Supergau im Atomkraftwerk Tschernobyl

26. April 1986 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Marco Rettstatt
(Ukraine) (4A/3B/5C)

Hintergrund: Erinnern Sie sich noch? In den letzten Apriltagen des Jahres 1986 fürchteten die Menschen in ganz Europa den nächsten Regenschauer. Kinder durften nicht mehr draußen spielen, auch das Gemüse aus dem eigenen Garten nicht mehr verzehrt werden. Am 26. April 1986 um 1.23 Uhr hatte in der Ukraine eine mächtige Explosion das Reaktorgebäude von Block Nr. 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl zerrissen. Die dabei freigesetzte radioaktive Wolke ließ die Geigerzähler wenig später auch in Westeuropa ausschlagen. Vorwiegend menschliches Versagen hatte zum ersten Supergau in der Geschichte des Atomzeitalters, der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl geführt. Die herausgeschleuderte Radioaktivität verbreitete sich um die ganze Welt. In Weißrussland, der Ukraine und Russland wurde ein Gebiet größer als die ehemalige DDR und etwa dreimal so groß wie das der Schweiz hochgradig verstrahlt.

Ergebnis: Bei dem Unfall wurde 200 Mal soviel Radioaktivität wie durch die Atombomben in Hiroshima und Nagasaki freigesetzt. Tausende Menschen starben. Von den insgesamt 850 000 eingesetzten Helfern, die sich an der Eindämmung der Katastrophenfolgen beteiligt hatten starben bisher 50 000 an den Spätfolgen wie Schilddrüsenkrebs, Leukämie, Gefäß- und Strahlenkrankheiten. 93 Prozent von ihnen sind mittlerweile als krank anerkannt. Somit ist der größte Teil der Opfer erst in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten. Noch immer leben etwa 3,2 Millionen Menschen auf dem radioaktiv verseuchten Boden, von dem 23 Prozent einer Strahlenbelastung von einem Curie pro Quadratkilometer ausgesetzt sind. 2 640 Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche mussten stillgelegt werden. Hunderttausende leben in Gebieten, die nach offiziellen Kriterien unbewohnbar sind. Bis heute ist diese Zeitbombe noch nicht entschärft. Der über dem zerstörten Reaktorblock errichtete Betonsarkophag ist baufällig und undicht. Russische Wissenschaftler schätzen die Gesamtkosten für eine Sanierung des Sarkophags auf etwa 2,5 Milliarden US-Dollar. In Deutschland sind 1987 vermutlich mehr als 300 Neugeborene an den Folgen von Tschernobyl gestorben. Wildfleisch und Pilze beispielweise aus Ostbayern und der Oberpfalz sind mit Radiocäsiumgehalten von weit über 1 000 Becquerel pro Kilogramm immer noch deutlich kontaminiert.

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