stahnke und Werner Böhm auch als Erfinder der Polonaise oder Gottfried Wendehals bekannt – bilden die Vorhut. Kurz abgelegte Mediengrößen, die sich dazu bereit erklärt haben 14 Tage mitten in der Wildnis, fernab jeder Zivilisation, im australischen Busch zu verbringen. Geleitet wird das Spiel von Trash-Moderatorin Sonja Zietlow und RTL-TV-Hobbit Dirk Bach. Wer hier die absolute Härte eines Dschungelcamps, mit allen Tücken Nehbergscher Überlebenslehren erwartet hat, aus dem die Akteure verzweifelt, psychisch wie physisch am Ende einer nach dem anderen aussteigen liegt falsch. Das Camp, wird dem Zuschauer auf den ersten Blick klar, ist eine zehn Quadratmeter große, aufwendig präpariere Kunstwelt, wie sie in jedem deutschen Vorgarten aufgebaut werden könnte. Eine „Big-Brother-Kommune“ mitten im australischen Outback. Am ehesten entspricht dieses Camp noch der Pseudowelt einer kindergeburtstäglichen Schnitzeljagd. Die Moderatoren kommentieren von hohen Beleuchterbrücken aus, die über den Bäumen die verschiedenen Spielstationen miteinander vernetzen das Buschgeschehen. Denn in der Show geht es nicht nur darum die zehn Akteure im Busch bei der Bewältigung ihres Alltags zu beobachten, sondern vielmehr diese für das sensationsgierige Publikum mit verschiedensten möglichst tierisch, ekligen Mutproben ordentlich zu quälen. Im Spiel darf dann ein Costa Cordalis Schlangen in der Gegend herumtragen und von einer Plastikbox in eine andere legen. Der nächste über eine Hängebrücke spazieren, oder wird in eine Acrylglasbox mit Kakerlaken gelegt und ähnliches. Wobei diese „Dschungelprüfungen“ mit dem Dschungel selbst eigentlich kaum zu tun haben. Sie erinnern mehr an „Wahrheit, oder Pflicht“ im Busch. Wer der Glückliche für diese „Dschungelprüfungen“ aus der Gruppe wird, bestimmt der Zuschauer per Telefonanruf. Natürlich wählen die Zuschauer dafür immer wieder Daniel. Den kauzigen, bayrischen Superstar ohne Nerven und Schamgefühl. Mit dem Erfüllen von solchen Aufgaben verdient sich die ganze Gruppe ihr Essen. Tote Hühner, die noch gerupft werden müssen, oder Reis und ähnliches. „Schließlich ist man ja im Dschungel“ Selbst zu jagen, oder sich gar für einen kleinen Ausflug vom Platz, auf den zum Schlafen ein paar Feldbetten stehen wegzubewegen, was eigentlich von einem Dschungelcamp erwartet werden könnte, ist nicht erlaubt. Einerseits wohl, weil die wenigen, RTL von der australischen Kurverwaltung zur Verfügung gestellten Tiere, noch zum Verschrecken der Gruppe in weiteren „Dschungelprüfungen“ gebraucht werden, andererseits sicher, weil es so viele Kameras auf dem Areal nun doch nicht gibt. Auf die Einhaltung dieser meist sinnfreien Dschungelregeln wird wiederum vom Moderatorenduo peinlichst geachtet. Alles zur persönlichen Sicherheit natürlich. Dr. Bob, ein kerniger Australier erläutert kurz vor dem Einsatz den Kandidaten der „Dschungelprüfung“ die Tücken der einzelnen Aufgaben und das Moderatorenpaar wartet gelangweilt darauf, dass die Buschbewohner irgend eine Regung zeigen, die sich zu kommentieren lohnt oder vor Langeweile einfach wieder nach Hause gehen, wie Dustin Semmelrogge am zweiten Tag. Ein weiterer Index für den Unterhaltungswert der Show ist, dass die beiden Moderatoren mit ihren Analysen oft bis zu dreimal so lange gezeigt werden als die eigentlichen Kandidaten. Sie haben sich auch weit mehr zu erzählen, wenn sie über den Köpfen der anderen mit ihrer grandiosen Unkenntnis des australischen Dschungels den Zuschauer quälen. Die beiden brauchen die Dschungelkandidaten unter ihnen für ihre Sendung eigentlich nicht. Für die Zuschauer am Bildschirm bietet diese ja so nichts allzu spektakuläres. Die Gruppe sitzt da, schläft, diskutiert, badet und langweilt. Hin und wieder Anflüge gekünstelt wirkender Dschungelhysterie. Vermutlich nach Drehbuch. Den dass Werner Böhm hier Geister sieht, oder ein Daniel permanent grundlos Flennattacken bekommt ist mehr als zweifelhaft. Aber wenigstens unterhaltsam. Hat RTL eigentlich schon einmal angefragt, ob sie eine Kamera in einem richtigen Knast installieren dürfen? Wäre sicher auch ein paar Marktanteile wert. Wir werden dieses Unterhaltungsunikum weiter beobachten. Abschleißend bleibt hier aber noch eine Frage an RTL offen. Haben wir dafür kistenweise Krombacher gesoffen? War das Jauchs „Rettet den Regenwald“ Projekt? Eine Kiste Krombacher für einen Quadratmeter Busch-WG? Um diese zur Schau Stellung der Langweile zu finanzieren. Na, dann Prost!

