Die moderne Frau im Patres-Familia-System

20. September 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Der Mensch kann sich über viele Dinge philosophisch den Kopf zerbrechen. Für gewöhnlich tut er das auch, aber nacheinander. Einen Blödsinn nach dem anderen ausbrütend. Schließlich können gerade Männer ohnehin keine zwei Dinge auf einmal erledigen, heißt es. Manchmal gehören aber zwei Dinge, von denen man es bisher so eigentlich gar nicht erwartet hätte unweigerlich zusammen. Wie etwa der Knäuel roter Synthetikwolle zum Gugelhupf. Wenn nun der eine oder andere fleißige explicatio Leser sich denken mag, dass denen allmählich die dummen Ideen ausgehen – es ist nicht so. Vielmehr nehmen wir euch heute – in diesem Thema – auf eine höhere Stufe der experimentellen Philosophie mit.

Sicher lesen sie hin und wieder den Focus. Oder sie sehen im TV ab und zu die quaddelige Präsenz des Herausgebers des Blattes, keuchend und schwitzend, für sein Heft Werbung machen. In der Absicht, dass Mann die Frau, das unbekannte Wesen, in der Zukunft besser versteht widmete das Magazin Focus zuletzt der weiblichen Gedankenwelt eine komplette Ausgabe. Aber sind wir doch mal ehrlich. „Was Frau denkt!“ Welcher Mann möchte das den wirklich wissen? Außer vielleicht ein paar vorpubertäre „Playboy-am-Kiosk-Klauer“, oder eben andere Frauen. Aber Männer? bestimmt nicht. Schon gar nicht im Detail. Diese Flut an ziel- und sinnlosem Überfluss, auch noch heftfüllend, würden ja doch nur die allerwenigsten Männer wirklich verkraften. So gesehen ein gut gemeinter Ansatz von Markwort und seinem Team, der gesellschaftlich allerdings völlig ins Leere läuft und philosophisch unbrauchbar ist.

Kann Mann die Frau in unserer Gesellschaft überhaupt verstehen? Natürlich kann er das. Vorausgesetzt, dass er sie nicht zu lange mit anderen Geschlechtsgenossinnen allein lässt. Zu guter letzt auch in dem er sich des guten, alten Schubladendenkens bedient. Auch wenn dies intellektuell verpönt ist – es gibt sie dennoch, die Frauen, die ihren Lebenszweck darin sehen die klassische Schubladenwelt sämtlicher Vorurteile gegen die Frau, akribisch zu auszufüllen.
Allgemein wissen wir, dass Frauen sich ab der Pubertät schneller entwickeln als der Mann. Sie wachsen schneller, passen sich besser an und bekommen so auch die besseren Schulnoten, womit sie auf gleichaltrige Jungen irgendwie tierisch erwachsen und schon beinahe ein wenig altklug wirken, oder gar bemutternd. Aber dann, so mit Anfang 20 scheint dieser Fortschritt komplett in sich zusammen zu brechen. Während der junge Mann mit etwa 16 Jahren schon recht genau weiß was er in seinem Leben erreichen möchte und zielgerichtet darauf zusteuert, droht die Frau zwischen 20 und 30 im Strudel ihres hausgemachten Chaos zu ertrinken. Sie scheint plötzlich nicht mehr in der Lage eine selbstständige Entscheidung zu treffen, ohne diese wenige Minuten später widerrufen zu müssen. Ganz so, als wären der weibliche Verstand und ihr Instinkt zwei nebeneinander völlig frei agierende Partner, die wechselweise das Großhirn beherrschen. Woraus wohl auch die Annahme abgeleitet wird, dass Frauen mehrere Dinge gleichzeitig erledigen können.
Gerade bei der weiblichen Partnerwahl ist dieser wechselhafte Einfluss gut zu beobachten.
Aus völlig irrationalen Erwägungen laufen sie so den offensichtlich dümmlichsten Pappnasen männlichen Geschlechts hinterher. Als würden sie gerade von deren bewusst asozialem Gehabe, oder infantilen, „Wer ist der Chef“ Spiel magnetisch angezogen. Also genau den Themen, die sie in Gesprächsrunden und Diskussionen mit aller Vehemenz ablehnen und bekämpfen. Oder hat das ganze Methode? Steckt Absicht dahinter, jedem primitiven Prollprimaten hinterher zu hecheln um dann in seliger Damenrunde darüber zu philosophieren wer sich das bescheuertste Arschloch zum Partner gewählt hat. Wobei „Bescheuert“ in diesem Fall das Synonym für besonders männlich darstellt. Ein weiteres interessantes Phänomen weiblicher Widersprüche entstammt dem Mediterranen Raum. Wir kennen es als Patres-Familia-System. Die grundsätzliche Aussage desselben: Eine Frau hat nichts zu sagen. Und gemacht wird ausschließlich was das Familienoberhaupt will. Selbiges bekommt in unseren Breiten im religiösen Bereich seine größte Ausprägung. Ein gefundenes Fressen, für alle Feministinnen hierzulande, sollte man meinen. Aber was tut Frau? Mit größtem Vergnügen entwickelt sie ihr ureigenes Patres-Familia-System, in starker Anlehnung an das südliche Vorbild. Haben deutsche Männer so noch ihre ganz eigenen Vorstellungen zum Thema Familie und Machos, hat die deutsche Frau das mediterrane schon begeistert angenommen und ist oft gar beleidigt, wenn der Mann in dieser Richtung so gar nicht mitspielen will. Durch kleinste Fingerzeige oder falsche Mimik im richtigen Augenblick wird der Mann zum untreuen Feindbild. Rituale spielen dabei eine ausgiebige Rolle. Den die Frau will herumkommandiert werden. Wehe der Mann erfüllt seine Rolle als Vaterfigur nicht ordentlich, schon zieht er sich bittersten Hass zu. Ja, selbst wenn die erwünschten Misshandlungen ausbleiben, fühlen sie sich nicht mehr geliebt und verlassen umgehend ihren Schlaffi. Eher nachvollziehbar die Vorliebe junger Frauen für die Kirche. Die Predigt ist ein Nebenprodukt. Das Hauptinteresse gilt dem von Berufs wegen unberührten Pfarrer. Ein richtiger Mann. Unnahbar, – oder vielleicht doch nicht ganz! Ähnlich, beim klassischen Frauentyp. Bei ihm die letzte zu sein, denselben zu bekehren für Heim und Herd ist auch so etwas wie eine besondere Siegervorstellung. So entsteht vor der lustigen Kulisse, der südländischen Ehre, Mord und Totschlagsidee eine mindestens ähnlich aggressive Lebensweisheit. Wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen.

