Dosenpfand – wie man mit einer ordentlichen Portion Bürokratie eine andere aushebelt

28. Juni 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Sehr geehrter Herr Trittin, war Ihre Idee vom Dosenpfand so geplant?
Die Einführung des Dosenpfandes war ja schon ein sehr strittiges Thema. Verpflichtete Umweltminister Jürgen Trittin darin doch die Supermärkte und Händler die bei ihnen gekauften Dosen und nur die bei ihnen gekauften, gegen Entgeld wieder zurückzunehmen. Für einen guten Zweck. Es sollte der Umwelt helfen und Recycling ist ja immer gut. Besser, der Erlös ihr irgendwie zugute kommen. Weil ja die Ökosteuer nun in den Rententopf fließt.
Nun ist die Umsetzung des Dosenpfandes ja an sich schon mit beträchtlichem Aufwand verbunden. Für jede einzelne Dose müssen spezielle Pfandbons ausgestellt und dann die Dosen wieder separat zurückgeführt werden. Das ganze Unternehmen wird allerdings erst richtig seltsam, wenn man sich die Umsetzung der Dosenpfandidee beispielsweise bei der Deutschen Bahn ansieht, die mit ihrer Auslegung des Pfandsystems das ganze Unternehmen wieder einmal mehr in´s Absurdum führt.
Sicher, man kauft sich beim Zugfahren eigentlich keine Getränke. Allein wegen der horrenden Preise dort und dann bestimmt auch keine Dosen. Außer man ist neugierig, wie in einem Zug die Rücknahme der Leerdosen gehandhabt wird. Und dabei kann man gerade im ICE erstaunliches erleben. Im Bordrestaurant erstehen sie also eine Dose. Beim Austrinken stellen sie dann fest, dass sie Bahn die Rücknahme über eine Pfandmarke regelt. Diese haben sie getreu der Anweisung von der leeren Dose abzuziehen und in einem Umschlag mit ihrer Adresse und Kontonummer darin an eine Adresse in Osnabrück zu senden. Für 15 Cent Pfand, dass dann auf ihr Konto zurückgebucht werden soll müssen sie also schon 60 Cent für Marke und Umschlag investieren. Einmal Abgesehen davon, was es dieser Firma für Kosten an Kontoführung usw. verursacht. Nun könnte man sagen, dass es dann eben erst einen Sinn macht, wenn sie so 10 Marken oder mehr zusammen zum zurücksenden gesammelt haben. Aber wie oft fahren sie denn schon Zug, und vor allem, wie oft kaufen sie sich dort was zu trinken? Und nur deswegen in den Zug zu steigen, ein überteuertes Getränk kaufen um das Pfandsystem zu rechtfertigen, wer tut dass schon? Abgesehen davon wird einem auch diese Idee verleidet. Denn wenn sie dann in so zehn Jahren ihre zehn oder 15 Marken zusammen hätten haben sie den Einsendeschluss, der auf der Dose auch angegeben ist längst verpasst.
Aber selbst mit den 15 Cent Dosenpfand auf meinem Konto habe ich diese Dose, die ich ausdrücklich nicht zurücksenden soll immer noch. Die kann ich nun aus dem Abteilfenster werfen, in den Müll oder mit nach Hause nehmen. Den abnehmen, was der eigentliche Sinn dieser Aktion wäre würde mir diese Dose niemals mehr auch nur irgend jemand. Schon gar nicht die Bahn.

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Tag der Ersten Hilfe

23. Juni 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Am vergangenen Samstag fand auf dem Stuttgarter Schlossplatz der europäische Tag der ersten Hilfe statt.

