Beginn des Friedens- und Fastenmonats Ramadan (2)A/3B

28. Oktober 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Hintergrund: Wohl als eine Fortführung des US-Irakkrieges, der ohnehin seit Kriegsende mehr als 80 US-Soldaten das Leben gekostet hat gab es am Vormittag bei Bagdad gleich mehrere Selbstmordanschläge auf eine Einrichtung des Roten Kreuzes und mehrere Polizeistationen.

Ergebnis: Insgesamt 35 Tote und über 200 Verletzte.

Kriege & Krisenherde
explicatio, 28. Oktober 2003 von Marco Rettstatt

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Jung und Schön

20. Oktober 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Jung, schön und erfolgreich. Das sind die Schlagworte des neuen Jahrtausends, heißt es. Die Alten zählen nicht mehr, werden nicht mehr respektiert, oder gar zur Kenntnis genommen. Meckern die zu kurz gekommenen. Aber stimmt das wirklich? Ist dies das Jahrtausend der Jugend? Das Jahrhundert, oder gar das Jahrzehnt derselben? Oder war das vielleicht schon immer so? Schon Sokrates wusste, dass die Jugend respektlos ist und keine Achtung mehr vor dem Alter hat. Vielleicht bestätigt sich das heute mehr den je. Mit 40 sinken die Chancen noch irgendwo eine Anstellung zu finden ins bodenlose. Vorrang in den großen Betrieben wird den jungen agilen, aufstrebenden Studenten eingeräumt, von denen Chef sich frische Ideen verspricht. Der alte Hase mit seiner langjährigen Berufserfahrung wird zum alten Eisen. Und liegt fortan dem Staat schwer auf der Tasche.

Aber auch auf Arbeitgeberseite ist das oft Wunschdenken. Denn dem Personalchef schwebt meist ein junger, gerade von der Universität kommender, fertiger Diplomingenieur Mitte 20 mit mindestens 20 jähriger Berufserfahrung vor, der ungebunden ist, universell einsetzbar, sich ohne Urlaubsanspruch der Firma ein Leben lang verpflichtet, das ganze für ein Ei und ein Butterbrot und der auch niemals eine Gehaltserhöhung verlangt. All das lässt sich vertraglich regeln. Aber auch der Jugendwahn im Berufsleben ist eher ein Ergebnis, der momentan schwächelnden Konjunktur.

In der Gesellschaft ist es kaum anders. Unglücklicher Mensch, der das glaubt. Denn was hat ein Jugendlicher heute wirklich zu vermelden? Nach wie vor wird auf sein Urteil am allerwenigsten wert gelegt. Das sehen wir besonders in der Politik. Die „jungen Wilden“; keiner von denen ist unter 40. Das durchschnittliche Politikeralter dürfte gerade auf Bundesebene bei 60 Jahren liegen. Politik ist ein echter Rentnerjob. Jugendliche in der Politik haben Plakate zu kleben und Flyer zu verteilen. Der Jugendliche wird überall gehasst. Es sei den als ein von Handel umworbener Konsument. Als Benutzer, Anwender, Kunde. Auch die Filmbranche ist da keine Ausnahme. Es gibt den mittlerweile 50jährigen Teenie-Star. Auch in Hollywood fängt jung und erfolgreich erst mit 40 an. Ist es nicht eher so, dass gerade die, die diesen vermeintlichen Jugendwahn in unserer Gesellschaft befördern, aus dem Management oder Aufsichtsrat so mancher Firmen stammend, selbst meist weit jenseits der 50 sind? Auch der moderne Chef umgibt sich heuer natürlich lieber mit einer Reihe junger hübscher Angestellter, als mit alten Zauseln. Und warum sollte er das auch nicht tun? Das ist wirklich nichts, dass einem verübelt werden kann. Nur das Modell: „Jung, Schön und Erfolgreich“ taugt in unserer Gesellschaft maximal für den Werbezweck. Den unsere Gesellschaft vergreist. Die Menschen werden immer älter. Und eine Familie mit vier Generationen ist heute eigentlich normal.

Genießen im 21. Jahrhundert Über den Unsinn der Esskultur

14. Oktober 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen trefflich streiten. Da versteht es sich für das explicatio – Philosophiemagazin eigentlich von selbst, dass wir uns auch einmal dieses Themas annehmen. 

