T. 2

15. November 2001 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Antonino Zambito
T. trank den Tee aus seiner Tasse während er zum Fenster hinaus schaute. Er genoss das Farbenspiel des Sonnenaufganges. Das war zwar nicht seine Zeit um schon auf zu sein doch wenn er es war, lies er es sich auch nicht nehmen aus dem Fenster seiner Dachwohnung das verschmelzen der Farben am Horizont zu bewundern. Ihm gefielen die roten Dächer Lissabons. Wenn das Weiß und Gelb der Wände den Tag ankündigte. Er trank den Tee aus, der zum Schluss etwas bitter schmeckte, zog seine Jacke an und verließ die Wohnung.

Der Weg führte ihn durch enge Gassen, vorbei an alten Häusern deren abbröckelnder Putz das nackte, bunte Mauerwerk entblößte. Er ging in Richtung Hafen.

Am Platz „Praça do Comércio“ angelangt schlenderte er durch den Triumphbogen in die Rua Augusta hinein. Hier setzte er sich in ein Cafe und bestellte einen Espresso und ein paar Sahnetörtchen. Dieses Cafe war ein guter Platz um die Menschen zu beobachten, die wie Ameisenkolonien hin und her liefen ohne scheinbar zu wissen warum sie das taten. Manche ahnten die Zusammenhänge, den Zweck ihres Tuns, aber nur sehr wenige kannten wirklich den Sinn dahinter. Sie liefen einfach zur Arbeit oder zurück nach Hause. In ein Leben das die meisten nicht führen wollten sich aber außerstande sahen etwas daran zu ändern. Er hatte dies schon vor langer Zeit hinter sich gelassen.
Er lebte jetzt vielleicht nicht genau wie er es sich wünschte doch arbeitete er daran dies zu erreichen. Das leben das er jetzt führte entsprach eher dem leben das er führen musste um zu werden was er wollte. Denn eines hatte er auf seinen Reisen gelernt. Alles kommt zu seiner Zeit. Nichts geschieht zu früh oder zu spät. Alles passiert zum richtigen Augenblick. Auch wenn es manchmal nicht so scheint.

T. trank seinen Espresso aus, zahlte und ging zum Bahnhof. Er löste einen Fahrschein nach Cascais, dem nächsten Bad – und Touristenort in der Nähe von Lissabon. Der Zug war nicht voll. Viele Personen die darin saßen erfüllten die typischen Klischees einer Großstadt. Büromenschen die Zeitung lasen, Jugendliche die tuschelten, Hausfrauen die sich viel zu laut über Banalitäten unterhielten. Es machte ihm während einer Zugfahrt immer besonders viel Freude Menschen in bestimmte Schubladen einzuordnen. Er setzte sich auf die linke Seite in Fahrtrichtung, so hatte er die gesamte Fahrt über einen Blick auf den Tejo. In welche Schublade würde er sich selber einordnen? Fragte er sich.

Cascais ist zwar im Vergleich zu Lissabon nicht besonders groß, trotzdem hatte das Städtchen es geschafft vom kleinen Fischerdorf zu einer Touristenattraktion zu werden. Die Geschäfte und Bars liegen direkt am Meer. Klippen und hier und da eine Kaimauer schützen sie vor den gewallten des Meeres, aber gerade das macht eben den besonderen Reiz dieser Stadt aus. T. saß auf einer dieser Mauern und sah den Touristen zu. Wie sie in Cafes saßen oder durch die Geschäfte  zogen. Hungrig nach mehr von was auch immer. Dann fiel sein Blick auf einen Mann der sich gegen eine Hauswand drückte. Er schien jemanden zu beobachten. Neugierig ging er etwas näher heran. Jetzt konnte T. sehen auf was der Mann es abgesehen hatte. Eine Handtasche…

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für November, 2001 auf explicatio an.