Mit diesem Tag möchte man, so Klaus Schumacher, Kreisausbildungsleiter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Mitbürger dazu anhalten einmal wieder seinen Ersthelferkurs aufzufrischen. Normalerweise sei dieser „Tag der Ersten Hilfe“ in Stuttgart ja eine Woche später. In diesem Jahr hat man sich dazu entschlossen, diesen Tag am europaweiten „Tag der Ersten Hilfe“ gemeinsam mit allen anderen teilnehmenden Ländern zu begehen. Unter dem gemeinsamen Motto: Du hast nur ein Leben – Pass darauf auf stellten die unterschiedlichen Rettungs- und Erstehelferdienste der Region, wie Die DLRG, die Johanniter Unfallhilfe, die Malteser, das DRK und als besonderer Gast auch die Abteilung Verkehrserziehung der Polizei in Stuttgart Wangen ihre Arbeit vor. So bot die „Rettungshundestaffel Württemberg“ der Johanniter-Unfall-Hilfe eine Vorführung, was man beachten muss, wenn man einem verletzten Hund Erste Hilfe leisten will, um sich dabei nicht selbst in Gefahr zu bringen. In wenigen Handgriffen ist dann aus einer Mullbinde ein provisorischer Maulkorb gebastelt. Bei den Maltesern führt man Wiederbelebung zu fetziger Popmusik vor, dass ein wenig der Eindruck wie in einem Aerobic-Studio entsteht. „…9, 10, 11, 12 beatmen, beatmen 13, 14, 15 beatmen, beatmen.“ Kommandiert der Malteser Ersthelfer die Freiwilligen über den Plastikpuppen. Die Verkehrserzieher der Polizei beraten was beim Kauf eines Fahrradhelmes alles zu beachten ist, wo der Riemen sitzen soll und woran man einen gut sitzenden Helm erkennt. „Er sollte mindestens 15 Minuten getragen werden“, rät Verkehrserzieher Axel Feuchter und demonstriert den Aufprall aufs Pflaster an einer Kinderkopfgroßen Glühbirne, die er an einer Schnur mit Helm auf den Boden fallen lässt. An einem Katapult mit zwei Sitzen wird daneben Fall in den Sicherheitsgurt, bei einem Auffahrunfall demonstriert. Die Stationen der Ersthelfer sind über den ganzen Schlossplatz verteilt. Zwar finden sich nicht immer gleich Freiwillige, aber man bleibt bei den interessant gestalteten Vorführungen doch gerne mal eine Zeitlang stehen. Der Schminkplatz der DLRG für die simulierten Rad- und Autounfallopfer wird von den Kindern umlagert, die sich hier auch das eine oder andere Kunstwerk auf Gesicht und Arme malen lassen können. Ab und zu werden auch über einen Videorecorder Filme über Rettungsaktionen gezeigt

Man rechne heute zwar nicht mit vielen Anmeldungen, hofft aber, dass einige Passanten sich zu dem einen oder anderen der vielen Kurse entschließen, so Schumacher weiter. Viele Passanten erinnern sich tatsächlich mit grausen daran, wie lange ihr letzter Ersthelfer-Kurs schon zurückliegt. Sonst wird der Tag sehr gut angenommen. Für Kinder und erwachsene gibt es viel zu sehen und zu hören und Kinder können Pflästerchen und Luftballons abstauben. So einen Tag mache man jedes Jahr. Die meisten der Ersthelfer seien auch heute ehrenamtlich dabei. Es sei einfach der Reiz seine Freizeit sinnvoll zu verbringen, oder auch diese Dinge für sich selbst und für den alltäglichen Gebrauch beherrschen zu können.

Arbeitslosigkeit als letztes Abenteuer der Menschheit

8. Juni 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Gespräch:

Eine Arbeit zu finden kann doch eigentlich nicht so schwer sein, denke ich, wenn ich zuhöre wie sich Arbeitslose mehr und mehr darüber beklagen keinen Job zu bekommen. Aus diesem Grund bin ich selber einmal auf das Arbeitsamt marschiert.

Arbeitsamt Bezirksstelle Bad Cannstatt 1. OG. Buchstabe R-Z um 9. 22 Uhr. Wie im Vorraum beschrieben ziehe ich mir also eine Nummer und fülle den Anmeldebogen aus. Dann werde ich hereingebeten.