Zum Essen und vor allem dem Trinken gibt es eine große Zahl ganz unterschiedlicher Philosophien. Vom einen wird der Verzehr von Nahrungsmitteln regelrecht zelebriert, der andere schlingt es einfach weg und geht, das Bedürfnis befriedigt wieder seiner Wege. Aber wie kommt es dazu ein Grundbedürfnis zu einer, feierlichen, nahezu religiösen, Zeremonie zu gestalten?
Für die meisten Länder ist die Esskultur zu deren nationalem Erkennungsmerkmal geworden. So ist die klassisch, britische Küche auf der ganzen Welt gefürchtet. Der Französischen steht man wegen ihres Hanges zum Außergewöhnlichen mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Der Amerikaner isst alles, Hauptsache es ist unheimlich süß. Und so setzt es sich durch die Küchen der ganzen Welt fort. Von diversen Spezialitäten einzelner Naturvölker – wie Ameisen in Honig, oder mehrere Monate alten Vogeleiern – nicht zu reden. Wir kultivierten Völker teilen unsere Küche in verschiedenste Kategorien ein. Da ist zum einen die gute, alte Hausmannskost vom eigenen Herd. In der Regel am billigsten, aber langweilig. Eine Abwechslung bieten Fertiggerichte, oder auch das im Sommerurlaub beliebte Grillen. Danach kommen verschiedenste Imbissbuden. Angefangen mit den Bratwürsten, der Currywurst, Döner Kebap, Whopper, Big Mäc usw. Dann die gewöhnliche Eckkneipe. Auch Hausmannskost, aber hier kocht der Chef und Mann kann sich da nebenbei hemmungslos besaufen, oder über Fußball philosophieren. Ihr folgen die Spezialitätenrestaurants, die längst nicht mehr nur Pizza, Gyros, oder Cevapcici im Ofen haben. Nein, heute geht man ins Sydneys und bestellt sich ein Nilkrokodil Müllerin Art, Haifischflossengulasch, oder eine Familienplatte gut gewürztes Undefinierbares aus Fernost. Das Essen wird so schon zum kleinen Abenteuerurlaub. Für andere esskulturelle Vorstellungen liegt der Nervenkitzel dann mehr beim Geld ausgeben als denn dem Genuss. Für ein ordentliches Dinner kleidet man sich natürlich zu aller erst ordentlich chic ein. Dabei ist unter erfahrenen Gentleman-Speisern noch immer nicht ganz geklärt, ob es hierin eine Pflicht für eine separate Vor- und Nachspeisengarderobe geben sollte. Im 25 Sterne Schlemmertempel ist natürlich auch alles vom feinsten. Was in der Regel heißt, dass Kleiderhaken lediglich Dekorationszwecken dienen und an diesen empfindlichen, sauteuren Designerbügeln nichts aufhängt werden darf, dass ein zulässiges Gesamtgewicht von zwölf Gramm nennenswert übersteigt. Natürlich wird man zu solchen Anlässen eingeladen. Am Eingang ist dem Portier die Einladung inklusive Bestechungstrinkgeld auszuhändigen und auf ihm kann dann auch der eben zu diesem Anlass gekaufte Pelzmantel abgeladen werden. Das alles möglichst diskret – versteht sich von selbst. Drinnen gilt es sich möglichst ganz den zahllosen Kellnern zu überlassen und denselben möglichst jeden Handschlag mit einem kleinen Scheinchen zu vergelten. Die Gerichte stehen dann in einem krassen Unverhältnis zum betriebenen Aufwand, was somit auch wieder als ausgleichende Gerechtigkeit angesehen werden kann. Auf einen Teller von den Ausmaßen eines mittleren Lkw-Reifens dürfen maximal ein zehntel der Innenfläche mit Speisen bedeckt sein. Wobei davon wiederum etwa 80

