Istanbul – Stadt der Moscheen und Katzen GUV-Reise Tag fünf

28. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt/Antonino Zambito

Fünfter Tag: Freitag, der 28. November 2003
Der Topkapi Serail und alles über Teppiche
Der große Sultanspalast, der in unzähligen Märchen und Liedern beschriebene Serail ist ein 70 ha großes Areal, dem etwa 20 osmanische Regenten nach und nach ihren Stempel aufgedrückt haben. Bis die moderneren Sultane des 18. Jahrhunderts sich außerhalb in ruhigeren Regionen ihre eigenen Paläste bauen ließen. Wir selbst haben kurz vorher noch einen kleinen Basar ausgemacht und sind daher schon wieder ordentlich beladen, als wir an den Palastwachen vorbei in den Palast eintreten.
Für Harem und Schatzkammer müssen extra Eintritt bezahlt werden.
Heute ist das Topkapi eines der reichsten Museen überhaupt. Mit der wohl prächtigsten Sammlung an Architektur und Accessoires. Wir bewundern die prächtigen Kaftane und Uniformen, wie auch die raffiniert gefertigten Waffen.
Den Fußabdruck des Propheten sowie zwei seiner Sandalen und einiges mehr aus seinem Besitz. Während jemand laut aus dem Koran rezitiert.
Als nächstes haben wir das Kaligraphie- und das Teppichmuseum auf dem Programm. Vor dem Teppichmuseum fängt uns einer der Händler ab und geht uns nicht mehr von den Fersen. Unbedingt will er uns von der türkischen Gastfreundschaft überzeugen. Das er dies am Besten täte, wenn er irgend wen anders damit nervt, auf diesem Ohr ist er leider taub. Den uns sind die türkischen Freundlichkeiten mittlerweile ein bisschen zu teuer geworden. Da aber das Teppichmuseum heute geschlossen hat und er ganz zufällig Geschäfte mit alten Teppichen macht lädt er uns ein. Wir lassen uns davon überzeugen, dass wir wirklich nichts kaufen müssen. Wobei die Frage, ob wir ihnen dann irgend eine Kleinigkeit aus unserem Geldbeutel schenken müssten noch nicht geklärt ist. Doch auch in Istanbul hat ein Tourist manchmal Glück. Wir werden von einem freundlichen Einheimischen empfangen, der sehr gut deutsch spricht. Der Inhaber des Onur Carpet und Kilim Store in der Mimar Mehmet Aga Caddessi 13 im Stadtteil Sultanahmet.
Wie die meisten der hiesigen Halsabschneider ist auch er in Deutschland aufgewachsen. Er erklärt uns bei einem Tässchen Tee, dass Teppichknüpfen eine Kunst ist, in der Familie von Generation zu Generation weitervererbt, allmählich aber vom Aussterben bedroht ist. Für ihn hat ein Teppich die gleiche Bedeutung wie ein Bild von Van Gogh, oder Chagall, erklärt er. Jedes Dorf habe als Erkennungsmerkmal ihr ganz eigenes Muster und ihre Farben. Er erklärt ein paar klassische Teppichmotive. Fünf Streifen für die fünf Gebetszeiten. Eine Art Fabeltier bestehend aus Krallen, Flügeln usw. Teppiche können oft richtige Geschichten erzählen, wenn man sie zu lesen versteht. Teppiche gibt es in unterschiedlichsten Preisklassen. Der Kelim, oder Webteppich ist der Günstigste, da für ihn die Arbeitszeit am geringsten ist. Selbiger ist auch sehr leicht maschinell anzufertigen. Der geknüpfte Teppich ist das eigentliche Kunstwerk. Je nach Materialstärke variiert die Anzahl der Knoten eines solchen Teppichs. Wobei auch hier noch zwischen dem einfachen Maschinenknoten und dem doppelten, Hand gearbeiteten Knoten unterschieden wird. 3 000 Knoten schafft die geübte Teppichknüpferin pro Tag. Da beginnt man dann zu verstehen, dass man mit dem einfachen Seidenteppich mit seinen mehreren Millionen Knoten schon ein Lebenswerk in den Händen hält. Und so ein Teppich ist dann eine richtige Kapitalanlage. Wir bedanken uns für den Kursus in Sachen Teppich, der uns großen Spaß gemacht hat und auch für den Tee und sehen zu, dass wir zu unserem nächsten Ziel kommen. Wir wissen nun, worauf es beim Teppich ankommt, und was einer wirklich wert ist. Den unter 200 Euro hat er nichts für uns in seinem Laden. Leider hat auch das Kaligraphiemuseum neben der Universität geschlossen. Umsonst angelegt waren also auch die zwei Euro für die türkischen Kinder, die uns den Weg dorthin zeigen wollten. Sie haben uns zwar in die falsche Richtung geschickt und wollten dreist für ihre Auskunft auch mindestens jeder zwei oder mehr Euro haben, aber was zuviel ist, ist zuviel.

Der Basar das Packen und Karaköy
Wir lassen uns einen Lahmacun (Pfannkuchen mit Kräutern und Hackfleischsoße) geben, etwas das man selbst uns Touristen für unter einer Million verkauft und gehen weiter zum Basar. Dieser riesige Einkaufstempel, ja ein großer Teil des Basars befindet sich tatsächlich in einem säulengestützten großen Komplex, macht sehr großen Spaß. Fast niemand ist da der uns seine Waren aufdrängt, und es herrscht auch kaum Gedränge in den vielen Verkaufsstraßen. Es ist ja auch erst früher Nachmittag. Wir steigen bei dem Bücherbasar, der doch heftig besucht ist ein und sehen uns die Kaligraphien an. Worte auf arabisch werden hier zu Giraffen, Schiffen, Kamelen Schwertern und Pistolen. Dann im Markt suchen wir Kissen, große Kissen. Bei einem Händler wieder einem dieser Ex-Deutschen aus Wangen im Allgäu in Cem´s Gift Shop, trinken wir Tee und haben bei Verkaufsgesprächen großen Spaß. Die Händler auf dem Basar scheinen hier wirklich alle Zeit der Welt zu haben. Für die Kissensuche schleppt man schließlich den halben Basar für uns zusammen. Auch wieder bei einem gemütlichen Tässchen Tee dürfen wir im Pirlanta Nomadart dann auswählen. Und hier auf dem Basar höre ich dann auch das erste mal einen Satz, den ich seit Istanbul keinem Türken mehr zugetraut hätte. Zwei Degen, in der Auslage eines Schaufensters sind tatsächlich nicht zu verkaufen. „Sorry, nur zur Dekoration“. Danach essen wir in einem Restaurant gegenüber der Sultanahmet. Mit all unseren Einkäufen. Nach dem Abladen und einer kleinen Pause machen wir uns am Abend noch einmal auf nach Karaköy. Tatsächlich ist dieser Stadtteil auf der anderen Seite des Bosporus wie ausgestorben. Nur in den Wasserpfeifenbars herrscht das pure türkische Leben. Am anderen Morgen geht es schon um fünf Uhr früh wieder zurück nach Deutschland.
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Istanbul – Stadt der Moscheen und Katzen GUV-Reise Tag vier

27. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt/Antonino Zambito

Vierter Tag: Donnerstag, der 27. November 2003
Zur Chorakirche

Auf dem Weg zur Chorakirche, die „Kirche in den Feldern“ bedeutet, der zweiten byzantinischen, also christlich orthodoxen  Kirche Istanbuls, in der an den Wänden mit Fresken und Mosaiken die ganze Bibel abgebildet sein soll, stellen wir wieder einmal fest, dass zwischen unseren Stadtplänen und Istanbuls momentaner Realität Welten liegen. Nicht einmal die Metrohaltestellen scheinen mit unserem Stadtführer überein zu stimmen. Unterwegs die Stadtmauer entlang ein Rasenstreifen mit Müll und Dreck.
Zigeunerspuren. Sie hausen hier an der Stadtmauer, bauen ihr Gemüse an und bringen ganz nebenbei auch die besten Bauchtänzerinnen des Landes hervor, so hatte es uns unser Reiseleiter erklärt. Tatsächlich gibt es hier noch zerlumptere Gestalten als in dem Viertel um unser Hotel herum. Zwischen all dem Müll, streunenden Hunden und Katzen liegt ein totes Pferd.
In der Chora Kirche dann scheint wirklich die ganze Bibel an den Wänden verewigt worden zu sein. Wie ein überdimensionaler Comic zieren Mosaiken und Fresken mit winzigen Mosaiksteinchen nahezu jeden Quadratzentimeter von Wänden, Deckengewölbe und Fußboden mit allen möglichen, bekannten Bibelszenen. Vornehmlich aber welche aus dem neuen Testament. Die zwölf Apostel bei ihren verschiedenen Tätigkeiten, römische Soldaten und immer wieder Jesus. Jesus beim Segnen, Jesu beim Heilen, beim Zähneputzen, Kaffeekochen usw. Dabei ist die Kirche selbst eigentlich nicht einmal besonders groß. Ein Raum, Außenflur und Innenflur, doch allesamt über und über bemalt oder mit Mosaiken bestückt bis in die höchsten, unzugänglichsten Erker hinein. Hier treffen wir den Erzbischof von Tiflis (Georgien). Wir dürfen ein Foto von ihm machen. Er ist auf Bildungsreise hier. Auch in der Chora gibt es den unvermeidlichen Souvenirshop in dem kleine Ikonen nach den größeren Wandbildern gekauft werden können. Einen riesigen Souvenirshop finden wir auch draußen, als wir das Gebäude für Außenaufnahmen in Augenschein nehmen.
Das Fettah Cini in der Kariye amii Sokak 19 im Stadtteil Edirnekapi. Es gibt dort neben Ikonen aber auch allerhand Kunsthandwerk aus Glas und Porzellan zu bestaunen. Wie auch Unmengen Schmuck. Wir kaufen hier eine Wunderlampe, handbemalte Tassen und Teller und Meerschaumpfeifen.

Die Süleymaniye Moschee und der Istanbulfisch
Wir fahren dann erst einmal zum Abladen unserer Souvenirs wieder ins Hotel zurück. In einer jetzt brechend vollen Metro. Unser nächstes Ziel für heute ist die Süleymaniye Moschee.
Unterwegs treffen wir auf dem Basar bei der neuen Moschee am Eminönüplatz auch unsere Hotel-Lobbyisten. Die anderen aus unserer nicht mit dem Zusatzpaket reisenden Gruppe, die eigentlich permanent in der Lobby sitzen, wenn wir aus und ein gehen. Sie sitzen eigentlich nur da quatschen und trinken ein Pils nach dem anderen. Es mache sie hier alles so fertig, sagen sie. Aber auf unser gutes zureden am gestrigen Abend haben sie sich wohl doch einmal vor die Hoteltüre getraut.
Die Süleymaniye Moschee ist noch größer, auch farbenprächtiger und nicht so überladen wie die Sultan Ahmed. Sie wurde schließlich von Suleyman dem Prächtigen erbaut, der es immerhin fertigbrachte, dass der sagenhaft reiche Osmanenstaat zum Ende seiner Regierungszeit das erste mal völlig pleite war.
Auch bis wir den Eingang zu dieser Moschee gefunden hatten hatte es wieder einige Zeit gedauert. Aber wir waren ja im Urlaub und mussten uns nicht hetzen. Außerdem waren die Straßen überfüllt mit einkaufenden Menschenmassen.
Wer Wochenmärkte in Südeuropa kennt oder die Weihnachtsmärkte in Deutschland muss den Besucherandrang lediglich verdoppeln, dann hat er eine vage Vorstellung vom hiesigen Treiben. Dennoch kommt man zügig voran. Dann gehen wir nach Eminönü hinunter, zum Bosporus, um auch einmal den Istanbulfisch essen. Vor den Restaurants stehen sie und Angeln was das Zeug hält. In eines der Lokale werden wir schließlich regelrecht hineingezogen. Und begehen hier den folgenschweren Fehler nicht auf die Preise zu sehen. Wir sollten uns draußen in der Schaufensterauslage einen Fisch auszusuchen. Die Speisekarte verschwand dann auch auf mysteriöse Weise. Unser Seebarsch mit Bier und Salat kostet uns schließlich insgesamt 42 Euro. Eine Geschmacksbombe ist er nicht. Das was das istanbul an diesem Fisch ausmacht ist wohl nur der wie hier überall für Touristen völlig überzogene Preis. Den Abend beschließen wir in Ruhe mit Whisky, Keksen, Lokum usw. zu verbringen. Dabei lernen wir, wie schwer es ist in der Türkei an Alkohol zu kommen. Alle Läden verkaufen offenbar nur so wie es dem Prophet gefällt. Um ein paar Ecken und Hinweise später haben wir unseren Whisky dann aber doch und das zu einem eigentlich annehmbaren Preis.