Arbeitsvermittlerin (A): Bitte setzen sie sich doch. Was kann ich für sie tun?
Ich selbst (I): Ich brauche Geld und suche eine Arbeitsstelle (lache. Was sollte ich wohl sonst hier).
A: (überlegt und sieht sich den Anmeldebogen an) So einfach geht das leider nicht.
I: Wieso, sie sind das Arbeitsamt, sie vermitteln doch Arbeitsplätze, oder nicht?
A: (liest noch den Bogen) Schon nur… Was haben sie den bisher gemacht?
I: Das ist doch völlig egal. Sehen sie mich meinetwegen einfach als ungelernte Hilfskraft an. Ich brauche Geld. Und das möglichst bald.
A: Uns ist das leider nicht egal. Wir können sie ja auch nicht unterhalb ihrer Qualifikation vermitteln.
I: Das verstehe ich nicht. Wenn mir mein alter Job als Beispiel keinen Spaß mehr macht. Oder ich darin einfach keine Zukunftsperspektiven mehr sehe, warum sollte ich dann nicht mal etwas neues ausprobieren können? Dafür ist das Arbeitsamt doch da. Sonst hätte ich ja genauso gut in meinem alten Job bleiben können.
A: Solche Fälle können wir leider nicht vermitteln.
I: Sie wollen mir also gar keine Arbeit geben?
A: Sie haben Elektriker gelernt. Warum…
I: …Warum wollen sie in dieser Branche nicht mehr weiterarbeiten? Der Job ist einfach nicht mehr das was er mal war. Die Arbeit wird zusehends schmutziger, stressiger und damit auch immer gefährlicher. Ich will jetzt einfach etwas anderes machen. Warum darf ich das nicht? Ich möchte. Dass sie mich wie jeden anderen Arbeitslosen hier drin behandeln.
A: Sie sind nicht Arbeitslos. Sie haben doch einen Job.
I: Nein, habe ich nicht. Ich bin arbeitslos. Darum bin ich hier. Also geben sie mir nun irgend einen freien Job?
A: Glauben sie, dass der dann besser ist als der des Elektrikers?
I: Alles ist besser als Elektriker.
A: Wie wäre es mit einer Umschulung?
I: Zum was?
A: Wir haben sehr gute Kurse.
I: Ich will keinen Kurs. Ich will Arbeit. Ich brauche Geld.
A: Sie würden natürlich weniger verdienen als im alten Job.
I: Weniger verdienen als ein Elektriker. Das geht gar nicht.
A: Für uns sind sie so jedenfalls nicht vermittelbar.
I: Warum?
A: Weil sie einen Job haben. Auch wenn ihnen der nicht gefällt.
I: Ich bin arbeitslos und die Arbeitsmarktlage sieht selbst bei Elektrikern nicht gerade gut aus.
A: Ja, wenn sie selber gekündigt haben…
I: Habe ich nicht. Ich bin rausgeflogen. Ich bin Arbeitslos. Sie müssen mich vermitteln. Der Punkt ist doch nur, warum kann ich denn nicht einfach etwas anderes machen, wie jetzt vielleicht Jahre zu Hause zu sitzen und auf einen Job als Elektriker zu warten.
A: Haben sie sich schon einmal überlegt, dass sie damit vielleicht anderen einen Arbeitsplatz wegnähmen, für den diese viel besser qualifiziert sind als sie?
I: Bitte! Das ist jetzt aber an den Haaren herbeigezogen.
A: (Sieht auf die Uhr)
I: Ist meine Gesprächszeit abgelaufen?
A: Wir können ihnen nicht einfach irgend einen Job geben. So etwas machen wir einfach nicht. Wir sind doch nicht…
I: Das Arbeitsamt!? (lache) Ich sollte wohl mal ihren Clement fragen, wozu sie eigentlich da sind.
A: In ihrem Fall geht es einfach nicht.
I: Und genau das begreife ich nicht. Wo liegt das Problem mit mir? Welcher Pasus verbietet ihnen mir einen Job zu verschaffen?
A: Sie könnten sich unten am PC über das Stellen Informations System selbst einen suchen.
I: Das beantwortet nicht meine Frage. Warum bekomme ich auf dem Arbeitsamt keinen Job?
A: Weil wir einfach so irgend welche Jobs an irgend welche Arbeitssuchende nicht vermitteln.
I: Sie sind also nicht das Arbeitsamt. Was ist mit dem Pasus, der Langzeitarbeitslose dazu verpflichtet jeden ihnen zumutbaren Job annehmen zu müssen weil man ihnen sonst ihre Bezüge kürzt. Kann ich nicht einfach als vorgezogener Langzeitarbeitsloser betrachtet werden?
A: Ich kann ihnen einfach nicht weiterhelfen. Tut mir leid.
I: Haben sie nicht irgend welche Angebote offener Stellen, die sie stopfen müssen. So Ladenhüter meinetwegen?
A: (lacht) So arbeiten wir nicht.
I: (bisher dachte ich immer dass das Arbeitsamt genau so funktioniert. Komisch) Aber es ist doch traurig, dass ich auf dem Arbeitsamt keinen Job bekomme.
A: Ich kann ihnen leider nicht helfen.

