Menschen

23. September 2000 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Wieviel Hände braucht der Mensch im 21. Jahrhundert für sein kleines Geschäft?

Vergessen sie dabei nicht daß wir, glaubt man den Medien (aber natürlich), uns nun in einem Informationszeitalter befinden.

Die Studie: (schalten sie beim durchgehen des folgenden Textes ihr hart anerzogenes Schamgefühl nun einen Augenblick völlig aus und jagen sie alle unter 18 jährigen aus ihrer Wohnung).

Es ist etwa 10 Uhr und wir sind auf der Herrentoilette des Daimler – Chrysler Automobil – Kundendienst – Zentrums. Einer der Meister, sein Status ist an drei Zeichen deutlich erkennbar, tritt an ein Pissoir.

-Der beim gehen hoch erhobene Kopf  (etwas in den Nacken geworfen, mindestens zehn Grad über der Horizontale).

-Dem steifen übertrieben gerade durchgedrückten Rücken.

-Und natürlich dem unvermeidbaren grauen Arbeitsmantel mit Stern auf der Brust (wir sind wie erwähnt beim Daimler).

In der Hand eine brennende Zigarette, was auf dem WC schon als sehr mutig eingestuft werden kann. Jung, dynamischer Mensch eben. Man kann diese ja während dem Geschäft in den Mund stecken. Ist auch der Sinn von den Dingern. Gut, abgesehen, daß man sich dabei sein Ding verbrennen kann, was ist da so ungewöhnlich daran, und was soll dieser Mist eingangs mit den wie vielen Händen?

Es klingelt das Handy und wenn man am WC steht muß da selbstverständlich dran gegangen werden.

Beobachten wir gemeinsam dieses meisterhafte Schauspiel:

Ein Griff mit der Rechten zur linken Innentasche! Handy raus. Knopf drücken und an das Ohr damit.

Dann greift man mit zwei freien Fingern nach der Zigarette. Vorsichtshalber, man möchte ja verstanden werden.

Irgendwann wird es zu warm am Ohr oder die Finger steif.

Ein kurzer Zug, dann hat man die Zigarette in der Linken.

Sieht zugegeben absolut cool aus.

Aber auch das ist keine befriedigende Lösung. Etwas stimmt nicht. Man entschließt sich scheinbar dazu die Zigarette aus zu pinkeln.

Die Szene gerät nun durcheinander, den der kleine Freund will auch nichts sagen. Er hat noch den Mund voll.

Aber schließlich ist das Geschäft auf beiden Seiten abgeschlossen.

Noch zweimal mit dem Kamm über die Frisur. Ja, da kann man zurecht hoch erhobenen Hauptes wieder an sein Tagwerk gehen.

Ein echter Meister.

Und warum hatte ich keinen Fotoapparat dabei?

Wo bin ich?

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