Antibiotika

19. November 2000 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Antonino Zambito
Bisher als die Wunderwaffe der Medizin gehandelt gerät es immer öfter in die negativen Schlagzeilen. Antibiotika versagt! Aber warum?

Antibiotika werden bei Bakterieninfektionen eingesetzt. Also gegen Bakterien! Bakterien wiederum sind kleine, einzellige Lebewesen, die eine Schutzfunktion im menschlichen Organismus haben. Das heißt: Sie helfen uns bei der Abwehr von Krankheiten! Man findet Sie in allen Floren unseres Körpers, wie der Darmflora, der Mundflora, den Hautfloren und der Scheidenflora. Flora bedeutet eine Besiedelung angepasster Bakterien an einem speziellen Standort.All diese Bakterien leben in Koexistenz mit uns und ohne sie würde es uns um einiges schlechter gehen.

Warum werden wir dann durch Bakterien krank?
Es sind nicht die Bakterien selber die uns krank machen, sondern die Toxine der Stoffwechselprodukte. Nicht aber von allen Bakterien. Diese Gifte lösen eine Abwehrreaktion in unserem Organismus aus und wir werden krank. Tuberculose, Typhus, Choléra etc. Waren alles Krankheiten die durch bakterielle Stoffwechselprodukte verursacht wurden und vielen Menschen das leben gekostet haben. Bis 1928 der Mikrobiologe Alexander Fleming das Penicillin entdeckt hatte. Das erste Antibiotikum! Was aber wiederum auch nichts anderes war als das Stoffwechselprodukt von Pilzen, Algen, und anderen Bakterien. Diese töten oder hemmen unsere körpereigenen Bakterien in ihrem Wachstum. Im Prinzip ganz einfach und effektiv.

Wie bilden sich dann Resistenzen gegen Antibiotika?
Es gibt viele Möglichkeiten. Entweder hat sich die Kontaktstelle zwischen Bakterium und Antibiotikum geändert oder auch die der Zellwände. Manche Bakterien setzen auch Enzyme ein um das Antibiotika zu deaktivieren. Die Liste ist endlos und Schuld ist der natürliche Vorgang der Resistenzentwicklung. Denn alle Organismen passen sich ihren Lebensbedingungen an, oder müssen sterben. Dies gilt auch für Bakterien. Das witzige ist ja, daß Bakterien ihre Resistenzgene an andere Bakterienstämme der gleichen Spezies und anderen Arten weitergeben können. Das heißt das Bakterien von anderen Bakterien lernen. Wir sind aber nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung. In Kliniken scheinen Sie in Antibiotika zu Baden. Ärzte verschreiben sie auch bei Bagatellen und in der Tierhaltung werden Antibiotika unter das Futter gemischt. Zur Therapie und Vorbeugung. Es werden dabei gut 50% der gesamten Antibiotika Produktion schlicht aufgefressen. Viel Sinn hatte das bisher jedoch nicht. Trotzdem ist beinahe die Hälfte unseres Geflügelfleisches ist mit Salmonellen oder Campylobakter Keimen belastet. Aber keinen Grund zur Panik. Es gibt eine neue Wunderwaffe. Zyvox von der Firma Pharmacia & Upjohn die kürzlich mit der Fa. Monsanto (Gen-veränderte Produkte) zur Pharmacia Corporation verschmolz. Diese tötet alle Bakterien ab. Ob sie resistent sind oder nicht ist egal. Sogar die Bakterien im Darm die unser Immunsystem unterstützen gehen drauf, nach dem Motto „Keine Gefangenen“. Nebenwirkungen sind abgesehen vom geschwächten Immunsystem noch Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall.
Machen wir uns nicht selber damit kaputt? Sicher, aber wenn wir schon gehen müssen, dann nehmen wir noch ein paar von den Biestern mit ins Grab.

Die Entwicklung von Resistenzen ist nicht aufzuhalten. Das hat man schon immer gewusst, oder war das Studium vom Prof. Soundso für die Katz? Es ist der Lauf der Natur, so haben schließlich auch wir uns entwickelt. Tatsache ist, das ohne Bakterien kein höheres Leben auf Erden möglich wäre. Das einzige was uns helfen könnte wäre die Einschränkung des Antibiotika Einsatzes. Wir müssen nicht gleich gegen alles und jeden Antibiotika einsetzen. Schulmediziner haben nun zugegeben das Kinder die im Dreck spielen eine stärkere Abwehr entwickeln als solche in sterilen Räumen. Alle Antibakteriellen Putzmittel verstärken nur die Resistenzentwicklung.

Wir sollten lieber unser Immunsystem stärken als das der Bakterien.
Ansonsten könnte es sein daß wir eines Tages mit einem Zwei Meter großen Enterokokken ein Bier trinken gehen.

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