Ich gebe auf. Ich denke nun zu verstehen, warum wir in Deutschland Massenarbeitslosigkeit haben. Wenn nicht mal der Arbeitswillige aus Gründen reiner bürokratischer Willkür einen Job bekommen kann. Wie sehen sie das Herr Clement? Ich finde sicher überall einen Job, oder eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Aber wollen sie das wirklich erreichen? Was ist mit dieser Geschichte der Vermittlungspflicht, auch in andere, oder ortsfremde Jobs?

Tankerkollision vor Bornholm, Dänemark (2B)

2. Juni 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Hintergrund: Der Chinesische mit Kunstdünger und Schweröl beladene Tanker „Fu Shan Haj“ stößt am Samstag bei völlig klarer Sicht und ruhiger See mit dem auf Zypern registrierten, polnischem Frachter „Gdynia“ vor der dänischen Ostseeinsel Bornholm zusammen, zerbricht in zwei teile und sinkt auf etwa 70 Meter Tiefe. Der zuständige Vertreter der dänischen Seenotrettungszentrale, Alex Jensen dazu: „Das Unglück war beim besten Willen nicht zu verhindern.“ Außerdem handele es bei den an die schwedischen Küste geschwemmten Ölmengen um „Kinkerlitzchen“.

Ergebnis: 67 000 Tonnen Kunstdünger und 1 700 Tonnen Schweröl laufen aus den leckgeschlagenen Tanks und überziehen die schwedische Ostseeküste zwischen Simrishamm und Ystad mit einem 12 Kilometer langen bis zu 40 Zentimeter dickem Ölteppich., das gerade im Sommer ein Ziel vieler Ostseetouristen und Seevögel ist. Und auch Dänemark und Schweden sind sich über die Bergungs- und Schuldfrage lange nicht eins, so dass auch hier Öl und Kunstdünger, der wohl zu einer heftigen Algenplage führen wird, lange weiter ihr zerstörerisches Werk fortsetzen konnte

Tankerkollision vor Bornholm, Dänemark (2B)

2. Juni 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
Hintergrund: Der Chinesische mit Kunstdünger und Schweröl beladene Tanker „Fu Shan Haj“ stößt am Samstag bei völlig klarer Sicht und ruhiger See mit dem auf Zypern registrierten, polnischem Frachter „Gdynia“ vor der dänischen Ostseeinsel Bornholm zusammen, zerbricht in zwei teile und sinkt auf etwa 70 Meter Tiefe. Der zuständige Vertreter der dänischen Seenotrettungszentrale, Alex Jensen dazu: „Das Unglück war beim besten Willen nicht zu verhindern.“ Außerdem handele es bei den an die schwedischen Küste geschwemmten Ölmengen um „Kinkerlitzchen“.

Ergebnis: 67 000 Tonnen Kunstdünger und 1 700 Tonnen Schweröl laufen aus den leckgeschlagenen Tanks und überziehen die schwedische Ostseeküste zwischen Simrishamm und Ystad mit einem 12 Kilometer langen bis zu 40 Zentimeter dickem Ölteppich., das gerade im Sommer ein Ziel vieler Ostseetouristen und Seevögel ist. Und auch Dänemark und Schweden sind sich über die Bergungs- und Schuldfrage lange nicht eins, so dass auch hier Öl und Kunstdünger, der wohl zu einer heftigen Algenplage führen wird, lange weiter ihr zerstörerisches Werk fortsetzen konnte.

Wo bin ich?

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