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Was sind Intelligenztests

15. September 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Intelligenztests liegen absolut im Trend. Nicht zuletzt weil sich das Fernsehen mit diversen Sendeformaten, wie etwa „Deutschlands klügste Kinder, -gerissenste Pfarrer, -ausgekochteste Kinokartenabreißer“, oder Quizshows wie „Wer wird Millionär“ usw., höchst intensiv und programmfüllend dieses Themas angenommen hat. Auch Votinglisten in Zeitschriften oder auf diversen Internetseiten rechnen ihnen heute exakt vor zu wie viel Prozent sie gemäß der von ihnen ausgewählten Frage- und Antwortoptionen ein Christ, Kommunist, Milchmann oder ein Schwarzbrot sind.
Wer mit der Zeit gehen will hat schon wenigstens einen solchen Test mitgemacht und weiß daher bis auf die hinterste Kommastelle, ganz genau wie intelligent er ist. Dabei kann ein solches Ergebnis durchaus variieren. Zum einen danach, wer den Intelligenztest erstellt hat. Jeder Pädagoge hat in dieser Richtung andere Vorstellungen oder Zielvorgaben. Zum anderen bei einem selbst, durch veränderte äußere Umstände oder der jeweiligen Verfassung.
Der Intelligenztest selbst geht in seinen Ursprüngen auf den Franzosen Alfred Binet zurück, der 1905 im Auftrag der französischen Regierung untersuchen sollte, wie man geistig behinderte Kinder in öffentlichen Schulen am besten unterrichten könnte. Mit seinem Kollegen Theophile Simon war er auf die Idee gekommen zu aller erst mit einem Test die Intelligenz der in Frage stehenden Kinder zu messen. Dieser Test bestand aus objektiv bewertbaren Problemsituationen, zu deren Lösung es ausschließlich des logischen Denkens bedurfte. Das Testergebnis wurde in der Weise angegeben, wie normale Kinder eines bestimmten Alters einen bestimmten Testwert erreichen konnten. Das sogenannte Intelligenzalter. Entsprach der Testwert dem Mittelwert des Ergebnisses der Testgruppe normaler Kinder, sind also Intelligenzalter und Testalter genau gleich, hat ein Kind einen Intelligenzquotienten (IQ) von 100.
Bald hatte auch das Militär diese Tests für sich entdeckt um körperlich und geistig, tüchtiges Menschenmaterial für den Militärdienst zu finden. Denn Entsprechend modifiziert lassen sich solche Tests für jeden beliebigen Zweck miss- gebrauchen.
Bleiben wir aber beim Sinn eines solchen Testes. Ein Kind mit einem IQ von 100 ist schulreif. Nach entsprechenden Variablen Binets ist es das genaugenommen in einer Spanne zwischen einem IQ von 80 bis 120. Testpersonen die unter 80 oder über 120 liegen sind das nicht. Diese fallen aus der Norm und damit auch komplett aus der pädagogischen Verantwortung. Hier hilft dann meist nur noch eine kleine Zuwendung an den Lehrkörper, oder eine intensiv geführte Vier-Augen-Diskussion mit demselben um seinen Sprössling doch noch unter die staatlich geförderte pädagogische Obhut zu geben.
Es bleibt die Tatsache, dass ein IQ-Test lediglich ein Schuleinstellungstest ist. Und ein Erwachsener, der sich seine Schulreife bestätigen lässt … Lassen wir die Frage nach dem Sinn eines solchen Testergebnisses, dass man dann stolz mit sich herumtragen kann erst einmal offen. Sicher kann die allgemeine Intelligenz als Folge eines extrem gleichförmigen Arbeitslebens (Spezialisierung) mit zunehmendem Alter auch abnehmen. Langzeitversuche an englischen Bergarbeitern bestätigten das.
Allerdings unterstützen diese Tests mit deren fernsehgeförderten Popularität auch die Faulheit unserer Pädagogen. Es werden nur noch bestimmte im Rahmen liegende Menschen überhaupt unterrichtet. Die Übrigen, ob nun mehr oder weniger intelligent müssen aussortiert werden, da diese den Betrieb und dessen pädagogische Einförmigkeit stören. Genügend Pädagogen gehen hierin schon so weit, dass sie sich ausschließlich um die Förderung der Einser- und Zweierkandidaten kümmern. Der Rest ist sowieso verloren. Doch so leicht sollten wir es den Pädagogen nicht machen, den die Freude der Pädagogen an immer weiteren Einschränkungen für die Bildungselite muss zwangsläufig in Misswirtschaft enden. Sie schadet, spinnt man den Faden nur ein wenig weiter der Konjunktur und gefährdet damit auch ganz empfindlich die Volksgesundheit. Und all das wegen der lustigen Spiele mit IQ-Tests und der Freude am katalogisieren von Menschen.