Prozent Beilagen sein müssen, die zwar essbar sind, aber tabu und daher nicht angerührt werden dürfen. Als Faustregel für den Küchenmeister gilt, je größer der Teller, desto weniger darf darauf arrangiert werden. Daneben befinden sich bei Tisch etwa 120 Besteckteile, bei der jede Großmutter als Komplettaussteuer voller Stolz platzen würde und 21 Gläser meist gleicher Bauart, deren Zweck eigentlich nur der Chefkellner des Hauses selbst kennt. Oder auch nicht. Die Speisen und Getränke tragen opulente, aber immer ausländische, bevorzugt französische Namen. Schließlich will der Preis gerechtfertigt sein, der hinter dieser höchst kreativen Arbeit steckt. Bei gefühlten 72 Gängen nimmt man insgesamt rechnerisch etwa 112 Gramm Nahrung zu sich und auch die Gläser werden nach und nach ein wenig gefüllt. Aber wer Hunger hat kommt hier sowieso nicht her. Man zeigt sich und protzt mit seiner Kenntnis, dem Kellner gegenüber, der je nach Laune und Trinkgeld immer wieder neue Raffinessen der Speisekunst vorführt, die es zu erkennen und zu benennen gilt. Was allerdings keinen Effekt hat, da in diesen Räumen alle derart mit ihrer eigenen Protzerei beschäftigt sind, dass sie die Performance des Nachbartisches in der Regel gar nicht bemerken.
Diese höchste Form aller Kulturen haben wir den Vordenkern, wie auch Anhängern des Freiherr von Knigge zu verdanken. Wie aber kann ein Mensch auf einen derartigen Stuss beim Essen verfallen? Sind die Speisen, die in der Regel auch alles andere als nahrhaft sind aufgrund des betriebenen Aufwandes nicht in Ausreichender Menge vorhanden? Macht das Essen so überhaupt noch irgend einen Spaß, oder überhaupt noch Sinn? Wie steht es mit dem Hunger in der dritten Welt? Oder was sagen wir Schwaben dazu, wenn wir für einen Teller Essen bezahlen auf dem nur eine gutes viertel genießbar ist? Was ist mit der alten Regel mit dem Essen nicht zu spielen? Möglicherweise macht ein Besuch in so einem Tempel der Hochkultur einfach Lust einmal wieder hemmungslos seine Zähne in ein möglichst noch blutiges Steak zu schlagen? Dabei kann das Vieh auch ruhig noch leben!

Die Misere der abendländischen Welt in Abhängigkeit zu ihrer religiösen Ausrichtung

5. Oktober 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Antonino Zambito

Selbstbedienung und Ausbeutung auf der einen Seite, Verantwortungslosigkeit und Bequemlichkeit auf der anderen. Die Wurzeln dieser Negativ-Tugenden unserer Gesellschaft finden ihre Rechtfertigung durch den jüdisch-christlichen Glauben, denn laut demselben geschieht alles was ist nur weil der allmächtige Gott das so will.
Nehmen wir einmal als Beispiel das deutsche Gesundheitssystem:
Die Kassenbeiträge steigen kontinuierlich, während deren Leistungen gegen Null sinken. Ebenso wie die Preise und der Konsum an Pharmaprodukten stetig steigen und die Löhne der Ärzte. Krankheiten werden aber trotz moderner Apparate Medizin nicht erkannt und wenn doch, meist falsch behandelt. Alternative Heilmethoden, die sich in tausenden von Jahren entwickelt und bewährt haben, werden verspottet und ignoriert. Wir lassen das alles mit uns geschehen, werfen uns Pillen und anderes chemisches Zeug ein, Wirkung unbekannt. Wir lassen uns das Fett absaugen, die Nasen richten, den Busen vergrößern und Silikon-Waschbrettbauch-Implantate einsetzen. Weil das bequemer ist als überhaupt an den Punkt zu gelangen dies zu benötigen. Anstatt Therapien zu hinterfragen, nehmen wir alles (trotz besseren Wissens) als gegeben hin. Als ob unser Körper gar nicht uns selbst gehört. Wir gehen, nein laufen gerade zu, wie Schafe zur Schlachtbank und freuen uns das wir vorher noch geschoren werden.
Was das mit dem abendländischen Glauben zu tun hat? Es ist die Abgabe unserer Verantwortung von allem, vor allem aber unseres Selbstwertgefühls an eine andere Institution. Da im jüdisch-christlichen Glauben alles nach Gottes Wille geschieht, überlassen wir unsere Verantwortung bequemst auch diesem. Und genau aus dieser anerzogenen Gleichgültigkeit wählen wir den Weg unsere Eigenverantwortung den Ärzten und Pharmafirmen zu überlassen, die kennen sich schließlich mit so etwas aus. Interessant wäre, welche Auswirkungen auf unser Gesundheitswesen zu erwarten wären, wenn wir uns dem Buddhismus annähern würden? Denn dort kann jeder einzelne die Erleuchtung erfahren. Oder gar zu Buddha selbst werden. Eins sein mit dem Sein. Durch das persönliche Karma sowie die Wiedergeburt in den verschieden Stufen des Lebens ist ein Schutzmechanismus vor Missbrauch eingebaut. Denn wenn Mensch schlecht gelebt hat bekommt er dies in einem seiner nächsten Leben zurück. Es gibt keine imaginäre, gottgleiche Gestalt die einem die Verantwortung abnimmt, die Schuld vergibt, oder sie sich zuschieben lässt. Gläubige Christen und die anderen Opportunisten sollten sich vielleicht über Ihre Rolle im Leben und ihren Platz im Universum Gedanken machen. Damit sie sich wieder ihres Selbst bewusst werden. Damit wir all die Lügen die unser Leben bestimmen abstreifen können wie abgestorbene Haut.

Wo bin ich?

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