Istanbul – Stadt der Moscheen und Katzen GUV-Reise Tag drei

26. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt/Antonino Zambito

Dritter Tag: Mittwoch, der 26. November 2003
Mit der Fähre auf dem Bosporus
Heute gehen wir den letzten offiziellen und geführten Programmpunkt auf unserer Reise an. Eine Bootsfahrt auf dem Bosporus. Danach werden wir, als die Gruppe ohne Zusatzpaket, offiziell in Ruhe gelassen um Istanbul auf eigene Faust entdecken zu können. Was an sich kein Problem ist, den mittlerweile kennen wir durch unser wiederholtes, abendlich, sinnloses Umherirren Istanbul doch schon erstaunlich gut. Auch heute wird unsere Gruppe wieder zweigeteilt. Die anderen bekommen laut Programm ein Privatboot. Wir fahren mit der normalen Passagierfähre und erleben so die echte Atmosphäre Istanbuls. Voller enthusiastischer Touristen, lustig abgedreht, tanzenden Japanerinnen und gelangweilten Einheimischen. Unser Bus bringt uns zur Schiffsanlegestelle im Stadtteil Eminönü. Am Hafen das pure Leben. Je näher wir durch verschiedenste Basare, vorbei am den geschäftigen Menschenmassen drängend dem Bosporus kommen, um so dichter werden die Trauben durcheinanderdrängelnder Personen. An der Meile der Fischrestaurants vorbei kommen wir zur Anlegestelle. Wir besteigen einen riesigen, alten Kahn, an dem die Holzplanken des Schiffsbodens größtenteils verfault und die Geländer durchgerostet sind. Ein Abstützen könnte hier schon zur Folge haben, dass man bis zur nächsten Anlegestelle hinterher schwimmen muss. An Bord werden wir mit dem typisch, orientalischen Lächeln mit einem Glas Orangensaft begrüßt. Uns kommt das allmählich schon ein wenig scheinheilig vor. Oder sind das nur unsere erlebten Enttäuschungen, die mit der anschließenden Rechnung folgten, sobald uns in Istanbul von den Einheimischen irgend etwas angeboten oder „geschenkt“ wurde. Keine Frage, dass für den eben noch als Begrüßungsgeschenk vorgestellten Orangensaft und Tee spätestens nach einer halben Stunde irgendwer zum kassieren dasteht. Auch wenn man mir meinen Tee mit dem Argument ich sei eingeladen und müsse nun unbedingt mittrinken um den Schiffskellner nicht zu beleidigen eigentlich regelrecht aufgenötigt hatte. Das Gläschen kostet trotzdem stolze vier Euro. Ich sehe mir das Ablegemanöver des Schiffes vom Heck aus an und beobachte durch den Herbstnebel den vorbeiziehenden Küstenstreifen. Auch Fischer und Angler sind um diese Zeit mit ihren Booten auf dem Bosporus unterwegs. Auf dem Schiff fällt mir dabei zum ersten Mal auf, aus welchen unterschiedlichen Nationen die Türken sich zusammensetzen. Hellhäutige Russen und Slawen. Mongolen mit ihren von der Sonne verbrannten immer etwas runzelig wirkenden Gesichtern. Grobe Züge, fein geschnittene arabische Gesichter. Hier scheint nahezu jede Rasse ein Stück weit vertreten zu sein. Wir sehen die im traditionellen Baustil Istanbuls erbauten weißen Holzhäuser auf Pfählen, die auf den Bosporus hinaus im Untergeschoss meist sogar eine Bootsgarage haben. Wir sehen die andere Europäische Seite Istanbuls und auch die Asiatische weiter hinten. Dann legen wir an. Und lernen dann auch eine ganz andere Seite Istanbuls kennen. Hier im asiatischen Teil der Stadt ist es sauber. Es gibt Parks, kleine Wälder und schön angelegte Passagen. Wir unternehmen einen kleinen Küstenspaziergang. Schon wartet an der Straße wieder unser Bus auf uns. Der uns nun auf eine kleine Stadtrundfahrt durch Istanbul mitnimmt. Tatsächlich, einige Ecken haben selbst wir noch nicht gesehen. Beim Weiterfahren kommen wir an der gesprengten englischen Bank vorbei. Das Viertel in dem sie steht ist Stuttgart oder auch Frankfurt nicht unähnlich. Eine Bankfiliale, ein klotziges Hochhaus neben dem anderen. Umgeben jeweils von einem großzügigen Rasenstück. Ein bisschen wie die Stuttgarter Heilbronnerstraße, denke ich. Ein sehr teures, sehr gepflegtes Stück Istanbul.
Das Bankgebäude direkt an der Hauptverkehrsstraße ist ziemlich ramponiert. Auch die Gebäudefassaden darum herum sind ordentlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie eine Höhle klafft im unteren Mittelteil des Gebäudes ein riesiges Loch und große Teile der Fassade und deren Verkleidungen fehlen.

Märkte und das andere Gesicht Istanbuls
Weiter geht es, vorbei an protzigen Villen und Palästen, der letzten Residenz des letzten Sultans, den man mit seiner Familie nach einem Urlaub 1922 nicht wieder einreisen gelassen hatte.
Wir sind zu einer Ledermodenschau eingeladen. Diese hat unser Reiseleiter für uns organisiert.
Auch hier sollen wir wieder ordentlich einkaufen. Nur kosten die schöneren Stücke alle gut über 400 Euro. Trotz der versprochenen 40 Prozent Rabatt für uns. Kein Problem sei das. Eine Anzahlung genügt. Heißt es. Man vertraut uns. Würde sogar ins Hotel mitkommen um das Geld abzuholen. Nur, auch dort haben wir nicht so viel. Man hat uns auch darüber aufgeklärt, dass die Reiseveranstalter Unsummen von diversen Firmen bezahlt bekommen, wenn sie die Touristen an ihren Fabriken oder Firmen vorbeischleusen. Wohl ein Grund, warum die GUV Reisen so günstig angeboten werden können.
Danach verabschieden wir unseren Reiseführer. Keiner aus unserer Gruppe scheint mehr ein Interesse an weiteren Führungen zu haben. Zu groß ist wohl die Angst auch hier wieder zu ungeplanten Ausgaben genötigt zu werden. Was den Reiseführer ein wenig frustriert. Nachmittags besuchen wir dann wieder alleine die Hagia Sofia „Heilige Weisheit“ genannt. Die größte byzantinische Kirche überhaupt. Die durch mehrere Erdbeben zerstört und immer wieder neu aufgebaut wurde. Deren freitragende Kuppel gehört zu den sieben Weltwundern, da sie in dieser Größe noch niemand nachzubauen gelungen ist. Und das seit mehreren Hundert Jahren. Sonst ist der Innenraum recht duster und seine 10 Euro Eintrittsgeld mit den paar wieder unter dem Gips der Muselmanischen Zeit freigelegten Ikonenbildern eigentlich nicht wirklich wert. Sehr viel Marmor und sehr viele leere Bilderrahmen. Leider dürfen wir für unsere Aufnahmen nicht einmal ein Stativ benutzen. Aber dafür, kann man sich im Souvenir-Shop Bildbände, Postkarten und Poster der halben und zerkratzten Ikonen kaufen. Abends schlendern wir über den geschlossenen Basar und genießen die ungewohnte Ruhe in dieser sonst völlig überladenen Stadt. Wir beschließen den Tag wieder im Akdeniz und bestellen gebackene Makrele und Huhn.

