Völkermord in Ruanda (Zentralafrika) (6A/3B)

7. April 1994 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt

Hintergrund: Ruanda ist das Land der tausend Hügel, die afrikanische Schweiz, das christlichste Land des Kontinents. Ruanda ist aber auch das Synonym für einen der grausamsten Völkermorde der Menschheitsgeschichte: Am Morgen des 7. Aprils begann in der Hauptstadt eine 100 Tage dauernde Mordwelle. Die auf ethnischen Hass gedrillten Todesschwadronen und Milizen des Habyarimana-Regime und der extremistischen Hutu-Parteien – sie waren Soldaten der Regierungsarmee und Zivilisten, Verantwortliche Regierungsbeamte bis hin zum Dorfbürgermeister und Grundschullehrer – schlachteten alles nieder. Der Massenmord an Angehörigen der Tutsi-Minderheit wie auch Oppositionelle aus der Hutu-Mehrheitsbevölkerung, wurden überwiegend mit Macheten, Keulen, Messern und Schusswaffen verübt. Wer großgewachsen war und eine schmale Nase hatte, galt als Tutsi und wurde an Ort und Stelle getötet.

Ergebnis: In diesen Tagen starben etwa 850 000 Menschen. An die drei Millionen Menschen, nahezu die Hälfte der Einwohner Ruandas ist auf der Flucht. Das Elend in den Flüchtlingslagern ist trotz der Eingriffe vieler Hilfsorganisationen unbeschreiblich. Seuchen breiten sich aus, die Cholera forderte wieder Tausende Tote. Neun Jahre nach dem infernalischen Morden sind die Gefängnisse des kleinen Landes noch immer überfüllt. Mehr als 100 000 mutmaßliche Täter warten auf ihre Verhandlung. Die Anklage lautet: Beteiligung am Völkermord.

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