Behinderung, nein Danke

9. Juni 2002 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Antonino Zambito
Die Medizin hat uns die Möglichkeit gegeben frühzeitig zu entscheiden ob ein behindertes Kind geboren werden soll.
Damit haben Eltern die Freiheit zu wählen ob sie sich der Belastung gewachsen fühlen oder nicht. Aber was trägt zu Ihrer Entscheidungsfindung bei? Es ist mit Sicherheit der psychische und finanzielle Druck dem Sie über Jahre hinweg ausgesetzt sind. Viele werden mit der Situation nicht fertig. Sie lassen Ihre Aggressionen an ihrem Schützling aus. Bis es dann vielleicht ins Heim kommt, in dem es ebenfalls Gefahr läuft körperlich oder sogar sexuell Missbraucht zu werden. Was vor allem bei geistig behinderten Frauen vorkommt. Soll man seinen Kindern dies antun? Oder wäre es besser man würde Ihnen das alles ersparen? Die Entscheidung ist nicht einfach. Denn das Problem liegt darin, das man nicht genau sagen kann bis zu welchem Grad die geistige Behinderung reicht. Was, wenn es nur eine geringe Auswirkung auf sein weiteres Leben hat?
Als geistig behindert bezeichnet man einen Menschen der unter einer Einschränkung des Denk- und Wahrnehmungsvermögens leidet. Sowie unter Sprach-, Lern- und Verhaltensstörungen. Früher unterschied man mehrere Stufen doch kommt man mittlerweile davon ab. Es hat sich gezeigt das durch die verbesserte Ausbildung und Versorgung sowie spezielle Schulen, Werkstätten und Heime diese Menschen durchaus Fortschritte machen. Eine geistige Behinderung ist kein starrer Zustand. Geistig Behinderte Menschen brauchen eine spezielle Umgebung um sich weiter zu entwickeln. Geistig behindert zu sein bedeutet nicht das man nicht lernfähig ist, sondern nur das man länger braucht. Also, gar nicht so schlimm mag man jetzt meinen. Im Prinzip nicht.
Was aber wenn das eigene Kind nur im Bett liegt und über Jahre hinweg vor sich hin sabbert? Und dies kann im schlimmsten Fall passieren. Macht man sich dann nicht Vorwürfe? Wünscht man sich dann nicht anders entschieden zu haben. Was würden wir wollen, wenn wir selbst behindert wären? Den Eltern über Jahre hinweg zur Last fallen? Oder wäre man lieber Tod?
Die meisten wählen den Tod. Doch darf man nicht vergessen das solche Gedanken in diesem Fall vielleicht gar nicht da sind. Weil man durch die Behinderung nicht dazu fähig ist. Nehmen wir uns etwas Zeit und Stellen uns vor, wir wären wieder Kinder mit den Gedanken eines Kindes. Und jetzt stellen wir uns doof. Na? Ist es selbstverständlich für uns das uns jemand sauber macht? Oder bekommen wir das gar nicht mit? Nicht so einfach.
Die Reaktionen auf Umweltreize kann man sehen aber nicht ob rationale Gedanken vorhanden sind. Stellen wir uns eine weitere Frage.
Wäre dieses leben im Stande in der freien Natur zu überleben?
Nein. Es würde sehr schnell sterben. In der Natur kann nur überleben was im Stande ist sich Selbst zu versorgen. Sicher wir leben nicht mehr als „ Wilde“ im Wald. Wir Menschen haben eine Soziale Gesellschaft erschaffen um die schwachen mit durch zu bekommen. Was aber wenn wir keine schwachen mehr hätten? Wäre die Gesellschaft dann nicht entlastet?
Was, wenn wir dieses leiden von vornherein unterbinden würden? Würden wir uns des Mordes schuldig machen? Hätten wir eine Gesellschaft die auf selektiver Auswahl gründet? Auf Mord an ungeborenem Leben?
Gehen wir deshalb das Problem nicht gern an, weil es einfacher ist diese Menschen weg zusperren und eine Industrie um sie herum aufzubauen als Ihr leben von vornherein zu verhindern? Machen wir uns mit unserer Doppelmoral nicht auch schuldig?
Verehrte Leserin verehrter Leser, ich habe mit Absicht ein negatives Bild dieser Situation gezeichnet um eine Frage an Sie zu stellen.
Ist es moralisch vertretbar ein behindertes Leben auf die Welt zu bringen, wenn man die Möglichkeit hat es nicht zu tun?

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