Istanbul – Stadt der Moscheen und Katzen GUV-Reise vom 24. bis 29. November 2003

25. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

 Von Marco Rettstatt/Antonino Zambito
Zweiter Tag: Dienstag, der 25. November 2003
Die zwei Klassen Gesellschaft
Gegen ein Uhr früh klingelt das Zimmertelefon. Der Weckaufruf zum Nachtgebet, wie wir am Morgen von unserem Reiseführer Ibrahim erfahren. Der gläubige Moslem verrichtet 17 Pflichtgebete am Tag. Diese teilt er sich in fünf Gebetszeiten ein.
Die Erste ist, wenn die Sonne aufgeht, die Nächste wenn die Sonne am höchsten steht. Eine weitere am Nachmittag. Dann zum Sonnenuntergang und auch noch einmal, wenn die Nacht am dunkelsten ist, so dass man einen hellen Faden nicht mehr von einem dunklen unterscheiden kann. Die Zeit eben, wenn der Hotelweckdienst die Gläubigen um ein Uhr Morgens noch einmal aus dem Bett klingelt.
Wir stehen gegen acht Uhr auf, denn unser Tagesprogramm beginnt um neun Uhr. Das Frühstück unseres „Paul Anka Gedächtnis Hotels“ ist tatsächlich ziemlich reichhaltig. Brot verschiedenster Sorten, Obst und Gemüse, Käse aller Art, Milch, Kaffee, Tee, Wasser, Saft, Joghurt, Marmelade. Zwar nicht immer das Beste, aber immerhin – es ist da. Überhaupt ist der Hotelservice in allen Belangen sehr zufriedenstellend. Das Personal nimmt sich sogar die Zeit uns am Abend noch die Wege zu den verschiedensten Restaurants in den Stadtplan einzuzeichnen. Ein vier Sterne Hotel, dass diesen Namen endlich auch einmal verdient. Heute ist unser erster offizieller Tag in Istanbul. Tatsächlich teilt man um neun Uhr unsere GUV-Gruppe in zwei Klassen ein. Die welche das Zusatzpaket gebucht haben und wir, die ohne Paket, bekommen einen extra Bus mit extra Reiseführer. Auch wenn die Programmpunkte der ersten beiden Tage eigentlich gleich sind. Wir, eigentlich komplett die jüngeren aus der Reisegruppe, einschließlich einem älteren Pärchen, die wie sie sagen schon einmal in Istanbul waren haben Reiseleiter Ibrahim, einen gemütlichen Türken, der in Donaueschingen aufgewachsen ist und hier frei für mehrere Agenturen als Reiseleiter arbeitet.
Istanbuls Geschichte und das Tourismusgeschäft
Als erstes führt Ibrahim uns zum Hypodromplatz. Wie wir erfahren ist dieser Platz auch in etwa der zeitgeschichtliche Beginn Istanbuls. Damals Konstantinopel und Hauptstadt des oströmischen Reiches. Der Platz entstand 64 nach Christi und war die Arena, ein Stadion, dass damals schon 100 000 Menschen Platz bot um Wagenrennen, andere Spiele und Triumphzüge zu bestaunen. Aus allen Reichsteilen wurden die prächtigsten Kunstschätze hier her gebracht. So auch die drei Säulen. Ein ägyptischer Obelisk von 22 Metern Höhe. Die Schlangensäule, ein Bronzewerk aus den eingeschmolzenen Waffen griechischer Feinde stand einst vor dem Apollo Tempel von Delphi und der Kalkquader Säule Konstantins VII. Porphyrogenetos. Bei der Schlangensäule, wie auch bei der anderen fehlen mittlerweile einige Teile. Weiter vorne der Wilhelmsbrunnen aus neuerer Zeit, der dem deutschen Kaiser Wilhelm für sein Engagement beim Bau der Eisenbahn gewidmet ist. Auf dem Platz werden wir intensiv von jugendlichen Postkartenverkäufern bedrängt. „Geschenk“, heißt es dann geschickt als wir ablehnen. Allerdings Ein Geschenk im Tausch gegen einen Euro. Am Besten aber einem Schein. Sie geben auch raus, sagen sie „Ganz gastfreundlich, ganz vertrauenswürdig“. Als ich meinen Geldbeutel in der Hand habe erlebe ich das, wovor Reiseleiter auf der ganzen Welt immer wieder warnen. Einer der Jungen haut mir seinen Kartenstapel auf die Hand und versucht mit den Worten, „Das sind meine Karten“, so meinen Geldbeutel zu greifen. „Netter Versuch“, sage ich und stecke meinen Geldbeutel schnell wieder weg.
Nach dem Hypodromplatz besuchen wir die Sultanahmet Moschee, die auch als „Blaue Moschee“ bekannt ist. Durch das einfallende Licht erstrahlt die Moschee dank der Fayencen in strahlendem Blau. Wir erfahren, dass Moscheen im Gegensatz zu unseren katholischen Kirchen, die nach Heiligen benannt sind, nach ihren Spendern, oder Erbauern benannt werden. Vor der Moschee an der Wand befinden sich Waschstellen, an denen die Gläubigen vor dem Gebet ihre rituellen Waschungen an Kopf, Armen und Beinen durchführen. Auf dem Rückweg zum Bus werden wir wieder einmal angesprochen. Besonders traditionell herausgeputzte ältere Männer mit Pumphosen, Westen und einer Teekanne auf dem Rücken wollen unbedingt mit uns auf´s Foto. Kirschensaft, bieten sie den Touristen an. Sicher macht sich so ein Saftonkel gut auf einem Foto, neben einem Touristen. Klar dass auch hier die beiden Becher für uns wieder um die … Millionen Lira kosten. Die wir dann gewollt oder nicht im Handumdrehen wieder los sind.
Geld ausgeben in Istanbul
