Süddeutschlands ältester Spielzeugmarkt ist wieder auf dem Killesberg

10. Januar 2003 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Eine Messe für Vorkriegsspielzeug Ersatzteile und Raritäten

Stuttgart (mr) – Der älteste Eisenbahn-, Puppen und Spielzeugmarkt Süddeutschlands hatte für seine Sammler und Liebhaber am ersten Wochenende im neuen Jahr wieder seine Pforten auf dem Messezentrum geöffnet.

Etwa 200 Aussteller aus ganz Europa präsentierten dort ihre alten Eisenbahnen. Mit Dampfbetrieb oder zum Aufziehen, wie auch strombetriebene Züge. Aber auch altes Blechspielzeug, Steiftiere, Puppenstuben aus der Barockzeit und Ersatzteile in großer Auswahl konnte man auf dem Markt bestaunen und erstehen. Dieser ganz spezielle Spielzeugmarkt findet immer am ersten Wochenende im neuen Jahr auf dem Killesberg statt. Als diesjährige Besonderheit wurde im Foyer des Kongresszentrums eine etwa 35 Quadratmeter große Spur Null-Anlage aufgebaut. „Seit sieben Uhr früh wird an der Anlage gearbeitet“, so Veranstalter Rolf Theurer. Für Rentner Kurt Ellinger ist die alte Eisenbahn ein tolles Hobby das er sich früher, wie er sagt, gar nicht leisten konnte. Erst jetzt in Rente, nach einem erfüllten Arbeitsleben könne er bei diesen Angeboten zugreifen. „Ich habe heute extra meinen großen Geldbeutel mitgenommen“, sagt er lachend. Eine Lok für 8 000 Euro oder auch mehr könne bei Gefallen heute durchaus drin sein. Roland Matt verkauft Märklin Bahnen und ist selbst ein begeisterter Sammler der alten Spur Null Bahn. Er habe schon vor dem allgemeinen Eisenbahntrend, der um die 80er begonnen hatte alte Züge gesammelt. Die heute erheblich im Preis gestiegen seien. Der Trend sei ja wieder ein bisschen zurückgegangen. Der Untertürkheimer Wolfgang Berendt bietet einen kompletten Lokschuppen für 900 Euro an. Er und seine Frau restaurieren und verkaufen Ersatzteile für dieses ausgefallene Hobby. Wie zum Beispiel die langgesuchte Milchglas-Glühbirne. 20 Volt mit 25 mm Glaskugel exakt nach dem Märklein Vorkriegsvorbild. Einen Großteil ihres umfangreichen Ersatzteillagers haben sie heute dabei. Bernhard Hehr aus Schwaigheim baut Tender aus Blech in mühevoller Kleinstarbeit selbst nach. „Für so ein bunt bemaltes Modell brauche ich wohl sicher so um die zehn Stunden“. Eine Lok aus der Vorkriegszeit möchte er für 6 000 Euro an den Mann bringen. „Die hat vor über 60 Jahren schließlich ganze 100 Mark gekostet. Das war damals auch nicht wenig Geld“. Ein kompletter Leipziger Bahnhof nachgebaut auf Spur Null hat schon in den ersten Minuten der Messe seinen Käufer gefunden. Barbara Narr-Ungar sammelt Puppenstuben aus der Barockzeit und bis zu den fünfziger Jahren. „An diesen Puppenhäusern ist früher ja das Rollenverhalten von Mädchen einstudiert worden. Sie waren das Anschauungsmaterial für das spätere häusliche Leben“, weiß sie noch. Stolz ist man auch auf einen komplett spiritusbetriebenen Kinderbackofen, der noch tadellos funktioniert. Auch die Künstlerpuppen und Bärchen der Fellbacher Familie Kunz von Heidi Ott, oder Herrmann Original und Zwergnase finden schnell ihren Liebhaber. Rolf Theurer begrüßt dann seine Gäste herzlich zur ersten Ausstellung im neuen Jahr. Theurer hat seine Liebe zu alten Spielsachen so um 1980 wiederentdeckt, als er seine alte Eisenbahn einmal wieder aufgebaut hatte. Damals hatte er dann auch im kleinen Rahmen angefangen im Kursaal die ersten Börsen zu organisieren. Die dann wie von selbst sehr schnell gewachsen seien und die heutige Dimension angenommen hätten. Heute organisiert Theurer eine Menge Veranstaltungen Rund ums Spielzeug in Sindelfingen, Böblingen die Interbär in Fellbach oder die Puppen, Bären und Miniaturen in Ludwigsburg, da die Miniaturen sehr im Kommen seien und auch die Barbykonvention in Koblenz.

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