Stuttgarter Stäffeles-Olympiade

14. September 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Seilbahnfahrt und Maultaschen OB wandert ganze zwei Stunden mit

Stuttgart (mr) – Mit großer Beteiligung und prominenten Gästen aus der Politik wurde am Samstagmorgen die erste „Stuttgarter Stäffeles-Olympiade“ eröffnet.

Bei strahlend blauem Himmel, eben bestem Stuttgarter Sportwetter, machten sich am Morgen 250 Teilnehmer zur „Stäffeles-Olympiade“ vom Schauspielhaus in der Stuttgarter City auf den Weg um, auf der ausgesuchten Route von knapp 20 Kilometern Rund um den Stuttgarter Stadtkern, etwa 250 Höhenmeter und die, wie Harald Schuhkraft in seiner Streckenbeschreibung angab, exakt 2 564 „Staffeln“ durch Weinberge, Schrebergärten und Altstadt zu bewältigen. Auch eine Fahrt mit der „Seilbahn“ war in dem Programm enthalten. Selbst Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, der um neun Uhr den Start für die „Stuttgarter Stäffeles-Olympiade“ freigab lief einen großen Teil der Stecke mit. Ebenfalls unter den Läufern, Staatsminister Christoph Palmer und die Baden-Württembergische Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck, die beide am Kriegsberg- und Bismarckturm die kurzen Atempausen dafür nutzten noch einmal den Zweck der Veranstaltung, „Stuttgarts Olympiabewerbung 2012“ herauszuheben. An dem sonst beliebten Aussichtspunkt am Bismarckturm wurde für die Durstigen „Bismarcksekt“ gereicht. Neben den bekanntesten Stuttgarter Staffeln, wie der „Kriegsbergstaffel“, und der „Elsterstaffel“, im Volksmund auch „Ochsenorgel“ genannt (Bild), kamen die „Stuttgarter Olympioniken“ auch an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. An der „Bauernmarkthalle“ im ehemaligen Staßenbahndepot war Mittagspause. Bevor es von da aus zur Karlshöhe weiterging. Am letzten Rastplatz vor dem Ziel, in der Wannenstraße, logierte der Hofbräubus. Dort wurden den Läufern zur sportlichen Stärkung „Olympiamaultaschen auf der Hand“ gereicht. Auch erfahrene „Stuttgarter Stäffelesläufer“, wie Heidi Scharf, die schon mehrere „Stäffelesläufe“ in Stuttgart mitgemacht hatten, lobten die Veranstalter für die schön angelegte Tour, welche Veranstalter Horst Bohne Vorsitzender von Schwäbischen Albverein beim Vorwandern auf etwa fünf bis sechs Stunden angesetzt hatte. Dabei war die sportliche Motivation durchaus unterschiedlich. Etwa 95 Prozent der Olympioniken kamen in Wanderkleidung und nahmen sich wie Rudolf Braun und Karin Böhm aus Heslach in kleinen Gruppen auch sehr viel Zeit die vielen mit in die Strecke eingeplanten Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Andere liefen die Strecke durch. Gegen 15 Uhr kamen die ersten 50 Teilnehmer „Erschöpft aber glücklich“, wie sie sagten, vor dem Gemeindezentrum der Markusgemeinde an, um ihre Urkunde Empfang zu nehmen. Insgesamt sind 220 Urkunden abgeholt worden, berichtete Organisator Alfred Kern. Die Olympiade ist denn auch ohne Zwischenfälle verlaufen. Bei diesem schönen Wetter und tollen Programm hatten eigentlich alle Teilnehmer ihren Spaß. Allerdings ist bisher eine Zweitauflage noch nicht geplant.

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