Wir fahren weiter. Unser Bus zwängt sich durch die engen Gässchen und den gerade hier ordentlich dichten Innenstadtverkehr Istanbuls. Heruntergekommene Häuserfassaden wechseln sich mit Bauruinen und Baustellen ab. Mittagspause machen wir auf der Gartenterrasse des Pierre Loti Cafés über den Grabanlagen Eyüps, am „Goldenen Horn“. Das Cafe ist benannt nach dem turkophilen Marineoffizier und Schriftsteller, der hier die meiste Zeit verbracht haben soll. Von hier aus hat man einen wunderbaren Überblick über den ganzen Bosporus. Wenn das Wetter nicht so verdammt herbstlich wäre. Goldenes Horn heißt diese Landzunge laut unserem Reiseführer deshalb, weil sie von einer ganz bestimmten Stelle Istanbuls aus im Mondlicht golden schimmert. Hier trinken wir einen Apfeltee. Dieser süße Tee, eine Art heißer Apfelsaft, wird uns in Istanbul überall als Alternative zum türkischen Schwarztee oder Mokka angeboten. In den engen Gassen tragen die einheimischen, Hobbyverkehrspolizisten maßgeblich zum allgemeinen Verkehrskollaps bei.
Danach führt uns unser Reiseleiter in ein Restaurant, in dem wir uns endlich einmal zu einem vernünftigen Preis satt essen können. Das Akdeniz in der Kemalpasa Caddessi 84 im Stadteil Aksaray. Zwei komplette Mahlzeiten bekommen wir hier zu nur zehn Euro. Eine Wohltat für unsere angegriffenen Mägen und Geldbeutel. „Das ist ein noch neues Restaurant und hat sich eben noch nicht in die Preissegmente der anderen eingefügt“, meint unser Reiseleiter, der dort selbst gerne isst. Danach fahren wir die Stadtmauer entlang, die in Istanbul an noch mehreren Stellen bis zu einer Länge von 20 Kilometern erhalten ist und auch nach und nach wieder restauriert wird. Die Stadtmauer selbst hat ein eigenwilliges Design. Sie ist aus weißen Sandsteinblöcken gemauert, durch die sich in bestimmten Abständen Längsstreifen aus rotem Ziegelstein ziehen. Dann besuchen wir eine Schmuckfabrik am Marmarameer. Natürlich sollen wir dort auch fleißig einkaufen. Die Schmuckverkäufer, zu 90 Prozent deutsche Türken gehen uns nicht mehr von den Fersen. Nicht einmal Fragen, wie nach dem prozentualen Anteil echten Silbers im Schmuck oder aus Handwerk und Design können sie längere Zeit Vertreiben. Schmuck ist allerdings überhaupt nicht mein Thema. Irgendwann gehen wir dann einfach hinaus und sehen uns noch den Küstenstreifen des Marmarameeres an. Ist zwar auch langweilig, aber wir sind dabei an der frischen Meeresluft.
Danach sehen wir uns den Fischmarkt auf der anderen Straßenseite an. Die Fänge werden in allen Größen regelrecht ausgestellt. Graue, glänzende Leiber mit rot leuchtenden Kiemen. Für einen jungen Mann unserer Reisegruppe ist das schon pervers. Andere ertragen den Geruch nicht und bleiben von vorne herein auf der anderen Straßenseite. Einige Fische in großen Plastikzubern leben noch und tummeln sich zwischen ihren toten, oder sterbenden, nach Atemluft japsenden Kollegen. Wir gehen weiter.
Der Hamam
Endlich wieder im Hotel zurück gönnen wir uns eine kurze Pause und machen uns dann auf zu einem der ältesten und schönsten Hamams Istanbuls. Dem Cemberlitas Hamami, Einem türkischen Bad das, laut Reiseführer, seit 1583 ohne Unterbrechung genutzt wird, im Stadteil Cemberlitas. Wir lassen uns überraschen, was dort mit uns geschieht. Zuerst einmal kostet uns der Spaß „Hamam“ 15 Euro pro Person. Wir bekommen eine eigene Kabine zum Umziehen, Handtücher und Badeschlappen. Dann gehen wir  hinunter ins Bad. Selbiges besteht aus einem Raum in dessen Mitte wie ein runder, flacher Käselaib ein riesiger Stein, „der göbek tasi“, oder auch „Nabelstein“ liegt. Dort auf diesem heißen Stein haben wir uns dann erst einmal abzulegen und zu warten, bis sich einer der Bademeister unserer annimmt. Ein Hamam ist, stellen wir fest so eine heiße Dampfgrotte mit rießiger Deckenkuppel, in der sich Löcher für den Dampfabzug befinden. In einigen Seitennischen gibt es kleine Brunnen mit Wasserschüsseln um sich abzukühlen. Als wir ordentlich schwitzen winkt mich einer der Bademeister zu sich heran, bedeutet gestenreich und sehr freundlich mich flach hinzulegen. Dann beginnt er einen mit einem groben Frotteehandschuh gründlich abzureiben. Weiter folgt Seifenschaum. Wir  werden so gründlichst gewaschen, wieder abgewaschen und dann ordentlich massiert. Besonders auf unsere etwas empfindlicheren Stellen hat es der Masseur abgesehen. Ich kann danach kaum mehr gehen und mein Kollege jammert noch Tage später über seine malträtierten Schultern. Nach knapp 20 Minuten, ist das ganze auch schon vorbei. Wir werden noch in trockene Handtücher gepackt und können uns in unserer Kabine noch ein wenig ausruhen. Abschließend auch einen Tee oder frisch gepressten Orangensaft trinken. Es ist wirklich ein sehr intensiver Erlebnis, dass wenn es auch recht kurz ist für 15 Euro, man doch noch einige Tage lang in Erinnerung hat.
Am Abend sind wir wieder zum Essen im Akdeniz. Nach einigem Umherirren lassen wir uns den Weg dorthin vom Hotelportier aufzeichnen. Auch dieses Mal erwischen wir wieder eigentlich ohne bestimmte Absicht den Schischkebap Fleischspieß. Sie haben dort eine Speisekarte, auf denen die Gerichte zur einfachen Auswahl abgebildet sind. Das ist für unsereins sehr praktisch. Das sind dann auch immer die Augeblicke, bei denen uns wieder auffällt, dass wir die hiesige Landessprache eigentlich nicht beherrschen. Eigentlich wollten wir auch einmal den türkischen Wein probieren. Aber der ist hierzulande fast überall unerschwinglich. Denn ein Experiment für ab 20 Euro die Flasche ist uns dann doch etwas zu teuer. Was am ersten Tag noch ein wenig nervt, ist, dass wir permanent von irgend welchen Typen, die irgend einen Kram zu verkaufen haben angesprochen werden.