Batgirl gegen die Prinzengarde

6. Januar 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Die Mode hat vielerlei Facetten. Ebenso richtet sie sich an zahlreichen Ereignissen aus, aus welchen sie dann einen bestimmten Trend zu kreieren versucht. So lassen sich  Künstler und namhafte Modeschöpfer auch immer wieder neu von allen möglichen Dingen, meist völlig unsinnigen, ihrer Umwelt inspirieren.

Das sind dann für den einen dieser meist etwas tuntig wirkenden Kreativen die Olivenbäume Südspaniens oder die holländische Tulpenzwiebel. Der anderen Designgröße hat es der schlichte Teebeutel als Inspiration für die Herbsttrends 2004 angetan. Deratiges beschert dem Kunden dann eine Saison in der es Pflicht ist, sich in allen Kleidungsstücken nach einem Torero auszurichten, einem Koch, Skispringer oder Soldaten um „en vogue“ zu sein. Wie auch immer, letztlich schaffen sie es doch immer, dass zwischen dem was die Modells in Mailand über den Laufsteg tragen und dem was schlussendlich über die Ladentische geht wieder die kleidsame Vernunft einkehrt. Ein besonders kreativer Ableger der Modebranche unserer Zeit ist die Erotiksparte. Längst sind sie dort über die schockierenden Niederungen von cremefarbenen Feinripp hinausgewachsen und haben Form und die Farbe entdeckt. Roter und blauer Spitze folgen schwarzes Leder, Gummi und Plastik. Als wären die vergessenen Marvelcomics der 60er in die Sexshops der 90er und des 21. Jahrhunderts umgezogen finden sich dort Fantasieuniformen aller Art, in den schon bei Kindern im Luftballonalter beliebten, glänzenden Materialien. Vom klassischen Textil scheint sich die Erotikbranche schon lange verabschiedet zu haben. Ein Trend, der sich plötzlich wieder zu wandeln beginnt. Wo zu Zeiten von Harry Potter und Herr der Ringe die Fantasiesparte einen regelrechten Boom erlebt hat die Alufoliewelt der Science-fiction ausgedient. Nun wird es plötzlich wieder schick sich als Hexe, Zauberer, Zwerg oder Monster verkleidet in die Betten zu werfen. Dort fechten dann der Zauberer von Os mit Wundergirl und Arielle die Meerjungfrau gegen Batman und Großinquisitor Tomas de  Torquemada ihren einsamen Kampf aus. Was den Kindern ihr Buch, Video,- oder Computerspiel ist, tragen die größeren Kinder ins Schlafzimmer. Kann mit Sesamkoller tatsächlich so viel Geld gemacht werden? Tatsächlich finden sich in den Schaufenstern der Erotikmodegeschäfte das Fantasie Batgirl, neben der vermummten Lederhexe. Die konventionellen Modemacher bestätigen das und versuchen diesen Trend schleunigst zu bedienen. Die Fantasiehungrige Erwachsenenwelt schreckt vor nichts mehr zurück. Wir dürfen auf die nächsten Einfälle unserer Modebranche also um so mehr gespannt sein. Was wird uns noch erwarten? Den schwarzen Lederjogginganzug für Homosexuelle Rheinländer? Was aber wird dann aus unserer guten alten Fasnachtstradition? Den drei, vier Tagen im Jahr, in denen wir mal so richtig anders sein können? Gibt es diesen Trend dann bald umgekehrt? Drei vier Tage im Jahr mit Anzugpflicht für alle Bürger?

Flugzeugabsturz bei Scharm el Scheich (2A/3B)

1. Januar 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Hintergrund: Kurz nach ihrem Start vom ägyptischen Urlaubsort Scharm el Scheich stürzt die Chartermaschine der Flash-Airlines eine Boeing 737 die sich auf dem Weg nach Kairo befindet ins Rote Meer. Die Maschine war wenige Minuten nach dem Start vom Radar verschwunden und vermutlich überladen. Flash-Airlines hat in Ländern wie der Schweiz Landeverbot wegen gravierender technischer Mängel.

Ergebnis: Das Wrack der Maschine wurde zwölf Kilometer vor Scharm el Scheich gefunden. Alle135 der Passagiere, allesamt französische Urlauber und die 13 Besatzungsmitglieder aus Ägypten und Marokko sterben bei dem Absturz.

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