Istanbul – Stadt der Moscheen und Katzen GUV-Reise vom 24. bis 29. November 2003

24. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt/Antonino Zambito

Erster Tag: Montag, der 24. November
Der Flug
Unsere Abflugzeit ist 10.25 Uhr ab dem Stuttgarter Flughafen.
Ab neun Uhr sind wir zum Einchecken bereit. Aufgrund der Terrorismusgefahr wird intensiver als sonst kontrolliert. Nach der Personenschleuse bekommen wir noch eine sehr gründliche per Hand Abtastung mit. Tatsächlich wird keine Stelle ausgelassen und besonders großer Wert auf den Fußknöchelbereich gelegt. Dafür steht extra einen Fußschemel hinter der Personenschleuse bereit. Auch die Intimzone wird, ohne dass der damit betraute Beamte irgend eine peinliche Regung zeigt, gründlich gecheckt. Der Flug selbst ist dann nicht gerade ausgelastet. Geschätzt sind nichtmal ein Drittel der vorhandenen Plätze belegt. Jeder Fluggast hat eigentlich eine oder zwei Sitzreihen ganz für sich.
Was aber angesichts der Situation nicht verwundern darf. Sind doch die letzten beiden Bombenattentate in Istanbul auf zwei jüdische Synagogen, das britische Konsulat und die britische HSBC-Bank, bei denen zusammen immerhin etwa 55 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden sind, erst ein paar Tage her. Auch wir haben von unserer Reisegesellschaft nach langem Telefonieren ein Alternativangebot bekommen. Aber ganz ehrlich, was ist schon Antalya gegen die Gelegenheit Istanbul, das Tor zum Orient mit seiner faszinierenden, langen, sehr wechselhaften Geschichte kennen zu lernen. Außerdem besteht von offizieller Seite noch keine Reisewarnung für Istanbul. Das macht reiserechtlich eine Stornierung, oder Widerholung der Reise zu einem späteren Zeitpunkt unmöglich.
Da unsere Reisegesellschaft diese Reise trotzdem durchführen will, nehmen wir an. Vom Reiseführer, der uns am Istanbuler „Atatürk Gedächtniss Zielflughafen“ im Empfang nimmt, erfahren wir, dass wir lediglich eine von sechs erwarteten Busbesetzungen sind. Eben die Touristen, welche sich nicht von den Medien abschrecken lassen haben oder auch einfach nur zu blöde waren die Reise rechtzeitig auf das Angebot nach Antalya umzubuchen. Für meine Eltern bin ich selbst auch nach Antalya ausgewichen. Da meine Mutter wie sie meinte in ihrem Urlaub sonst keine einzige ruhige Minute mehr gehabt hätte. Schließlich hatte sie mir die Reise, die sie auf irgend einer Kaffeefahrt mit dem GUV Reiseunternehmen für die Hälfte gewonnen hatte geschenkt. Für eine türkische Fluglinie, wie der Sun Express, enttäuscht natürlich, dass der Mittelgang zwischen den Sitzreihen nicht mit einem dieser im Orient so beliebten und allgegenwärtigen roten Teppiche ausgelegt ist und ich auch keine Wasserpfeife an meinem Platz finde. Zum Essen gibt es auch keinen Döner oder Kuskus, sondern den klassischen Flugzeugfraß. Auch der Bordfilm enttäuscht. Statt mit Bauchtanz werden wir mit VIVA verwöhnt. Das Reisepublikum an Bord nach Istanbul ist dann eigentlich doch recht alt. So vom Typ her die klassischen Bildungsrentner. Oder eben doch der übliche Altersschnitt bei einer Kaffeefahrt. Auch sie haben diese Reise wohl bei der GUV-Touristik gewonnen. Touristen zwischen 30 und 40 sind auf diesem Flug auf vier oder fünf Personen reduziert. Die im Flugzeug angebotenen Kopfhörer für den Bordfilm, zu drei Euro das Stück, werden von der kompletten Gruppe abgelehnt. Kein Wunder, alle sind aus Stuttgart und auf anderen Flügen bekommt man diese Dinger schließlich geschenkt. Die Szene ist auch ein erstes Vorzeichen dafür, dass mit Stuttgart und Istanbul zwei absolut nicht kompatible Welten aufeinandertreffen. Der Geizkragen und die geborenen Händler die für den Euro des Touristen auch noch ihr letztes Hemd am Leib an den Mann oder die Frau bringen würden.

Ankunft in Istanbul – die erste Touristenfalle
In der Flugabfertigungshalle des Attatürk Airports Istanbul empfängt uns ein kleiner, geschäftig aussehender Türke in etwas holprigem Deutsch.
Gestartet sind wir vom „Flughafen Stuttgart“. Warum benennt eigentlich alle Welt außer Deutschland ihre Flughäfen nach ihren radikalsten Politikern?
Wir werden im Namen der GUV in Istanbul herzlich willkommen geheißen. Ganz so wie es im Programm steht.
Mein erstes Indiz dafür, dass ich mich nun auf türkischem Boden befinde übermittelt mir mein Handy. Eine Flut von SMS-Nachrichten erreicht mich nach dem Wiedereinschalten nach dem Flug, die mich im groben von Deutschland verabschieden und in der Türkei willkommen heißen. Das Netz hat von „D1-Telekom“ auf „Turkcell GSM“ gewechselt. Unser türkisches Empfangskomitee klärt uns noch in der Flughalle darüber auf, dass wir nun zuerst zu einem anderen Hotel, „dem Armada“ fahren, wo uns das Istanbul-Reise-Zusatzpaket für noch einmal „nur“ 159 Euro pro Person vorgestellt wird. Das Reisepaket enthält noch ein paar geführte Besichtigungspunkte mehr, sowie verschiedene Mittag- und Abendessensangebote. Als wir im Bus sitzen nimmt meine erste Kaffeefahrt ihren Lauf. Postkarten, Bücher und andere Dinge, die der Tourist aus diversen Gründen aus dem Urlaub unbedingt mit nach Hause bringen muss, werden uns direkt im Bus verkauft. Ein Euro für eine Postkarte mit Briefmarke. Im Fünferpack billiger. Eigentlich hätte es nicht allzu sehr überrascht, wenn hier auch noch die Teppiche zum Verkauf direkt im Bus ausgerollt würden. Unseren in der Broschüre angekündigten prickelnden Begrüßungscocktail, ein paar Flaschen Saft und Bier auf dem Tisch im Konferenzraum des Hotels – das Fläschchen Bier zu drei Euro – müssen wir gleich selber bezahlen. Nebenbei lässt uns der Reiseleiter, ein Herr Bernd Keller nicht im geringsten im Zweifel darüber, dass er ziemlich sauer auf jeden einzelnen Reisegast ist, der dieses Zusatzpaket nicht kauft. Dumm, gefährlich usw. Am Ende kann er seine Enttäuschung darüber, dass dieses Zusatzpaket, trotz seiner flammenden Rede dafür, von gut einem Drittel der Reisegesellschaft abgelehnt wird nur sehr schlecht verbergen. Nebenbei erfahren wir auch, dass wegen Bayram, dem dreitägigen Zuckerfest, dass den Fastenmonat Ramazan (wie ihn die Türken nennen) abschließt, bis einschließlich Donnerstag sämtliche Sehenswürdigkeiten nur zu bestimmten Zeiten geöffnet haben. Auch das ein wichtiger Grund, dieses Zusatzreisepaket zu kaufen. Natürlich! Wir sind eben Pauschaltouristen aus Deutschland und können nach den Öffnungszeiten ja nicht alleine fragen. Auch hier im Hotel, in dem uns „nur“ das Zusatzpaket vorgestellt wird, können wir wieder einige verbilligte Reisen gewinnen. Eine Kreuzfahrt und eine Pauschalreise nach Sardinien. Vorausgesetzt, wir zahlen sofort 15 Euro irgend einer ominösen Reisesteuer an den Veranstalter, diesen großen, schmähbäuchigen Mann mit seinem viel zu lauten Mikrofon, den ich schon jetzt alleine dafür hasse, dass ich wegen dessen Gebrüll am Abend wohl heftige Kopfschmerzen haben werde. Einfach vor die Türe zu gehen und zu warten bis die anderen wieder herauskommen? Ich könnte etwas wichtiges verpassen. Wie die Frage, ob von dem Paket auch nur ein Teil gekauft werden kann. Im Nachhinein wäre es aber das Beste gewesen. Dieser Herr Keller führt die immer neuen Reiseangebote immer wieder auf das 20 jährige Jubiläum der Reisegesellschaft zurück. Allerdings muss er ordentlich kämpfen, bis er seine acht zu verlosenden Reisen an Mann und Frau bekommt. Selbst die Gewinne will eigentlich neimand wirklich gerne annehmen. Auch die beiden Namen, die ich spaßeshalber auf die Zettel notiert habe werden aufgerufen. Wehe ihnen, was mit diesen Zetteln nun für reisetechnische Wohltaten über sie hereinbrechen. Das Ganze macht bisher den Eindruck einer klassischen Kaffeefahrt. Nur dass hier die Gäste nicht im fahrenden Bus mit Heizdecken und Bestecksets überschüttet werden, sondern eben im unbekannten Ausland. Auch hier kann ja niemand davonlaufen. So sollte es dann die nächsten Tage ohne Gnade weitergehen.
Unser Hotel und erste Schritte im fremden Land
Endlich, nach zwei langen Stunden fahren wir dann weiter zu unserem Hotel, dem Grand Anka, dass an der Millet Cadessi, an der Metrolinie Findikzade und damit eigentlich direkt im Zentrum der meisten Sehenswürdigkeiten Istanbuls liegt. Das übrige Stadtviertel Fatih, im Reiseführer als sehr konservativ beschrieben wirkt ziemlich heruntergekommen und vermüllt. Kaum ein Meter der Straßen- und Gehwegestrecken sind wirklich in begehbarem Zustand. Und überall lauern Katzen. Auf etwa fünf Quadratmeter kommt in Istanbul eine Katze. Dafür gibt es keine Ratten. Einem Bild, dem wir gleich am ersten Abend, und auf unseren weiteren Streifzügen durch das Viertel, immer wieder begegnen. Am Abend findet in unserem Hotel eine Art Parteitag der Konservativen PK Partei statt. Es wimmelt davor nur so von Polizeikräften. Tatsächlich haben wir in der Hotellobby die Gelegenheit einen Blick auf den von der Lokalpresse umlagerten türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zu werfen. Nach dem Einchecken – wir haben das Zimmer 511 im fünften Stockwerk mit Panoramablick auf einen grauen, Taubenverseuchten Hinterhof, das Licht, bekommen wir heraus geht auch nur dann an, wenn der Schlüsselanhänger in einem dafür vorgesehenen Schlitz richtig platziert wird – machen wir uns an eine erste Erkundung der näheren Umgebung. Wir schwärmen ordentlich weit aus am ersten Abend, wie wir auf dem Stadtplan und bei unseren Touren in den nächsten Tagen immer wieder feststellen und genießen erst einmal die kulinarische Andersartigkeit Istanbuls. An einem Stand essen wir ein Klaflasch oder so ähnlich. Eine stark gewürzte Fleischpampe in einem Brötchen für 2,5 Millionen türkische Lira. Das ist etwa ein Euro 60. Auf der Suche nach einem ordentlichen Restaurant verlieren wir uns in den Straßen Istanbuls und kommen so von dem Anfang der Millet Cadessi, an der Stadtmauer, die an dieser Stelle ziemlich feucht ist und ziemlich faulig riecht, bis zur Universität auf der anderen Seite der Stadt. Überall kleinere und größere Straßenmärkte, Müll und Gedränge. Auf dem Rückweg essen wir Schischkebap in der Nähe unseres Hotels, das wir nach etwa drei Stunden dann endlich wieder gefunden haben. Die Preise erscheinen uns hier ordentlich zu hoch angesetzt, zumal auch das Essen nicht gerade mit Liebe zubereitet scheint. Das Fleisch ist verbrannt und die Beilagen völlig überwürzt. Aber das Brot ist in Ordnung. Überhaupt kann man sich in Istanbuls Restaurants problemlos an den Vorspeisen und dem Fladenbrot halten. Um diese Zeit, so knapp nach neun Uhr Abends hat hier sonst allerdings kaum noch irgend ein Restaurant geöffnet. Im Restaurant läuft direkt neben uns in voller Lautstärke der Fernseher. Er zeigt irgend eine türkische Familienshow. Nett, dass der Wirt den Fernseher kurz bevor wir wieder gehen endlich leiser stellt. Wir gehen in dieser ersten Nacht in Istanbul mit ordentlich Kopfschmerzen und einer Magenverstimmung zu Bett.

Ist eine deutsch-jüdische Aussöhnung unmöglich

18. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Ist der Bundeswehr Brigadegeneral Reinhard Günzel wirklich nur ein verwirrter Einzelfall, oder Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ein Heuchler? Nicht zuletzt dadurch, dass der Verteidigungsminister mit der sofortigen, unehrenhaften Entlassung seines Generals, den Staatsbürger in Uniform zu einem recht- und rückradlosen Wesen degradiert hat. Fakt ist, die Antisemitismusdebatte in Deutschland nimmt zu. Zuerst wohl nur aus der Rechten Ecke heraus hat sie längst eine erheblich breitere Gesprächsplattform, auch in der weniger politisch motivierten Bevölkerung gefunden. Ein Grund hierfür ist sicher die harte, unnachgiebige Haltung einer Minderheit, die an einer Aussöhnung zwischen beiden Parteien nicht interessiert ist. Die so aber den Eindruck erweckt, dass die jüdische Gemeinde keinerlei Interesse an einer Aussöhnung mit dem deutschen Volk hat. Ein anderer Grund ist die Meinung unserer Politik. Durch das Bedürfnis der regierenden Partei, schon bei bestimmten Begriffen sofort Alarm zu schlagen, ganz egal in welchem Zusammenhang ein solches Unwort gefallen ist, wird damit jede Diskussion die zur Vergangenheitsbewältigung und zu unserer Identifikation damit nötig wäre sofort abgewürgt. Um nur ja erst gar keinen Verdacht einer Antisemitistischen Haltung in der Bevölkerung aufkommen zu lassen. Damit das so gerne propagierte nicht existierende Denkverbot in Deutschland gleich wieder Lügen gestraft wird. Genau dass, meine lieben Damen und Herren aus der Politik ist uns gewöhnlichen Bürgern so schwer vermittelbar.
Das Argument der zionistischen Hardliner: Die Ermordung von 6 Millionen Juden durch die Deutschen im Verlauf des 2. Weltkriegs ist unentschuldbar. Wir lassen uns nicht kaufen mit Geldern und Gedenkstätten. Izak Rabin selbst sagte dazu: „Wir vergessen und vergeben nicht!“ Damit bekommt man bequem auch den mildest gestimmten Juden wieder mit ins Hassboot, denn das mag durchaus seine Berechtigung haben. Sechs Millionen, auch wenn diese Zahl bis heute nicht wirklich bestätigt ist, sind kein Pappenstil.
Aber! Was hier immer wieder übergangen wird. Niemand verlangt von den Angehörigen, dass sie sich dafür entschuldigen, fast ausgerottet worden zu sein. Es geht schlicht um die heutige Situation. Die jüdische Gemeinde sollte sich auch einmal Gedanken darüber machen, dass sie mit dieser dauernden Konfrontation auf den Gefühlen der deutschen Nachkriegsgeneration herumtrampelt. Denn was können wir, die Deutschen des Jahrgangs 73 oder 75 für die Sünden unserer Vorfahren? Selbst unsere Väter kennen den zweiten Weltkrieg nur noch dadurch, dass sie zwischen dessen Trümmern ihre Kindheit verbracht haben.

Auf beiden Seiten betrifft diese Debatte nur noch die Erben, die beide mit den Taten und dem Schicksal ihrer Großväter nichts mehr zu tun haben. Wir Deutschen sind längst nicht mehr die Täter, genauso wenig, wie die in Deutschland lebenden Juden noch die Opfer sind. Nicht desto weniger müssen wir uns heute fragen, ob nicht Israel, wie die jüdische Religion selbst ein gewaltiges Problem damit haben Demokratie vorzuleben und die Menschenrechte zu achten. Diesen Enkeln und Urenkeln des nationalsozialistischen Deutschlands tut es unendlich Leid, was damals geschehen ist und nichts möchten sie lieber als ein ganz normales nachbarschaftliches Verhältnis mit ihrer Umwelt und ganz besonders den Juden. Nur, haben sie dafür nicht allmählich genug getan? Wäre an dieser Stelle nicht einmal von der jüdischen Gemeinde ein kleines Zeichen der Anerkennung, wenigstens für die deutschen Bemühungen in der Sache Aussöhnung angebracht? Sollten nicht sie einmal einen kleinen Schritt auf die Deutschen zu gehen? Denn sonst, wenn unsereinem so die Vergangenheitsbewältigung weiter verweigert wird, läuft diese Debatte in Deutschland Gefahr, bald wieder eine Höhe zu erreichen, aus der sich auch ein Friedmann nicht mehr herausquatschen kann.

explicatio, 18. November 2003 von Marco Rettstatt

Die Stiftung Pragsattel erhalten

14. November 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

 

Stuttgart: Aufklärungsabend der Stiftungsinitiatoren im Theaterhaus

 

(mr) – Am Donnerstagabend hatten die Initiatoren der damaligen „Stiftung Pragsattel“ die 1999 für den Bau des Theaterhauses in der Rheinstalhalle initiiert worden war zu einem Aufklärungsabend eingeladen. 

 

(die Sachen, die da im Vorfeld gelaufen sind vielleicht kurz dazu noch anreißen)

„Wir wollen keine Schmutzwäsche waschen, sondern entstandene Missverständnisse ausräumen und es geht auch nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen“, so äußerte sich Werner Schretzmaier, der Leiter des Theaterhauses auf dem Pragsattel zur Einführung. Der Abend sei zur Orientierung und soll neue Ansätze bringen um der Stadt Stuttgart den Stiftungsgedanken wieder schmackhaft zu machen. Mit am Rednerpult auf der Bühne die beiden Stiftungsmitglieder Gerd Behrens, der auch Vorstand der Stiftung zur Förderung des Stiftungsgedankens ist und Eckehard Ensslen-Holl. Gerd Behrens klärte dabei die Anwesenden über Wandprojektor noch einmal über  den Stiftungsgedanken an sich auf. Und erklärt warum eine Stiftung der Stadt bisher günstiger gekommen ist als einen Eigenbau und wie sie künftig sich weiter auch noch günstiger auswirken wird. Völlig unverständlich zeigen sich alle drei dass die Stadt Stuttgart so hartnäckig auf die Rückgabe des Gebäudes als ihr Eigentum besteht. Denn damit habe sie zwar den größeren Einfluss auf das Haus und könne es auch mit eigenen Veranstaltungen nach belieben besetzen, aber müsste es auch wieder selber bezahlen. Von einem Geheimnis der Stadt spricht Ensslen-Holl die sich davon irgend etwas unerklärliches verspreche, dass sie jetzt nicht habe. Anders könne er sich die Haltung nicht erklären. So wird sich am Abend aufklärerisch, aber auch  rechtfertigend erst einmal in endlosen Zahlen- und Datentiraden ergangen und es werden zum besseren Verständnis der Situation die letzten Zehn Jahre von Planungs- und Bauphase des Theaterhauses noch einmal rekapituliert. Wie die Baukosten allmählich angestiegen sind. Daneben argumentiere die Stadt Stuttgart unsachlich, wenn sie der Stiftung vorwirft sie habe rechtswidrig ein Darlehen aufgenommen. Letztlich könnten auch die Kunstschaffenden nicht für die Fehler der Architekten in der Baukostenbegrenzung und des städtischen Modernisierungsbetreuers verantwortlich gemacht werden. Das Theaterhaus verfüge nun mit seinen Verbesserungen über eine hervorragende Anlage und durch die Stiftung sei ein ganzes Drittel der Kosten eingespart worden, alleine durch die frei verhandelbaren Preise, so Ensslen-Holl. Wie das Alt OB Rommel damals vorausgesagt habe. Was der Stadt als alleiniger Bauträger nicht möglich gewesen wäre. Auch für die Zeit der Nutzung des Hauses wäre eine Stiftung besser, da sie viel höhere Spenden entgegennehmen könnte. Seit aber 2002 durch die Presse ging dass die Stiftung schließen müsse sei die Spendenbereitschaft für die Stiftung gegen Null gesunken. „Wer investiert schon in ein sterbendes Projekt“, so Ensslen-Holl. Fürsprecher findet die Stiftung auch in den beiden OB Kandidaten Ute Kumpf und Boris Palmer, die ebenfalls die Vorteile einer solchen Stiftung betonen. Weiterhin verstehe man nicht warum die Stadt so nicht schon bei ihren anderen Objekten durchgegriffen habe. Der Schleyerhalle, dem Taglblatturm, oder dem Gottlieb-Daimler Stadion. Hier fühle man sich als müsse am Theaterhaus ein Exempel statuiert werden. Weiter wird auch die Abhängigkeit einer Demokratie von den Mächtigen beklagt. Der eine Stadtrat genehmige die Stiftung, der andere  setzt den Mitgliedern die Pistole auf die Brust. Was wird der neue Stadtrat tun? Das erhalten der Stiftung sei ein Gebot der Vernunft. Nur sie könne erfolgreich um spenden werben und sicherstellen dass jeder Euro der Kulturförderung zugute komme. allein die Stiftung könne unbeschränkt wirtschaftlich tätig sein. Der Stiftungszweck sei außerdem ausdrücklich die Kunstförderung und nicht der Bau.

Diese Argumente wollen sie Stiftungsmitglieder nun dem neuen Stadtrat noch einmal vorlegen.

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